Wie die Bastelanleitung Megafon "Lauter als Hass" zeigt auch das Interview mit Prof. Marlis Prinzing Wege zu einem respektvollen Umgang miteinander auf

Interview Prof. Marlis Prinzing

Soziale Netzwerke sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr weg zu denken. Indem sie Kommunikation und Meinungsaustausch zwischen den Nutzern möglich machen, erfüllen sie für Prof. Marlis Prinzing schon jetzt eine wichtige Funktion als eine Art Bürgermedium.

Doch sie geraten auch immer wieder in den Verdacht, Hass und Fake News zu produzieren und zu verbreiten. Ist das womöglich ein strukturelles Problem, da soziale Netzwerke Inhalte belohnen müssen, die viele Interaktionen hervor rufen? Was muss sich wohl eher in die Kategorie „Vorurteil“ einordnen lassen? Und was können Nutzer tun, um ihrer Verantwortung bei der Kommunikation mit anderen gerecht zu werden?

Interview mit Prof. Marlis Prinzing bei YouTube

Booklet Ausstellung Computer Grrrls

Computer Grrrls

Schon der Name der Ausstellung erinnert an die feministische Subkultur-Bewegung „Riot Grrrl“, die in den 1990er-Jahren in den USA entstanden ist. Das kommt sicherlich nicht von ungefähr. Denn auch die Ausstellung im Dortmunder U präsentiert ausschließlich Arbeiten von Künstlerinnen, die ihren Blick auf eine eher männlich dominierte Tech-Szene formulieren. Die Ausstellung ist über weite Strecken sehr humorvoll und gibt ganz unterschiedlichen Positionen Raum.

Die Besprechung ist bei portalkunstgeschichte.de abrufbar

Buchcover Judith Butler - Philosophie für Einsteiger

Judith Butler – Philosophie für Einsteiger

Menschen werden nicht mit männlichen oder weiblichen Attributen geboren, sondern Geschlechter werden konstruiert. Das fängt laut Judith Butler schon früh an beispielsweise wenn Mädchen als Babies rosa und Jungen blaue Kleidung tragen. Später werden Menschen Teil eines Machtsystems, das die Gesellschaft durchzieht. Innerhalb dieses Systems wird jedem Menschen ein Platz zugeordnet, der mit bestimmten Erwartungen verknüpft ist. Diese Erwartungen können sich mit der Zeit verändern und hängen von unterschiedlichen Faktoren wie zum Beispiel dem Geschlecht oder dem kulturellem Kontext ab. 

Ein Platz, an den Erwartungen geknüpft sind

Die geltenden Konventionen werden nach Ansicht Judith Butlers oft durch ein gewisses Maß an Gewalt durchgesetzt. Instrument ist – solange es nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt – die Sprache. In unserer Kommunikation kommen die zu einer bestimmten Zeit vorherrschenden Machtstrukturen zum Ausdruck. Judith Butler beschäftigt sich nicht nur damit, was in westlichen Gesellschaften eine Frau zur Frau und einen Mann zum Mann macht, sondern auch mit der Diskriminierung und Gewalt, die diejenigen erleben, die nicht den gängigen Verhaltensmustern entsprechen.

Sprache als Machtinstrument

René Lépine und Ansgar Lorenz haben ein ausführliches Porträt der streitbaren Philosophin geschaffen. In Wort und Bild beschreiben sie ihren Werdegang, die zahlreichen Einflüsse und möglichen Gründe für ihre oft umstrittenen Vorgehensweisen. Sie umreißen ihre Position Innerhalb der feministischen oder queeren Szene genauso wie die große Bedeutung, die etwa Michel Foucault oder Emmanuel Lévinas auf ihre Philosophie gehabt haben. Dabei stellen sie Kontroversen in einen schlüssigen Zusammenhang und üben durchaus auch Kritik an Judith Butler. 

Angenehme Übersichtlichkeit

„Judith Butler – Philosophie für Einsteiger“ kann insgesamt als eine Einführung in die Philosophie und Gender-Dabatte insgesamt gelesen werden. Besonders am Anfang erläutern die Autoren wichtige Grundbegriffe und ordnen sie in den historischen Kontext ein. Den Autoren gelingt dabei mit Hilfe von Sprache und Bildern eine angenehmene Übersichtlichkeit. Im Laufe des Buches widmen sich die Autoren mehr und mehr den Details von Judith Butlers Philosophie, was die Lektüre dann insgesamt etwas komplizierter macht. Dennoch ist das Buch aus meiner Sicht auch für Anfänger gut geeignet. Es lässt sich darüber hinaus auch als eine wertvolle Ergänzung zu „Politisches Framing“ von Elisabeth Wehling lesen.

