Hundeskulpturen von Poren Huang

Hundeskulptur von Poren Huang

Hundeskulptur "I'm not happy" von Poren HuangSie sind überwiegend aus schwarz-glänzendem Material, die Hundeskulpturen des auf der Insel Taiwan lebenden und arbeitenden Künstlers Poren Huang. Damit bilden sie ihr Vorbild in entscheidender Hinsicht realitätsgetreu nach: den Taiwanhund, der besonders oft über ein schwarzes Fell verfügt. In Taiwan ist der Hund seit Jahrhunderten ein treuer Begleiter der Menschen. Poren Huang porträtiert in seinen Skulpturen auf sehr humorvolle Weise typische Verhaltensweisen von Hund und Mensch, die durch die reduzierte Darstellungsweise viel Ähnlichkeit mit Comic- oder Spielzeugfiguren aufweisen.

Hundeskulpturen von Poren HuangHunde haben in Asien generell eine besondere Bedeutung. Der Hund ist beispielsweise ein Tier des traditionellen chinesischen Kalenders, dem mit dem Attribut ‚treu’ eine eindeutig positive Eigenschaft zugewiesen wird. Dem unerschütterlich treuen Hund Hachikō, einem japanischen ‚Akita‘, ist sogar in Form des gleichnamigen Films mit Richard Gere in der Hauptrolle ein Denkmal gesetzt worden. Hachikō weist genauso wie der Taiwanhund mit dem dreieckigen Kopf und der sichelförmigen Rute viel Ähnlichkeit mit dem Urtyp auf und ähnelt insofern auch sehr den Hundeskulpturen, die Poren Huang herstellt. Während es sich bei japanischen ‚Akita‘ um eine sehr alte Rasse handelt, ist der Taiwanhund erst im Jahr 2015 offiziell als eigenständige Rasse anerkannt worden. Als Jagdhund war er Jahrhunderte lang ein treuer Begleiter der Menschen auf der Insel Taiwan, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts noch vorwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Nutztiere, die den Menschen bei der Bewältigung des Alltags behilflich waren wie etwa auch Rinder sind in Asien von je her ein beliebtes künstlerisches Motiv, erklärt Art Manager Oscar Chan im Interview (das ganze Interview befindet sich in Video-Form am Ende des Artikels).

Hundeskulptur von Poren HuangGenerell war Kunst in China von je her an Alltägliches und den Begriff ‚yi‘ gebunden. Er bezeichnet ‚Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit, Tüchtigkeit und Handwerk‘ und lässt sich etymologisch von dem Begriff für die Bearbeitung und Bepflanzung eines Feldes und der erfolgreichen Kultivierung herleiten. Bereits Konfuzius diente die Kunst zur ‚Ergötzung‘ und hatte eine wichtige ethische Funktion, wie Helmut Brinker, Professor für die Kunstgeschichte Ostasiens an der Universität Zürich, erklärt:

„Sie ist gleichsam das Instrument zur Vervollkommnung des eigenen Charakters und trägt insofern zur Festigung der Kardinaltugenden bei, zur Realisierung des humanistischen Ideals“

Hundeskulptur von Poren HuangLange Zeit fanden Plastiken in China wenig Beachtung, Kunst war vor allen Dingen an das Malen und Schreiben gebunden. Plastiken wurden lange Zeit ausschließlich als Grabbeigaben verwendet und waren damit für Sammler und die Öffentlichkeit uninteressant. Als beachtenswert galten allerdings gemäß Helmut Brinker die Bronzeplastiken aus vorchristlicher Frühzeit, da sie als „Träger authentischer Werte und ethischer Vorstellungen berühmter ehemaliger Besitzer“ verstanden wurden.

So humorvoll und unbeschwert die Skulpturen aus Bronze von Poren Huang überwiegend wirken, meist portraitieren sie nicht nur typische Verhaltensweisen des Hundes, sondern auch des Menschen. Die Familie des Künstlers züchtet den Taiwanhund bereits seit vielen Jahren. Er beschreibt das besondere Verhältnis von Mensch und Hund folgendermaßen: 

„Seit Beginn der Zivilisation, haben Mensch und Hund ein sehr enges Verhältnis zueinander. Um mit den Menschen möglichst reibungslos zusammen leben zu können, sind Hunde lange Zeit dazu erzogen worden, sich den Menschen anzupassen. Hunde haben viele großartige Eigenschaften, aber die Menschen lernen selten von ihrem treuesten Begleiter“

Hundeskulptur von Poren HuangDie glänzenden Hunde sind zwar idealisiert, aber dennoch in Haltung und Bewegungen sehr lebensecht nachgebildet. Sie schauen ihren Betrachter erwartungsvoll an, fast so, als wollten sie gleich loslaufen, heben sichtlich gestresst das Bein oder gucken ein wenig enttäuscht, aber doch irgendwie erwartungsvoll, in den leeren Napf. Deutlich stärker scheinen Hunde mit Teufelsohren und menschlichem Gesicht oder mit wütend in den Himmel gereckten Riesenpranken karikaturenhaft an ihre eigene, weniger brave, Seite und gleichzeitig auch die ihrer Besitzer zu erinnern.

