Signatur und Selbstbild

Es ist vor allen Dingen die Signatur, mit der sich ein Künstler als Urheber eines Werkes zu erkennen gibt und die das Kunstwerk in verschiedene Zusammenhänge, wie die Biografie des Künstlers, andere Werke oder auch ein bestimmtes Image, stellt. In dem von Sebastian Karnatz und Nico Kirchberger herausgegebenen Buch »Signatur und Selbstbild. Die Rolle des Künstlers vom Mittelalter bis in die Gegenwart« zeigen Expertinnen und Experten nicht nur eine Art Geschichte des Urheberrechts, sondern eröffnen viele spannende Facetten im Verhältnis von Künstler, Werk und Rezeption durch mehrere Jahrhunderte. Susanne Braun hat ein, über weite Strecken sehr unterhaltsames Buch mit vielen spannenden Anekdoten gelesen.

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Lettland 1918-2018

Am 26. Mai findet die Wahl für das EU-Parlament statt. Ein guter Grund, sich mit einem der EU-Mitgliedsländer eingehend zu befassen: Lettland. Und da das Baltikum in seiner kulturellen Entwicklung sehr eng miteinander verbunden ist, befasst sich das Buch „Lettland 1918-2018. Ein Jahrhundert Staatlichkeit“ auch immer ein wenig mit den beiden andern baltischen Staaten Litauen und Estland. 

In dem Buch unterziehen vorwiegend lettische Experten, aber auch einige Wissenschaftler aus Dänemark und Deutschland, die jüngere Vergangenheit einer genauen Analyse. Sie beginnen mit den Anfängen der Demokratie-Bewegung Ende des 19. sowie Anfang des 20. Jahrhunderts und kommentieren die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ereignisse bis zur Erlangung der Mitgliedschaft in der Europäischen Union im Zuge der EU-Osterweiterung im Jahr 2004. 

Lettland 1918-2018: Karte Lettland und Umgebung
Lettland und Umgebung, Quelle: GoogleMaps

Besonders interessant ist die Darstellung der engen Verbindung Rigas, der Hauptstadt Lettlands, mit der Hanse und damit auch zu Deutschland. Riga, im Jahr 1201 gegründet, ist als eine der wichtigsten Handelsstädte im Ostseeraum auch stark von deutschen Einflüssen geprägt worden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Deutsch sogar Amtssprache in Lettland. Doch im Zuge der Demokratie-Bewegung gewannen die lettische Sprache und Kultur immer mehr an Bedeutung. 

Sehr bemerkenswert ist, dass die Autoren sich alle um einen sehr sachlichen Tonfall bei der Bewertung der historischen Ereignisse bemühen. Anschaulich und mit vielen spannenden Anekdoten wissen sie die vielen Facetten eines Landes und einer Region zu skizzieren, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. 

Ivar Ijabs, Jan Kusber, Ilgvars Misans, Erwin Oberländer (Hg.): Lettland 1918-2018. Ein Jahrhundert Staatlichkeit. Verlag Ferdinand Schöningh 2018.

Informationen über Lettland für Touristen (auf Deutsch): www.latvia.travel

Informationen des Europäischen Parlaments zur EU-Wahl am 26. Mai

Wild wild Grammar

Das European Media Art Festival (emaf) in Osnabrück ist mittlerweile eines der wichtigsten Medienkunstfestivals in Deutschland. Es eröffnet einmal im Jahr einen kritischen Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Lage.

War das emaf zu Beginn Anfang der 1980er Jahre noch ein Experimentalfilm-Festival, bietet es mittlerweile außerdem Performances, Talks, dem Media-Campus INIT für NachwuchskünsterInnen sowie einer regelmäßigen Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück eine Plattform. Hier ein paar Eindrücke aus der Ausstellung »Wild wild Grammar«, die sich mit der Kommunikation in einer global vernetzten Welt auseinandersetzt:

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Florian Arnold: Logik des Entwerfens

Im Zuge der Digitalisierung sind Begriffe wie Design und Design Thinking wieder stark in den Vordergrund gerückt. Kluge Konzepte sollen nicht nur digitale Technologie in ihre Strategien mit einbeziehen, sondern die Welt nach Möglichkeit auch ein kleines bisschen besser machen. Vorbild ist laut Digital Design Manifest, das im Rahmen eines Bitkom-Arbeitskreises entstanden ist, das Bauhaus. In der Art wie der Architekt am Bauhaus mit möglichst vielen gestalterischen Kompetenzen ausgestattet wurde, soll jetzt der Digital Designer dafür sorgen, dass die Vielzahl an vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten optimal genutzt werden können. Doch was genau ist eigentlich Design und wo kommt es her?