Favoriten Festival 2018, Programm

Favoriten Festival 2018

Das Festival ist ein Treffpunkt der Freien Szene und findet alle zwei Jahre in Dortmund statt. Beim Favoriten Festival 2018 wurden 18 Produktionen aus Tanz, Theater, Performance und Musik zum Teil in Kooperation mit der Ruhrtriennale gezeigt.

Traditionell ohne festes Haus, findet das Festival an Orten statt, an denen die Beschäftigung mit Kunst nicht unbedingt selbstverständlich ist. In diesem Jahr waren die Zuschauer bei vielen Produktionen nicht nur passive Zuschauer, sondern konnten selbst Akteur werden.

Der ganze Text ist bei portalkunstgeschichte.de abrufbar

Report: Notizen aus der Wirklichkeit: Szene Ausstellung

Report: Notizen aus der Wirklichkeit

Jedes Jahr widmet sich das European Media Art Festival (emaf) in Film, Ausstellung, Workshop und Diskussion einem Thema an der Schnittstelle von Kunst und Gesellschaft. Beim emaf 18 ging es unter der Überschrift “Report – Notizen aus der Wirklichkeit” um die Beziehung zwischen Kunst und Journalismus.

Fester Bestandteil des emaf ist die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück, die meist rund vier Wochen lang zu sehen ist. Im Zentrum der diesjährigen Ausstellung stand “Das Kongo Tribunal” Künstlers und Regisseurs Milo Rau in Film, Buch und Interview. Opfer und Täter des Bürgerkriegs im Kongo berichten vor einer Theater-Jury von ihren Erfahrungen. Kann ein Theaterstück dabei helfen, die Rolle der Bürgerkriegsparteien offen zu legen?

Den ganzen Artikel bei portalkunstgeschichte.de lesen

Workshop Comic-Journalismus, Ausschnitt Comic

Workshop Comic-Journalismus

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat im März einen Workshop zum Thema Comic-Journalismus in Bonn angeboten. Es gab zunächst eine theoretische Einführung und dann haben wir im praktischen Teil des Workshops selbst einen Comic erarbeitet. Inhaltliche Vorgabe war, dass unsere Comics etwas mit der Stadt Bonn zu tun haben sollten.

Gemeinsam mit dem Zeichner Daniel Herrmann habe ich das Arithmeum in Bonn besucht. Hier wird die Geschichte der Rechenmaschinen von den ersten mechanischen Geräten bis hin zum modernen Computer in einer Dauerausstellung gezeigt:

Wir hatten dort nicht von ungefähr eine Begegnung mit Lady Ada Lovelace, denn sie gilt als erste Programmiererin überhaupt.  Exemplarisch haben wir das Erlebnis in unserem Comic festgehalten:

Hier den ganzen Beitrag zum Comic-Journalismus auf der Webseite des Deutschen Comic-Vereins lesen

Der blaue Montag: Puppenspieler Andreas Pfaffenberger

Der blaue Montag

Der Blaue Montag ist in Berlin eine Institution und das schon lange. Das ist ungewöhnlich in der schnelllebigen Stadt und allein schon deswegen etwas ganz Besonderes. Alle paar Wochen gibt es im Kabarett-Theater ‘Die Wühlmäuse’ eine neue Ausgabe des ‚lebenden Stadtmagazins‘, wie es auf der Internetseite des Blauen Montag heißt. Die Ausgabe der Erfolgsshow aus bissiger Satire und anspruchsvoller Akrobatik, die hier besprochen wird, ist immerhin 187. Ausgabe.