Die Herstellung der Plastiken aus den Grundmaterialien Bronze oder Stahl, die dann später mit Überzügen und Farben versehen werden, ist sehr aufwendig. Poren Huang hat für etwa 40 Hundeskulpturen rund 10 Jahre gebraucht. In der Galerie aquabitArt werden Handschuhe verteilt, mit denen sich die genaue Beschaffenheit der überwiegend fröhlichen Hunde auch haptisch genau erkunden lässt. Wie in der traditionellen asiatischen Kunst ist auch für Poren Huang eine möglichst große Nähe zwischen Mensch und Kunstwerk sehr wichtig. Ebenso wichtig, wie das Bestreben, den Betrachter mit einem möglichst positiven Gefühl zurück zu lassen:

„Das schnelle Wirtschaftswachstum und die technische Entwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben den Menschen eine deutlich bessere Lebensqualität beschert, aber auch einen Verfall ethischer Werte. Aus Egoismus verfeinden sich viele Menschen sehr schnell mit ihren Liebsten. Außerdem sind Menschen heute weniger stressresistent und die Zahl derer, die depressiv, manisch-depressiv oder generell psychisch labil sind, hat deutlich zugenommen. Die meisten Menschen sind heute deutlich wohlhabender, aber wesentlich weniger glücklich und zufrieden mit ihrem Leben als früher, als sie noch in Armut lebten oder Kriege erleiden mussten“

Die Plastiken sollen ihre Betrachter mahnend an die guten Eigenschaften der Hunde erinnern und ihnen außerdem Nähe, Unbeschwertheit und Freude vermitteln, ganz gemäß des Mottos, das einer goldenen Hundeskulptur den Namen gibt: „Every Day is a New Start“.

Die Hundeskulpturen von Poren Huang können dauerhaft in der Galerie aquabitArt in Berlin-Mitte in Augenschein genommen werden: www.art.aquabit.com

Quellenangabe:

Brinker, Helmut: ‚Die chinesische Kunst‘. Verlag C.H. Beck, München 2009. ISBN 978-3-406-59272-0, 7,90€.

„12 Rooms“ im Museum Folkwang in Essen

Szene aus der Ausstellung "12 Rooms" im Folkwang Museum, Essen

Als ich den Bereich der Ausstellung 12 Rooms im Museum Folkwang in Essen betrete, wirkt auf mich alles sehr unspektakulär. Ich sehe nur graue Wände, in die manchmal eine Tür eingelassen ist. Die Türen sind verschlossen und es sind auch keine Geräusche zu hören.

Langsam bemerke ich, dass ich mich in einem labyrinthartigen Gangsystem aus grauen Wänden und verschlossenen Türen bewege. An den Ecken der Wände sind offenbar die Namen der Künstler und des Kunstwerks hinter der Tür vermerkt, auf das ich mir von Außen keinerlei Vorstellung machen kann.

Ich gelange an eine Tür, die einen Spalt breit offen steht und so fixiert ist. Von Außen habe ich den Eindruck, dass sich dahinter schwärzeste Dunkelheit befindet. Auch als ich an den Türspalt näher heran trete, kann ich überhaupt nicht erkennen, was sich in dem Raum befindet oder abspielt. Xavier Le Roy, der Künstler, der diesen einen der insgesamt zwölft Räume gestaltet hat, spricht beim tumbletalk davon, dass Dunkelheit nur auf den ersten Blick eine Veränderung in der menschlichen Wahrnehmung einer unbekannten Situation ist. Der Besucher wisse, dass er eine gewisse Zeit brauche, bis er sich an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnt habe und etwas im Raum erkennen werde. Eigentlich brauche man aber immer längere Zeit, um sich auf  eine unbekannte und unvertraute Situation einzustellen und sie erfassen zu können. Im Museum könne der Besucher im Gegensatz zum Theater selbst entscheiden, wie lange er sich welchem Kunstwerk widme. Im Theater sei der Besucher eher passiv und bleibe die ganze Zeit auf seinem Platz sitzen. Er lasse als Teil einer Gruppe andere über den Inhalt der nächsten Zeit entscheiden.  ‚Live-Art‚ könne beide Prinzipien miteinander verbinden. Als ich mich durch den dunklen Türspalt wage, weiß ich, dass sich wahrscheinlich in jedem der zwölf Räume lebende Menschen als Performer befinden. Ich kann im Inneren einige Zeit nichts erkennen und gehe aus Angst davor, auf jemanden zu treten lieber erst einmal wieder hinaus.

Als ich die grauen Gänge entlang laufe, entdecke ich einen Raum ohne Tür und sehe Menschen in bunter Sportkleidung sich in dem offenbar runden Raum in unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Kreis bewegen. Ich bin bei der Revolving Door von Allora & Calzadilla angekommen.

Ich setze meinen Rundgang fort und bin langsam bereit, eine Tür zu öffnen und mir anzusehen, was sich dahinter verbirgt. Ich sehe einen blonden jungen Mann mit Badehose, der auf einem grell erleuchteten Solarium liegt. Er hat einen dunklen Lichtschutz auf den Augen und Kopfhörer im Ohr. Fast stakkatoartig ruft er in regelmäßigen Abständen französische Wörter. Die Wörter ergeben keinen Satz und keinen Sinn. Das Solarium steht in der Mitte des Raumes, darum herum sind nur leere weiße Wände. An einer Stelle hängt ein weißer Bademantel an der Wand, davor stehen Badelatschen. Der junge Mann ruft weiter französische Wörter und scheint auf nichts um sich herum zu reagieren.