Design als Weltanschauung

Florian Arnold hat sich in „Logik des Entwerfens“ auf die Spuren der Gestaltung der Welt durch den Menschen gemacht. Der Philosoph stellt in seiner Untersuchung fest, dass die Versuche des Menschen, die Umwelt zu seinem Vorteil zu verändern und zu optimieren, vermutlich schon so alt sind, wie die Menschheit selbst. Seine Untersuchung ergibt eine enge Verwandtschaft des Designers mit dem Künstler und dem Philosophen. Sie alle versuchen sich daran, die Welt zu erkennen und sie mit den jeweils eigenen Mitteln zu beschreiben und oft auch zu optimieren.

Wege zur Erkenntnis

Beginnend mit dem Begriff des disegno bei Giorgio Vasari verortet Arnold den Designer zunächst in der Nähe des Renaissance-Künstlers, der sich bei der Betrachtung der Welt auf die Suche nach dem ästhetischen Ideal begibt. Auch hier geht der Entwurf – und sei er auch nur rein geistiger Natur – der Ausführung des eigenen Systems voraus. Weiterhin beschreibt Arnold Wege zur Erkenntnis bei Immanuel Kant, dessen philosophisches System aus seiner Sicht „das Paradigma einer funktionalistisch-maschinell orientieren Denkweise“ darstellt. Schließlich gelangt er zur Analyse der Realität der Dinge bei Martin Heidegger. Sie mündet in einer Kritik an der modernen Massenproduktion, die dem Einzelnen zu selten die für ihn passenden Objekte liefert. Für Arnold stellt es sich letztlich so dar, dass Gestaltung und Design eine Sprache für sich bilden. Da sie im Allgemeinen das Ergebnis einer umfangreichen Analyse sind, lassen sie sich auch immer als ein Kommentar zum Zustand der (Um-)Welt verstehen.

Keine entindividualisierte Massenware

Florian Arnold weiß seine Thesen im Detail schlüssig darzulegen und so ist ihm ein spannendes und lesenswertes Buch gelungen. Gerade Einleitung und Schluss sind auch für Leser interessant, denen philosophisches Denken nicht so vertraut ist. Ein wenig zu einseitig scheint mir sein Blick auf das Bauhaus geraten zu sein. Beispielsweise in dem autobiografischen Text Hürdenlauf durch das 20. Jahrhundert, der in Werner Graeff. Ein Bauhauskünstler berichtet erschienen ist, lässt sich nachlesen, dass es dem Bauhaus und seinen Protagonisten um weit mehr als die Produktion möglichst entindividualisierter Massenware ging. 

Interview Prof. Marlis Prinzing

Soziale Netzwerke sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr weg zu denken. Indem sie Kommunikation und Meinungsaustausch zwischen den Nutzern möglich machen, erfüllen sie für Prof. Marlis Prinzing schon jetzt eine wichtige Funktion als eine Art Bürgermedium.

Doch sie geraten auch immer wieder in den Verdacht, Hass und Fake News zu produzieren und zu verbreiten. Ist das womöglich ein strukturelles Problem, da soziale Netzwerke Inhalte belohnen müssen, die viele Interaktionen hervor rufen? Was muss sich wohl eher in die Kategorie „Vorurteil“ einordnen lassen? Und was können Nutzer tun, um ihrer Verantwortung bei der Kommunikation mit anderen gerecht zu werden?

Mit einem Klick auf das Bild lässt sich das Video bei YouTube abrufen

Cover Interview Marlis Prinzing

Computer Grrrls

Schon der Name der Ausstellung erinnert an die feministische Subkultur-Bewegung „Riot Grrrl“, die in den 1990er-Jahren in den USA entstanden ist. Das kommt sicherlich nicht von ungefähr. Denn auch die Ausstellung im Dortmunder U präsentiert ausschließlich Arbeiten von Künstlerinnen, die ihren Blick auf eine eher männlich dominierte Tech-Szene formulieren. Die Ausstellung ist über weite Strecken sehr humorvoll und gibt ganz unterschiedlichen Positionen Raum.