Womöglich hängt es damit zusammen, dass schon der erste Versuch, sich über den ‚Blauen Montag‘ zu informieren, etwas durchaus Einschüchterndes hat: Überall findet sich Lob, Lob und immer nur Lob. Der ‚Niebelungen Kurier‘ etwa nennt Arnulf Rating, den Initiator und einzigen ganz konstanten Mitwirkenden des ‚Blauen Montag‘, einen „Standpfeiler des deutschen Kabarett“. Des Weiteren schmückt sich das Blatt in einem Artikel mit dem Hinweis, wie gerne Rating die Niebelungen-Stadt Worms besucht und dem dortigen Theater einen Besuch abstattet. Selbst der MDR widmet Rating und seiner, bemerkenswerter Weise auch erfolgreich in die Stadt Frankfurt/Oder transferierten, Erfolgsshow ein rund einstündiges Radio-Feature. Insgesamt findet sich auf Ratings Internetseite eine lange Liste an Pressestimmen, die sich allesamt sehr positiv äußern, sowie einige Interviews mit durchgängig beeindruckend formulierten satirischen Pointen. All das erscheint besonders bemerkenswert angesichts der Tatsache, dass Rating seine Programmansagen im Rahmen des ‚Blauen Montag‘ meist mit bissigen Kommentaren über die Zeitungspresse versieht.

Überhaupt nicht eingeschüchtert wirkt hingegen das Publikum, das bereits frühzeitig und zahlreich erschienen ist. Man scheint sich rechtzeitig die besten Plätze sichern zu wollen, um ja nichts zu verpassen. Viele winken sich zu und unterhalten sich unverkrampft –  alles wirkt sehr familiär. Da überrascht es nicht, dass der ‚Blaue Montag‘ nicht nur das richtige Format für ‚alte Hasen‘ wie Philipp Sonntag oder Timo Wopp ist, sondern auch für Künstler, die gerade die ersten Schritte im Showgeschäft wagen.

Der Puppenspieler Andreas Pfaffenberger ist Absolvent der Hochschule für Schauspielkunst ‘Ernst Busch’ und an diesem Tag zum ersten Mal beim ‚Blauen Montag‘ dabei. „Das bemerkenswerteste an Andreas ist, dass er im Grunde alles singen kann. Das ist wirklich etwas ganz Außergewöhnliches“, erklärt mir Hanno Siepmann, der ihn während der Show am Klavier begleitet. Im Mittelpunkt des Stücks steht ein buckliger, grauhaariger Mann mit erstaunlich ausdrucksstarken und lebendigen Augen: Eine Handpuppe, geführt von Andreas Pfaffenberger.  „Oft spreche ich wirklich nur mit der Puppe, so echt wirkt der alte Mann auf mich“, erklärt Siepmann mit einem Schmunzeln. Er ist nicht nur Pianist und Komponist, sondern auch Schauspieler und Clown. Hier ein paar Videobilder vom Warmup vor der Vorstellung:

Hier geht es zum Video bei YouTube

Tatsächlich gelingt es Andreas Pfaffenberger auf der Bühne, die Puppe so sehr in den Vordergrund  zu rücken, dass sie alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die sehr gut einstudierten Gesten lassen die Puppe von grotesk-eitel bis aufrichtig-gramgebeugt wirken, vor allen Dingen auch in Kombination mit Pfaffenbergers virtuosem Gesang. „Ich habe ein paar Semester in Salzburg Musik studiert“, erklärt Pfaffenberger, „davor habe ich während der Schulzeit in einem Chor gesungen. In Salzburg kenn fast jeder diese Arie, aber niemand würde auf die Idee kommen, mitzusingen“. Erstaunlicherweise legt Pfaffenberger seinem gramgebeugten alten Mann die Arie ‚O zittere nicht’ der Königin der Nacht aus Mozarts ‚Zauberflöte‘ in den Mund. Noch überraschender ist, dass der Gesang ‚aus dem Mund‘ der Puppe so authentisch klingt, dass ich das berühmte Stück erst einmal gar nicht erkenne. Aus Pfaffenbergers Sicht ist dieser Umgang mit der Arie naheliegend: „Wir nehmen die ‚Zauberflöte‘ und machen etwas ‚populäres‘ daraus. Das ist aus unserer Sicht legitim, weil es dem ursprünglichen Gedanken von Mozarts Oper entspricht’.