Simon Fujiwara hat diesen Raum gestaltet. Ihm gehe es bei Future / Perfectdarum, einen typischen Repräsentanten seiner Generation zu zeigen, sagt Simon Fujiwara im tumbletalk. Die Thatcher-Regierung habe unter den Menschen in Großbritannien die Erwartung geweckt, dass jeder, der vor allen Dingen gut aussehe und eine fremde Sprache gelernt habe, erfolgreich und ‚easy-going‘ sein werde. Tatsächlich sei der junge Mann komplett isoliert und könne nicht mit seiner Außenwelt interagieren, da er nichts sehen und hören könne. Er brabbele lediglich Wortfetzen aus einer fremden Sprache vor sich hin und höre über seine Kopfhörer nur seine Sprachlernübung. Als Performer des idealisiert wirkenden jungen Mannes in dieser futuristischen Umgebung, seien junge Arbeitslose aus der Gegend ausgewählt worden. Manche Rezipienten hätten Parallelen zu Dorian Gray gezogen. Dem Protagonisten in dem gleichnamigen Roman von Oscar Wilde gelingt es für lange Zeit, die optischen Spuren seines ausschweifenden und moralisch fragwürdigen Lebens zu verbergen. Auch der gut gebaute junge Mann auf dem Solarium sei dort einem schnellen Alterungsprozess ausgesetzt und sein gutes Aussehen extrem gefährdet. Die Szenerie habe etwas von einem absurden Theaterstück.

Besucher in der Ausstellung "12 Rooms" im Folkwang Museum, EssenIch gehe weiter die Gänge entlang und entdecke Besucher, die vor einer Tür knien, die keine ist. An Stelle der Tür ist eine Vertiefung in der Wand. Nur wenige Zentimeter über dem Boden ist ein Loch im Türrahmen, durch das man nur sehen kann, wenn man sich ganz auf den Boden kniet. Auch ich knie mich auf den Boden und kann in einer Art Zimmer mit extrem niedriger Decke neben einer großen Lampe auf dem Teppichboden eine liegende Person erkennen. Es scheint sich um eine Frau zu handeln, die sich kaum bewegt, nichts um sich herum wahrnimmt und unverständlich vor sich hin brabbelt. Ich gehe nach einer Weile weiter.

In manchen Räumen frage ich mich eine ganze Weile, ob ich wirklich einen lebendigen Menschen vor mir habe oder doch eine Puppe. In anderen Räumen werde ich und die anderen Besucher sofort in ein Gespräch verwickelt, wie im Raum mit dem Titel Swap von Roman Ondàk. Der Performer hält ein gelbes Feuerzeug in den Händen und spricht auf Englisch über Tausch als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. Er sitzt in einem sonst kahlen Zimmer an einem einfachen Tisch, wie er auch von Schülern in der Schule benutzt werden könnte. Nach einer Weile bietet ein Besucher dem Performer ein Paket Taschentücher im Tausch gegen das gelbe Feuerzeug. Der Performer willigt begeistert ein. Besucher und Performer einigen sich darauf, später zu besprechen, wie lange der Performer das Paket Taschentücher behalten und wogegen er es schließlich eingetauscht hat. Ich und alle anderen Besucher verlassen danach den Raum.

Angekommen im Room Tone von Lucy Raven erlebe ich, wie ein zuvor auf einem Tonband aufgenommener Text von einer Frau immer wieder abgespielt und zeitgleich auch aufgenommen wird. An einer Wand neben dem Tisch mit den Tonbändern gibt es eine sofaartigen Sitzgelegenheit. Ich nehme darauf Platz und höre, wie sich die Stimme von Mal zu Mal verzerrter anhört und langsam im allgemeinen Rauschen untergeht. Für diese Performance habe sie sich von dem amerikanischen Komponisten Alvin Lucier inspirieren lassen, erklärt Lucy Raven im Rahmen des tumbletalk. Er habe 1969 ein Stück namens I am Sitting in a Room entwickelt, das nie öffentlich aufgeführt worden sei. Wie in dem von Lucier erdachten Raum gebe es auch in diesem ein Mikrofon, zwei Tonbandgeräte, einen Verstärker und einen Lautsprecher. Die Aufnahmen würden mehr und mehr von den natürlichen Resonanzfrequenzen des Raums gedämpft. Was nach dem langsamen Verschwinden der Stimme und der Geräusche der Besucher letzlich von der Aufnahme auf dem Band übrig bleibe, sei der ‚Raum-Ton‘. Als Performerin arbeite sie häufig, auch in diesem Fall, mit Handlungsanweisungen. Ein Computer funktioniere auch auf dieser Basis, er sei das Gerät, das Handlungsanweisungen ausführe. Für Room Tone arbeite sie aber mit einem Tonbandgerät, das technisch gesehen noch nicht so weit entwickelt sei wie ein Computer. In den 80ern seien Tonbandgeräte sehr populär gewesen, sie wolle auf die Geschichte des Entertainments und der Technik hinweisen. Eine Aufnahme zu machen sei eine Form des Protests gegen das Vergessen.