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Stofftier-Weihnachten

Wegen der Stofftiere in den Schaufenstern bin ich früher sogar gerne mit meinen Eltern Spaziergang gegangen. Schon die Ankündigung, dass wir an den Schaufenstern vorbei kommen würden, hat meine Langeweile augenblicklich verschwinden lassen. Ich konnte dann ewig davor stehen und dem Stofftier-Weihnachten zuzusehen. Das war sicherlich nicht immer leicht für meine Begleiter.

Geschichten und Bewegung

Fasziniert hat mich dabei, dass manche Stofftiere sich bewegen. Das war etwas, was meine Stofftiere leider nicht taten. Und ich konnte manchmal Szenen bekannter Märchen und Weihnachtsgeschichten entdecken. Noch nicht einmal der Verkehrslärm hat mich dabei ernsthaft gestört.

Bis heute muss ich mich losreißen, wenn ich an den Schaufenstern voller Stofftiere vorbei komme. Deswegen habe ich ein paar Bilder in diesem Video festgehalten:

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Cover Video Stofftier-Weihnachten

Gemeinschaftskunstwerke mit „Lake“

Malbücher für Erwachsene sind schon länger im Trend. Die Anbieter versprechen den Anwendern mehr Ruhe und Gelassenheit durch das farbige Gestalten von Mandalas oder etwa Motiven aus der Tier- oder Pflanzenwelt. Auch in den App-Stores finden sich zahlreiche Malbuch-Apps, mit denen sich solche Vorlagen digital auf Smartphone oder Tablet-Computer bearbeiten lassen. Künstlerisch anspruchsvolle Malvorlagen hat vor allen Dingen die App „Lake“ zu bieten. Hier stellen Künstler, Comic-Zeichner, Kinderbuchillustratoren, Street-Artists oder Designer Malvorlagen zur Verfügung, die die Anwender dann nach ihren eigenen Vorstellungen weiter gestalten können. Die App hat schon den Apple Design Award gewonnen. 

Jeder einzelne der knapp 50 Künstler wird mit einem kurzen Text vorgestellt. Mit dabei ist zum Beispiel Katrin Thiele, die aus einem kleinen Dorf in Norddeutschland stammt und vor allen Dingen als Buchillustratorin arbeitet. Ein weiterer Künstler ist Hugo K, ein Tätowierer aus Seoul. Seine von Comics inspirierten Bilder haben einen ganz anderen Charakter, als die Hasen, Hunde, Katzen oder Hirsche von Katrin Thiele. Die Vorlagen eines anderen Künstlers sind etwa von der asiatischen Volkskunst inspiriert. Die Grafikerin Tamy Hader hingegen malt Latinas, meist mit tropischen Attributen. Die Mehrzahl der Künstler stammt aus Europa, den USA, Kanada oder Asien. 

Individuelle Akzente kann der Anwender setzten, indem er die Farbgebung der Vorlagen gestaltet. Zur Verfügung stehen mehrere Modi: Deckender Farbauftrag mit einem digitalen Pinsel, Aquarell oder Spraydose. Darüber hinaus lassen sich mit dem Farbeimer-Modus ganze Flächen mit nur einem Fingertipp einheitlich einfärben. Für jede Vorlage stellt der jeweilige Künstler eine Farb-Palette zur Verfügung. Der Nutzer muss diese Vorgaben aber nicht berücksichtigen, sondern kann die Farben ganz nach seinen eigenen Vorstellungen einsetzen. So entstehen Gemeinschaftskunstwerke, die sowohl Künstler als auch Anwender kreativ gestaltet haben. Die fertigen Bilder lassen sich mit Verweis auf den Künstler in sozialen Netzwerken teilen, aber auch per Email verschicken oder einfach nur abspeichern. 

Darüber hinaus verharrt die Kunst in „Lake“ nicht allein im „L’art pour L’art“. Die App bietet auch eine Verknüpfung zu dem Startup „Spoonflower“, das von Nutzern gestaltete Design-Vorlagen auf Stoffe, Tapeten oder Geschenkpapier druckt. Es stehen spezielle Mal-Vorlagen für „Spoonflower“ zur Verfügung, die sich für die entsprechenden Designs anbieten. Hier scheint die Verbindung zwischen Kunst und Alltag in Anlehnung an das Bauhaus-Prinzip besonders greifbar, die vielen digitalen Anwendungen nachgesagt wird. 