Rating, im schmierigen Nadelstreifen-Anzug und roten Lackschuhen, präsentiert an diesem Blauen Montag noch zahlreiche weiter Kuriositäten, meist vor einem politischen Hintergrund. Zu Hören ist von den ‚German Trombone Vibration’ als der mutmaßlich kleinsten Big Band der Welt und Produkt der extravaganten Spleens eines Superreichen. Platz im Programm des ‚Blauen Montag’ finden außerdem die Kommentare von Klaus Nothnagel, angepriesen als der ‚Florian Silbereisen des deutschen Kabaretts‘, zu Schnappschüssen von bekannten Orten in Berlin oder Daniela Böhles Schilderung eines Besuchs bei bayerischen Verwandten, bei dem unverständliches gegessen und gesprochen wird. Darüber hinaus knüpft ein außerordentlich akrobatischer Radfahrer an die von Rating ironisch heraufbeschworene ‚lange Tradition der SPD als ‚Radfahrer-Partei‘ an (siehe Video weiter unten) und verweist bei tosendem Applaus nur bescheiden auf den ‚Berlin ist Beste‘-Schriftzug auf seinem T-Shirt. Auch die grazilen Darbietungen der Trapez-Künstlerin Jana Korb und die ganz besonders beeindruckende Medizin-Ball-Akrobatik von Tatjana Konoballs, die sich allenfalls in diesem Video angemessen zeigen lässt, bringen das Publikum zum Toben.

Abschließend muss ich sagen: Auch für mich war es ein sehr unterhaltsamer und unvergessener Abend. Das sage ich ganz uneingeschüchtert. Meine Höhepunkte habe ich in folgendem Video zusammengestellt:

Hier geht es zum Video bei YouTube

Ishka Michocka: Baum-Foto

Ishka Michocka: Baum-Fotografien

(ki) ist der Name der Ausstellung und das japanische Zeichen für ‚Baum‘. Auf den Landschaftsfotografien von Ishka Michocka lassen sich die meisten Bäume allerdings nur vage erahnen. Die schwarz/weißen Landschaftsbilder bewegen sich an der Grenze zur Abstraktion. Sie erinnern an traditionelle asiatische Tuschemalerei, auch indem sie manche Details nur verschwommen darstellen. Der matte Silber-Gelatine-Druck hingegen lässt die Bilder besonders räumlich erscheinen. Dadurch entsteht ein interessanter Kontrast in der Wahrnehmung der Fotografien. Im Video sind Eindrücke aus der Ausstellung zu sehen, kombiniert mit Zitaten der Künstlerin.

Der ganze Text: portalkunstgeschichte.de

Hier geht es zum Video zur Ausstellung bei Vimeo

Computergeschichte: Ada Lovelace-Ausstellung

Computergeschichte

Frauen werden nicht unbedingt mit großen Entwicklungen der Computergeschichte in Verbindung gebracht. Aber die erste Programmiererin überhaupt war eine Frau! Ada Lovelace ist daher die Patin der Ausstellung ‘Am Anfang war Ada’ im Heinz Nixdorf MuseumsForum, die zeigt, dass Frauen bis heute sehr wohl einiges mit Rechenmaschinen und künstlicher Intelligenz am Hut haben.

Mehr über die Ausstellung, Ada Lovelace und ihre Nachfolgerinnen: portalkunstgeschichte.de

Charles Babbage (1791-1871) war Mathematiker, Philosoph, Erfinder und politischer Ökonom. Er gilt als Erfinder der ‚Analytical Engine‘, einem Vorläufer moderner Computer. Regelmäßig ließ er Gäste wie Ada Lovelace seine Erfindungen ausprobieren. Darunter war auch die mechanische Tänzerin ‚Silver Lady‘, die heute wieder auf Knopfdruck unter den ‚Ohs‘ und ‚Ahs‘ des Publikums im Heinz Nixdorf MuseumsForum tanzt:

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Fotografie als Kunst: Selbstporträt Heinrich Kühn

Fotografie als Kunst

Heinrich Kühn ist ein Pionier der Fotografie als Kunst. Viele seiner Bilder sind von Malerei kaum zu unterscheiden. Um die Maltechnik der Gemälde möglichst echt nachahmen zu können, experimentierte er mit Papier und Druckverfahren.

Schon relativ früh war der ausgebildete Arzt gesundheitlich so beeinträchtigt, dass er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Das gab ihm die Möglichkeit, sich ganz seinem Hobby zu widmen. Zur damaligen Zeit hatte die Fotografie noch ein Schmuddel-Image. Niemand traute der damals ganz modernen Technik zu, ernstzunehmende Kunst produzieren zu können. Heinrich Kühn hat in unzähligen Versuchen das Gegenteil bewiesen.

Die ganze Besprechung: portalkunstgeschichte.de

Foto: Porträt Heinrich Kühn