Nach und nach erkunde ich die restlichen Räume der Ausstellung. Manchmal gelange ich in einen Raum, den ich vorher schon einmal besucht habe und finde eine deutlich veränderte Situation vor. Genau gesagt, erlebe ich an keiner Stelle dasselbe ein zweites Mal und bekomme Spaß daran, die Räume immer wieder zu besuchen.

Das Thema Zeit zu behandeln und eine enge Verbindung zwischen dem Theater und dem Museum herzustellen seien die Vorgaben für diese Ausstellung gewesen, konnten  Besucher des tumbletalk von den Kuratoren der Ausstellung, Klaus Biesenbach und Hans Ulrich Obrist, erfahren. In Auftrag gegeben habe die Ausstellung das Manchester International Festival. Dort sei die Ausstellung zuvor mit 11 Räumen zu sehen gewesen. Im Museum Folkwang seien Damien Hirst und Xavier Le Roy neu hinzugestoßen. Interessiert habe sie, intime Erlebnisse mit Menschen zu erzeugen, die sich nicht kennen. Die Räume seien vergleichbar mit der Situation, wenn man einer unbekannten Person in einem Fahrstuhl begegne, die ungewöhnlich aussehe oder etwa nackt sei und mit der man eine gewisse Zeit verbringen müsse, nachdem sich die Türen geschlossen hätten. Außerdem hätten sich die Performer an klassische Statuen anlehnen sollen, die Menschen für gewöhnlich sehr idealisiert darstellten. In der Ausstellung 12 Rooms sei die idealisierte Person lebendig und benähme sich häufig unerwartet und unvorhersehbar. Man wolle, dass sich die Ausstellung weiter entwickele, es sei bereits geplant, dass die Ausstellung vermutlich in einer veränderten Form danach in Sydney zu sehen ist.

Medienkunst aus Japan

Anlässlich der hundertfünfzig-jährigen deutsch-japanischen Freundschaft war einer der Schwerpunkte des European Media Art Festival (EMAF) 2011 Medienkunst aus Japan. Machiko Kusahara, Professorin an der Waseda-Universität und Gast-Dozentin an der UCLA, hat im Rahmen eines Vortrags einige bedeutende Strömungen der japanischen Kunstszene vorgestellt.

Laut Machiko Kusahara ist bemerkenswert, dass die japanische Bezeichnung für ‚bildende Kunst‘ erst mit der Öffnung zur westlichen Kultur im 19. Jahrhundert aufgetreten ist. Japan sei ein Sonderfall, die japanische Kunstszene habe sich vorher weitestgehend unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. Wenn auch das westliche Kunstverständnis in Japan früher unbekannt gewesen sei, habe der ästhetische Gedanke im Alltag der japanischen Kultur trotzdem eine große Rolle gespielt, aber eher in Form von Haiku, Bonsai-Gartenkunst, Blumenarrangements, bemalten Schiebetüren oder etwa bei einem Kartenspiel, das auf mittelalterlichen Kurzgedichten mit Illustrationen beruht habe.

Einer der bekanntesten japanischen Medienkünstler Japans der Gegenwart sei Nobumichi Tosa. Unter dem Namen Maywa Denki entwickelt er beispielsweise Roboter-Instrumente und komponiert mit ihnen Musik oder Verlängerungsschnüre in der Form des Skeletts eines Fisches, eine Armbanduhr mit Telefondrehscheibe, mit der man die Zeitansage anrufen kann sowie neben vielen anderen Dingen einen ‚lachenden Roboter‘. Der ‚lachende Robote‘ sei insofern etwas Besonderes, da er keinerlei praktische Funktion habe. Im Allgemeinen hätte japanische Medienkunst neben einem außergewöhnlichen Design eine Funktion und sei eng mit der Industrie und der Massenkultur verwoben. Westliche Künstler wie der Franzose Marcel Duchamps, der auf einer Ausstellung in Japan mit nutzlosen bunten Schallplatten vertreten war, konnten in Japan kaum Käufer finden.

Westliche Einflüsse seien in Japan aber an einigen Stellen im 20. Jahrhundert deutlich erkennbar beispielsweise habe einer der bedeutendsten Manga-Zeichner Osamu Tezuka eine Version des Fritz-Lang-Films Metropolis als Comic-Film realisiert. Die heutige japanische Medienkunst stehe im Wesentlichen in der Tradition etwa von Akira Kanayama, der 1957 Bilder mit ferngesteuerten kleinen Autos angefertigt habe, die mit Tinte Linien auf das Blatt gefahren beziehungsweise gemalt hätten, oder der Künstlerin Atsuko Tanaka, die 1955 Glocken in einem Galerieraum angeordnet habe und die von den Besuchern mit Hilfe eines Klingelknopfes zum Klirren gebracht werden konnten. Die fünfziger und sechziger Jahre seien auch sehr durch die Gruppe Jikken Kobo geprägt worden, die mit ihren experimentellen Workshops die japanische Performance-Kunstszene begründet hätten. Die Arbeit der Künstler von Jikken Kobo sei auch sehr prägend für die Film-Avantgarde der Nachkriegszeit gewesen, besonders erwähnenswert sei der Film Giurin (Silver Wheels) von Toshio Matsumoto und die Arbeiten des Video-Künstlers Fujiko Nayaka. Yoshiharu Tsuge habe mit Neijishiki eine der bedeutendsten Arbeiten des alternativen Manga geschaffen, dessen Geschichte auch verfilmt worden sei. Bedeutende Künstler dieser Zeit seien darüber hinaus Katsuhiro Yamaguchi, Namjune Paik und Yoko Ono. In den sechziger und siebzieger Jahren des letzten Jahrhunderts sei die japanische Kunstszene besonders aktiv gewesen.