Hinzufügen lässt sich noch, dass die Nutzung der App „Lake“ nicht kostenlos ist. Anwender können sich zwischen unterschiedlichen Bezahl-Modellen entscheiden: Wöchentlich, Monatlich oder Jährlich. Dabei kann jeder Anwender auf einige kostenlose Malvorlagen zurückgreifen. Beispielsweise stellt jeder Künstler eine Vorlage gratis zur Verfügung. Um mehrere Bilder desselben Künstlers gestalten zu können, müssen sie dann aber für einen Betrag von rund 3,50€ frei geschaltet werden. Die Anbieter weisen ausdrücklich darauf hin, dass ein Großteil des Geldes an die Künstler geht.    

Judith Butler – Philosophie für Einsteiger

Menschen werden nicht mit männlichen oder weiblichen Attributen geboren, sondern Geschlechter werden konstruiert. Das fängt laut Judith Butler schon früh an beispielsweise wenn Mädchen als Babies rosa und Jungen blaue Kleidung tragen. Später werden Menschen Teil eines Machtsystems, das die Gesellschaft durchzieht. Innerhalb dieses Systems wird jedem Menschen ein Platz zugeordnet, der mit bestimmten Erwartungen verknüpft ist. Diese Erwartungen können sich mit der Zeit verändern und hängen von unterschiedlichen Faktoren wie zum Beispiel dem Geschlecht oder dem kulturellem Kontext ab. 

Ein Platz, an den Erwartungen geknüpft sind

Die geltenden Konventionen werden nach Ansicht Judith Butlers oft durch ein gewisses Maß an Gewalt durchgesetzt. Instrument ist – solange es nicht zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt – die Sprache. In unserer Kommunikation kommen die zu einer bestimmten Zeit vorherrschenden Machtstrukturen zum Ausdruck. Judith Butler beschäftigt sich nicht nur damit, was in westlichen Gesellschaften eine Frau zur Frau und einen Mann zum Mann macht, sondern auch mit der Diskriminierung und Gewalt, die diejenigen erleben, die nicht den gängigen Verhaltensmustern entsprechen.

Sprache als Machtinstrument

René Lépine und Ansgar Lorenz haben ein ausführliches Porträt der streitbaren Philosophin geschaffen. In Wort und Bild beschreiben sie ihren Werdegang, die zahlreichen Einflüsse und möglichen Gründe für ihre oft umstrittenen Vorgehensweisen. Sie umreißen ihre Position innerhalb der feministischen oder queeren Szene genauso wie die große Bedeutung, die etwa Michel Foucault oder Emmanuel Lévinas auf ihre Philosophie gehabt haben. Dabei stellen sie Kontroversen in einen schlüssigen Zusammenhang und üben durchaus auch Kritik an Judith Butler. 

Angenehme Übersichtlichkeit

„Judith Butler – Philosophie für Einsteiger“ kann insgesamt als eine Einführung in die Philosophie und Gender-Dabatte insgesamt gelesen werden. Besonders am Anfang erläutern die Autoren wichtige Grundbegriffe und ordnen sie in den historischen Kontext ein. Den Autoren gelingt dabei mit Hilfe von Sprache und Bildern eine angenehmene Übersichtlichkeit. Im Laufe des Buches widmen sich die Autoren mehr und mehr den Details von Judith Butlers Philosophie, was die Lektüre dann insgesamt etwas komplizierter macht. Dennoch ist das Buch aus meiner Sicht auch für Anfänger gut geeignet. Es lässt sich darüber hinaus auch als eine wertvolle Ergänzung zu „Politisches Framing“ von Elisabeth Wehling lesen.

Piet Mondrian: Natur und Konstruktion

Ausstellung "Piet Mondrian: Natur und Konstruktion" im Museum WiesbadenKlare schwarze Linien und strenge Geometrie in Weiß, Grau, Rot, Blau oder Gelb – das sind im Wesentlichen die Attribute, die meist mit dem Maler Piet Mondrian in Verbindung gebracht werden. Doch der Mitbegründer der de Stijl-Bewegung hat auch ein umfangreiches gegenständliches Werk hinterlassen. Die Ausstellung „Natur und Konstruktion“ im Museum Wiesbaden zeichnet den Weg des niederländischen Malers von der naturalistischen Landschaftsmalerei zu seinen berühmten abstrakten Gemälden nach. Susanne Braun hat erstaunliche Ähnlichkeiten mit der Malerei van Goghs, Monets und Cézannes sowie aktuellem Games-Design entdeckt.

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Das Museum Wiesbaden liegt in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs und ist sogar zu Fuß gut zu erreichen. Das Museum zeigt neben Kunst und Architektur auch regelmäßig Ausstellungen aus den Bereichen Natur und Naturwissenschaft.

Mehr Infos unter: museum-wiesbaden.de