Seit 1983 Nintendo Famicom auf den Markt gebracht habe, beworben als ‚Entertainment-Konsole‘, sei die japanische Kunstszene eng an die Computerindustrie geknüpft. Künstler und Designer entwickelten mit Computerspezialisten Spiele und sonstige Anwendungen. Kunst sei in Japan ein Alltagsprodukt für jeden und häufig auch Entertainment. Es gebe viele kunstvoll designte Alltagsgegenstände wie beispielsweise Kopfhörer in Form einer Banane, verzierte USB-Sticks oder Lunchboxes.

Für die jetzige Kunstszene bedeutende Künstler seien etwa Masaki Fujihata oder Yoichiro Kawaguchi. Ein weiteres Beispiel für die Verknüpfung von Technik und Kunst sei die Firma PetWORKs von Kazuhiko Hachiya, der neben Projekten wie einem Mailing-Dienst mit computeranimierten kleinen Figuren auch die Flug-Maschine Open Sky verwirklicht hat. Tenori-on sei ein sehr populäres Videospiel, das der Künstler Toshio Iwai entwickelt habe. Ryuichi Sakamoto sei sehr einflussreich auf die Avantgarde-Musikbewegung und die Kunstszene überhaupt in Japans.

Medienkunst aus Japan: Szene aus Ryoto Kuwakubo "The tenth sentinent"Ein weiterer wichtiger Vertreter der japanischen Kunstszene, Ryoto Kuwakubo, hat im Rahmen der diesjährigen Ausstellungsreihe des EMAF  The Tenth Sentiment gezeigt. Dabei schängelt sich eine Modelleisenbahn, an die eine Lichtquelle angebracht worden ist, durch den mit verschiedenen Gegenständen bestückten Ausstellungsraum und projiziert tanzende, sich bei der Fahrt des Modellzuges ständig verändernde Schatten an die Wand. Erinnert fühlen darf sich der Zuschauer dabei an die Schattenaufnahmetechniken der Laterna Magica aus dem 17. Jahrhundert und die Experimente des ungarischen Fotografen, Malers und Kunstlehrers László Moholy-Nagy. Außerdem ist die Fahrt der Bahn nach Ansicht von Machiko Kusahara eine Form von mitate-e – ein in der japanischen Kunst gebräuchliches Stilmittel, eine Sprache des Sehens und der Interpretation, die ermöglicht, etwas anderes und ungewöhnliches hinter den Gegenständen erkennen.

Medienkunst aus Japan: "Hybridkultur" von Yvonne SpielmannYvonne Spielmann hat die zeitgenössische japanische Kunst in ihrem Buch Hybridkultur wissenschaftliche betrachtet. Sie ist Research Professor und Chair of New Media an der University of the West of Scotland. Unter dem Eindruck, dass „auf internationalen Ausstellungen und Festivals, die sich in den neunziger Jahren verstärkt den seinerzeit „neuen“ interaktiven und virtuellen Medienanwendungen, dreidimensionalen Computeranimationen, Netzwerkkünsten, Cyberspace- und Internetprojekten zuwandten, unter der Vielfalt der Arbeiten vor allem die ästhetisch-technischen Beispiele aus Japan herausragten“, hat sie die neuen Medien an der „Schnittstelle von Ästhetik und Technologie“ untersucht. In dem Buch werden globale Trends aber auch kulturelle Besonderheiten wie etwa der Einfluss des Buddhismus auf die japanische Kultur und damit auch auf die Kunst weltweit nachvollziehbar.

„Es war eine interessante und euphorische Zeit“ – Interview mit Margaret Hunter

Bilder und Skulpturen von Margaret Hunter

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 haben im Jahr 1990 Künstler begonnen, die Mauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof mit Gemälden zu versehen. Mittlerweile ist die Berliner East Side Gallery nicht nur ein großes Kunstwerk, sondern das längste noch stehende Stück der Mauer, die früher Berlin teilte. Die schottische Künstlerin Margaret Hunter ist eine der Künstlerinnen der Berliner East Side Gallery. Die Galerie-Version ihres Mauerbildes von 1990 wird jetzt mit anderen Werken in der Galerie aquabitArt in Berlin gezeigt.

Wie kam es, dass Sie 1990 in Berlin waren und was hat Sie dazu bewegt, ein Bild an der Berliner East Side Gallery zu malen?

Ich bin 1985 nach Abschluss meines Studiums nach Berlin gekommen, um bei Georg Baselitz an der Universität der Künste zu arbeiten. Ich habe dann in Berlin meinen Mann kennen gelernt und bin jahrelang zwischen der Familie und dem künstlerischen Leben in Berlin und der Lehre an der Universität und den Ausstellungen in Schottland hin und her gependelt. 1990 bin ich zusammen mit vielen anderen Künstlern aus Ost und West eingeladen worden, ein Kunstwerk auf die zumindest im Ostteil Berlins früher unberührbare und verbotene Mauer zu malen. Es war ein Moment der Befreiung. Die Berliner Mauer war das Symbol des ‚Eisernen Vorhangs‘ und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, an diesem historischen Vorgang beteiligt sein zu dürfen. Es war eine sehr interessante und euphorische Zeit, tausende von Touristen sind herbei geströmt, um uns malen zu sehen und es gab sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Medien. Aber natürlich habe ich von Zeit zu Zeit an die Bedeutung dieser Malaktion gedacht, daran, dass es noch gar nicht lange her war, dass der letzte junge Mann bei dem Versuch, diese Mauer zu überwinden, umgebracht worden ist. Es gab also auch schmerzliche Momente.

Gibt es für Sie als Schottin eine besondere Beziehung zu Berlin oder insgesamt zu Deutschland?

Mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten hat mich nach Berlin gebracht. Wenn er in Amsterdam oder Paris gearbeitet hätte, wäre ich dort hin gegangen. Das hätte ich getan, sogar obwohl meine Schwester damals auch schon zum Arbeiten nach Frankfurt gezogen ist. Sie lebt immer noch in Deutschland und wir sind jetzt beide seit vielen Jahren hier.

Die spannende und kantige Stimmung des geteilten Berlin hat ganz sicher immer Einfluss auf meine Arbeit gehabt und es hat mein ganzes zwischen Schottland und Berlin geteiltes Leben begleitet.

Ihr Bild Joint Venture/re:STATEMENT hat etwas sehr Ursprüngliches, es erinnert ein bisschen an Höhlenmalerei. Auch die Skulpturen haben etwas von den Jahrtausende alten Kultstatuen, die einfache Menschen besaßen. Ist das auch aus Ihrer Sicht ein entscheidendes Merkmal für Ihre Kunst und warum?

Ja. Als Kind war habe ich einige Zeit in Nigeria verbracht, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Ich glaube, mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten, der eine bedeutende Kollektion afrikanischer Kunst besitzt, war ein Schritt in Richtung der Erinnerungen aus meiner Zeit in Afrika. Besonders zu den Stammesmarkierungen auf den Gesichtern der Menschen… Zeichen ihrer Identität.

Mir haben vor allen Dingen die Gemälde von Georg Baselitz sehr gut gefallen, auf denen einzelne Figuren dargestellt werden. Ich wollte eine solche Stärke und Direktheit auch in meiner eigenen Arbeit ausdrücken und so haben meine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen die Tendenz, auf das Essentielle reduziert zu sein. Der augenscheinliche Zweck und Nutzen hat mich auch immer an afrikanischer Kunst interessiert… Etwas, was ich in meiner eigenen Arbeit haben möchte. Wenn ich die Skulpturen herstelle, dann beginne ich mit der Kettensäge, wobei manchmal raue Stellen entstehen. Ich höre immer wieder zwischendurch auf, um zu meißeln. Das geht in einer Geschwindigkeit, die eher zu meinem Denken passt!

Wie kam es zu dem Dialog zwischen Ihnen und den Besuchern der East Side Gallery und wie ist die Entscheidung gereift, die Anregungen der Besucher in eine ‚Neufassung‘ von Joint Venture/re:STATEMENT zu integrieren? 

Ich habe eine Replik meines East Side Gallery Bildes angefertigt. Es war 2009 mein Beitrag für eine Ausstellung an der ich teilgenommen habe, die das Thema ’20 Jahre nach dem Mauerfall‘ hatte und im Kunstraum Potsdam statt gefunden hat.

Ich habe die Galerie-Version von Joint Venture/re:STATEMENT in meinem Atelier gemalt. Die Situation war ganz anders als 1990, besonders weil ich in einem geschlossenen Raum gearbeitet habe und es Zeit gab, über die dazwischen liegenden zwanzig Jahre nachzudenken.

In diesen zwanzig Jahren gab es einen immer währenden Dialog mit den anonymen Besuchern, die in Form von Graffitis auf dem Bild Kommentare hinterlassen haben. Ich habe die Graffitis viele Male übermalt und es hat mein Leben zwanzig Jahre lang begleitet. Ich bin schließlich auf die Idee gekommen, die Galerie-Version zu einem interaktiven Stück zu machen und es so noch mehr mit dem Gemälde auf der Mauer der East Side Gallery zu verbinden. Ich habe die Besucher auf der Vernissage im Kunstraum Potsdam eingeladen, ihre Gedanken auf meinem Bild zu hinterlassen. Mir ist es so vorgekommen, dass die ‚Neue Darstellung‘, was ‚RESTATEMENT‘ übersetzt bedeutet, so vollständig war.

Welche Rolle spielen die Anregungen der Rezipienten für Sie und Ihre Kunst?

Es ist eindeutig ein großes Risiko, andere Leute zu bitten, auf mein Bild zu schreiben. Es hätte komplett zerstört werden können. Aber da ich mich dafür entschieden hatte, war das ein Risiko, das ich in Kauf nehmen musste. Außerdem hat es in einer Galerie statt gefunden und ich war die meiste Zeit über selbst anwesend. Es gab von Seiten der Besucher großen Respekt für das Gemälde und ich glaube, die Besucher haben sich sogar geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen. Ich habe sehr viel Arbeit in dieses Bild gesteckt, habe viel mit überlappenden Farben gearbeitet, was ihm aus meiner Sicht die Ähnlichkeit mit Höhlenmalereien verleiht, die Sie bereits angesprochen haben. Ich habe nicht bewusst darauf hin gearbeitet, sondern hatte eher die Vorstellung, dass die Farb-Schichten ein Gefühl von Zeit und Geschichte vermitteln würden. Das Gemälde ist später in der Royal Scottish Academy gezeigt worden, eine der führenden Institutionen in Schottland. Die Räumlichkeiten sind dort sehr edel und die Besucher haben das Bild aus einer größeren Distanz heraus betrachten müssen, so dass sie wenig von den Worten auf der Oberfläche des Bildes erkennen konnten.

Der Unterschied zwischen der Präsentation des Bildes in der Royal Scottish Adademy und der in dem Raum der aquabitArt-Galerie ist enorm. Das Gemälde konnte nicht am Stück aufgehängt werden, sondern musste über Eck aufgehängt werden, ein Teil an einer Wand, der andere an der anderen. Das lädt die Besucher ‚in das Bild ein‘, sie sind von ihm umgeben und können von ganz nah alle Details erkennen. Diese Anordnung des Gemäldes ist ein weiterer Versuch, den Besucher in das Werk mit einzubinden. Früher habe ich oft mit Holz-Brettern gearbeitet, auf die ich viele Farbschichten aufgetragen habe, um dann hinein kratzen zu können und ‚die Geschichte‘ darunter frei legen zu können. In der auquabitArt-Ausstellung sind die ‚Schichten‘ einzeln dargestellt, Teile meiner Arbeit, und es ist Aufgabe des Besuchers, zwischen den einzelnen Skulpturen und Bildern einen Zusammenhang herzustellen oder auch nicht. Die schweren kohlschwarzen Skizzen auf den Bildern könnte man als Grundrisse der Skulpturen verstehen, die aus dem großen Bild herausgetreten sind. Die Skulpturen sehen so aus. Eine weitere ‚Schicht‘ bilden die kleinen kratzigen Tuschezeichnungen…

Seitdem ich die Ausstellung noch vor der Eröffnung zum ersten Mal gesehen habe, spreche ich mit einem Choreografen über eine dazugehörige Tanz-Performance, die ein Video meines großen Gemäldes und einer Skulptur aus einer Ausstellung namens Holding Hope beinhaltet. Ich finde die Aussicht auf weitere ‚Schichten‘ von Bedeutungen durch Bewegung/Stillstand, Lichtgebung, Schatten, Ton und so weiter sehr spannend.

Sie haben auch als Dozentin am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art gearbeitet. Gibt es irgend etwas, was Sie jungen bildenden Künstlern unbedingt mit auf ihren hoffentlich erfolgreichen Weg geben möchten?

Ich habe an beiden Kunstschulen als Gast-Dozentin gearbeitet. Es gibt so viele begabte Künstler und so wenige Möglichkeiten und Perspektiven für sie. Als erstes muss ein junger Künstler vollkommen aufrichtig und zielstrebig sein und außerdem einen unumstößlichen Glauben an die eigenen Ideen haben, sie dürfen sich nicht durch Zurückweisungen erschüttern lassen und sie brauchen Verwegenheit. Außerdem müssen sie ständig auf der Suche nach Gelegenheiten sein, ihre Arbeit zu zeigen oder an Projekten teil zu nehmen. Es ist dabei sehr wichtig, professionell zu sein und sie müssen begreifen, dass sie die geschäftliche Seite der Kunstwelt verstehen müssen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.art.aquabit.com und www.eastsidegallery-berlin.de

Wege in die Abstraktion

Wege in die Abstraktion: Szene Multimedia-Ausstellung 'Von Monet bis Kandinsky. Visions Alive'

Im 19. Jahrhundert findet eine grundlegende Veränderung in der Malerei statt: Viele Künstler verlassen den gegenständlichen Malstil und wenden sich der Abstraktion zu. Oft ist diese Veränderung mit der Erfindung der Fotografie in Zusammenhang gebracht worden. Doch es gibt auch Wissenschaftler, die die Gründe vor allen Dingen bei einer veränderten Weltanschauung zu finden glauben.

Gerade ist diese Zeit wieder Gegenstand aktueller Kunst- und Theaterproduktionen. Eine Multimedia-Ausstellung in Berlin zeigt die unterschiedlichen Stile in der Malerei von Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts, die Ruhrtriennale inszeniert Dramen des Naturalismus und Symbolismus und eine Ausstellung in der Galerie Ludorff in Düsseldorf zeigt abstrakte Positionen, angefangen bei dem Bauhaus-Künstler Josef Albers bis in die Gegenwart.

Der ganze Text ist bei portalkunstgeschichte.de abrufbar.

Siehe dazu auch: 

Ishka Michocka: Baum-Fotografien

Abstrakte Landschaften von Ishka Michocka: Schwarz/Weißes 'Tree-Foto' einer bergigen Landschaft

(ki) ist der Name der Ausstellung und das japanische Zeichen für ‚Baum‘. Auf den Landschaftsfotografien von Ishka Michocka lassen sich die meisten Bäume allerdings nur vage erahnen. Die schwarz/weißen Landschaftsbilder bewegen sich an der Grenze zur Abstraktion. Sie erinnern an traditionelle asiatische Tuschemalerei, auch indem sie manche Details nur verschwommen darstellen. Der matte Silber-Gelatine-Druck hingegen lässt die Bilder besonders räumlich erscheinen. Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast in der Wahrnehmung der Fotografien. Das Video zur Ausstellung ist hier abrufbar.  

Der ganze Text: portalkunstgeschichte.de

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Der Schatten der Avantgarde

Lange im Schatten der Avantgarde: Gemälde 'Le lion' von Henri Rousseau

Mit dem Begriff ’naive Kunst‘, ‚outsider art‘ oder ‚art brut‘ werden Werke von Künstlern bezeichnet, die nicht Teil des etablierten Kunstbetriebs sind. Das Museum Folkwang stellt erstmals dreizehn dieser Autodidakten vor, von denen es nur Henri Rousseau gelungen ist, anerkannter Teil der professionellen Szene zu werden. Die Werke weisen viel Ähnlichkeit mit bekannten Avantgarde-Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Pablo Picasso, Constantin Brancusi, Paul Gauguin, Emil Nolde oder Max Ernst auf und haben sie zum Teil nachweislich beeinflusst.

Die ausführliche Besprechung: portalkunstgeschichte.de 

Interview mit Falk Wolf, einem Kurator der Ausstellung:

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Ausstellung zur Computergeschichte

Computergeschichte: Plakat zur Ausstellung 'Am Anfang war Ada' im Heinz Nixdorf MuseumsForum

Frauen werden nicht unbedingt mit großen Entwicklungen der Computergeschichte in Verbindung gebracht. Aber die erste Programmiererin überhaupt war eine Frau! Ada Lovelace ist daher die Patin der Ausstellung ‚Am Anfang war Ada‘ im Heinz Nixdorf MuseumsForum, die zeigt, dass Frauen bis heute sehr wohl einiges mit Rechenmaschinen und künstlicher Intelligenz am Hut haben. 

Mehr über die Ausstellung, Ada Lovelace und ihre Nachfolgerinnen: portalkunstgeschichte.de

Charles Babbage (1791-1871) war Mathematiker, Philosoph, Erfinder und politischer Ökonom. Er gilt als Erfinder der ‚Analytical Engine‘, einem Vorläufer moderner Computer. Regelmäßig ließ er Gäste wie Ada Lovelace seine Erfindungen ausprobieren. Darunter war auch die mechanische Tänzerin ‚Silver Lady‘, die heute wieder auf Knopfdruck unter den ‚Ohs‘ und ‚Ahs‘ des Publikums im Heinz Nixdorf MuseumsForum tanzt:

Silver Lady von Charles Babbage from Susanne Braun on Vimeo.

Siehe dazu auch: 

emaf – The Future of Visions

Filmstill aus Larissa Sansour & Søren Lind: In The Future They Ate From The Finest Porcelain

Jedes Jahr zeigt das European Media Art Festival (emaf) aktuelle Positionen der Medienkunst. 2016 ging es um Zukunftsvisionen. In der Kunsthalle Osnabrück waren riesige Film-Leinwände installiert, auf denen Animationsfilme oder das Porträt eines Astronauten, der nie ins All fliegen konnte, zu sehen waren. „The Future of Visions: Don’t Expect Anything!“ lautet der Titel und das Motto dieser Ausstellung. 

Die ausführliche Besprechung: portalkunstgeschichte.de

Foto: Larissa Sansour & Søren Lind: In The Future They Ate From The Finest Porcelain, Filmstill. ©Larissa Sansour & Søren Lind

Siehe dazu auch: 

Fotografie als Kunst

Selbstporträt von Heinrich Kühn, Arzt und Fotograf

Heinrich Kühn ist ein Pionier der Fotografie. Viele seiner Bilder sind von Malerei kaum zu unterscheiden. Um die Maltechnik der Gemälde möglichst echt nachahmen zu können, experimentierte er mit Papier und Druckverfahren.

Schon relativ früh war der ausgebildete Arzt gesundheitlich so beeinträchtigt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Das gab ihm die Möglichkeit, sich ganz seinem Hobby zu widmen. Zur damaligen Zeit hatte die Fotografie noch ein Schmuddel-Image. Niemand traute der damals ganz modernen Technik zu, ernstzunehmende Kunst produzieren zu können. Heinrich Kühn hat in unzähligen Versuchen das Gegenteil bewiesen. 

Die ganze Besprechung: portalkunstgeschichte.de

Foto: Porträt Heinrich Kühn

Siehe dazu auch: