10. Berlin Biennale: Szene Ausstellung

10. Berlin Biennale

Die 10. Berlin Biennale for Contemporary Art ist die Jubiläumsausgabe der erfolgreichen Kunstausstellung. Das Kuratorenteam rund um die Südamerikanerin Gabi Ngcobo wagt eine bisher eher ungewöhnliche Perspektive auf die Welt. An fünf Ausstellungsorten in ganz Berlin werden Helden vom Sockel gestoßen und die westlichen Werte einer besonders kritischen Betrachtung unterzogen. Das ist heilsam, denn es gelingt den Künstlern, wichtige Bedingungen für das friedliche Zusammenleben in einer globalisierten Welt anzusprechen.

Der ganze Text ist bei portalkunstgeschichte.de abrufbar

Placebo-Effekte: Schüssel

Placebo-Effekte

Mit „Placebo-Effekte. Heilende Zeichen, toxische Texte, ansteckende Informationen“ ist Martin Andree ein spannendes und gut lesbares Buch gelungen. Der Autor zeigt, wie stark etwa die Wirkung eines zuversichtlichen Arztes, die Farbe einer Tablette oder die Qualität versprechende Marke des verabreichten Medikaments auf den Patienten sein kann. Offenbar kann ein Placebo unter Umständen sogar eine ähnlich stark schmerzstillende Wirkung hervorrufen wie Morphium.

Schamanismus und Doping-Mittel 

Buchcover Placebo-EffekteEine besondere Stellung im Heilungsprozess nimmt für Martin Andree das Ritual des Arztbesuchs und die Behandlungs-Performance insgesamt ein. Anschaulich beschreibt er, dass eine moderne ärztliche Behandlung immer noch Grundzüge des Schamanismus in sich trägt und der Kontakt zum Arzt sogar mit der Wirkung einer Droge vergleichbar sein kann.

Dazu begibt sich der Autor auf die Suche nach den Ursprüngen der Heilkunst. Er weiß von einigen recht abenteuerlichen Praktiken zu berichten, die eher an eine Zauber-Show als an einen Arztbesuch erinnern. Für die Gegenwart lässt sich etwa die Musik als Doping-Mittel neu entdecken oder der Grund, warum Superfood in bestimmten Fällen sogar tatsächlich gesundheitsfördernd sein kann.

Positive und negative Erwartungen

Das Gegenteil des Placebo- ist der Nocebo-Effekt. Gemeint sind damit Faktoren, die eine Krankheit oder körperliche Beeinträchtigung erwarten lassen. Als Beispiel führt Martin Andree eine Schulklasse an, die vermutete, dass jemand heimlich hochprozentigen Alkohol in die Getränke gemischt hatte. Im Krankenhaus stellte sich heraus, dass die Mehrheit der Schüler gar nicht mit Alkohol in Berührung gekommen war. Dennoch waren die Symptome nicht vorgetäuscht. Offenbar genügte die Erwartung, dass es so sein muss, um die Schüler tatsächlich krank zu machen. Ähnliche Wirkungen können laut Martin Andree auch entsprechende Meldungen in den Massenmedien auslösen.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen!

Insgesamt ist „Placebo-Effekte. Heilende Zeichen, toxische Texte, ansteckende Informationen“ ein verständlich geschriebenes Buch, das viele spannende und teilweise überraschende Anregungen bietet. Sie reichen von Tipps, mit denen sich die sportliche Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen lassen kann über die Effekte der Werbung bis hin zu Techniken, mit denen sich durch „positives Denken“ mehr Wohlbefinden im Alltag herstellen lässt. Und natürlich sieht man seinen Arzt und dessen Behandlungsmethoden nach der Lektüre des Buches in einem ganz neuen Licht

Zu den Details:

Beeindruckend gut ist Martin Andree eine interdiszinplinäre Herangehensweise an das Thema gelungen. Mit seinem gut verständlichen und kenntnisreichen Text liefert er sicherlich für Interessierte mit ganz unterschiedlichem Kenntnisstand einen guten Einstieg in das Thema. Eine bemerkenswert lange und auch aus geisteswissenschaftlicher Sicht gut sortiere Liste verwendeter Literatur befindet sich im Anhang des Buches.

Sprache und die Illusion von Kontrolle

Dennoch bin ich über ein paar Details gestolpert. Auf den Seiten 173 und 174 beschäftigt sich Martin Andree mit einem Auszug aus „Arbeit am Mythos“ von Hans Blumenberg und beschreibt die „Illusionen von Kontrolle“, die aus seiner Sicht eine große Ähnlichkeiten mit den Wirkungen des Placebo-Effekts aufweise. Dem stimme ich grundsätzlich zu, aber aus meiner Sicht geht es in dem Text um weit mehr.

Wichtigstes Moment bei der Erzeugung eines Gefühls von Vertrautheit ist die Sprache. Es ist die Kommunikation über das, was als potentiell bedrohlich empfunden wird, die beim Subjekt Erleichterung auslöst: „Was durch den Namen identifizierbar geworden ist, wird aus seiner Unvertrautheit durch die Metapher heraus gehoben, durch das Erzählen von Geschichten erschlossen in dem, was es mit ihm auf sich hat“ (AaM, S. 12).

Würde man diesen Vorgang auf den Arztbesuch übertragen, dann wäre sicherlich bereits das Gespräch über die Krankheitssymptome ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Genesung. Das „Erkennen“ der Angst und Unwohlsein hervorrufenden Faktoren durch den Arzt würde demnach bereits Grund zur Hoffnung auf Heilung zu geben. Vermutlich auch dann, wenn die Diagnose zunächst noch nicht eindeutig ist.

Unterschiedliche Narrative

Wenn das Buch von Martin Andree eine Schwäche hat, dann ist es die, dass es in „Placebo-Effekte“ zu wenig um die Wirkung von Worten geht. Beispielweise entsteht in dem Text oft der Eindruck, es gäbe nur ein einziges Narrativ, das sich für alle Patienten des Arztes voraus setzen ließe. Davon ist leider nicht unbedingt auszugehen.

Sicherlich gibt es bestimmte Erwartungen, die die meisten Patienten an einen Arztbesuch haben. Aber sie variieren womöglich schon von Region zu Region. Erst recht kompliziert wird die Verständigung zwischen Arzt und Patient, wenn der Kranke eine andere Sprache spricht oder aus einem völlig anderen Kulturkreis stammt.

Auch in Hinblick auf Nachrichten, TV, Werbung, Musik, Film usw. bleibt unklar, was sich heute als eine Art „Allgemeinwissen“ voraussetzen lässt. Jeder kann seinen Medienkonsum nach eigenen Interessen selbst gestalten kann und sich „nur“ über die Themen informieren, die ihn unbedingt interessieren. Die Kenntnis bestimmter Nachrichten und Themen aus den Massenmedien kann also nicht bei jedem vorausgesetzt werden.

Probleme bei der Kommunikation

Es gibt also durchaus eine ganze Reihe von guten Gründen, warum es nicht „funktioniert“ zwischen Arzt und Patient. Auch aus sprachwissenschaftlicher Sicht trägt jegliche menschliche Kommunikation etwas unbeherrschbares in sich. Folgt man etwa Walter Benjamin, dann handelt es sich dabei um die „Magie“ oder die „Unendlichkeit“ der Sprache. Jacques Lacan etwa verweist ausdrücklich mit Saussure auf das „Gleiten des Signifikats unter dem Signifikanten“ als einen Bereich, der durch das Unbewusste dominiert wird.

Bei Ernst Mach erweisen sich Schwierigkeiten in der Kommunikation als weit mehr als ein rein sprachliches Problem. In „Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Phsychischen“ legt er dar, wie sehr Menschen in ihrem eigenen Wahrnehmungsapparat gefangen sind. Eine Wahrnehmung der Welt außerhalb der eigenen Sinneseindrücke bleibt den Menschen versperrt. Das betrifft auch Wissenschaftler, die sich bei ihren Forschungen um größtmögliche Objektivität bemühen.

Eine Volksmedizin?

Auch in Hinblick auf den Katharsis-Effekt wäre aus meiner Sicht eine Berücksichtigung weiterer Aspekte interessant. Nicht nur Aristoteles sah in dem kathartischen Effekt eine Möglichkeit zur moralischen Erziehung der Zuschauer, der vielleicht sogar das Potential einer Volksmedizin in sich trägt. Auch Lessing erwartete konkret eine Erziehung des Zuschauers durch die Tragödie zu mehr Empathie, Schiller hoffte auf eine „Veredeldung des Charakters“ der Bevölkerung durch die Beschäftigung mit den schönen Künsten.

Adorno/Horkheimer hingegen haben in „Dialektitk der Aufklärung“ untersucht, wie die Kunst oder generell jedes Thema unter dem Diktat eines totalitären Regimes zu einem Manipulationsinstrument für die Massen gemacht wird. Für Adorno/Horkheimer bedeutet, gut gelaunt zu sein, einverstanden zu sein und so werden die Massenmedien hier zu einer Art Antidepressivum für die Bevölkerung.

Urban Prayers Ruhr

Was glaubt ihr denn

„Was glaubt ihr denn, Wer wir sind, Was wir glauben, Was glaubt ihr denn…“ – Es geht um Heimat, Akzeptanz, Glauben, Gemeinschaft und Zufriedenheit in dem Text von Björn Bicker, den die drei Frauen und zwei Männer rezitiern. Sie sitzen vor den Besuchern der Kirche wie bei einer Predigt. Die fünf wirken wie ein Querschnitt durch die im Ruhrgebiet ansässigen Ethnien – europäisch, afrikanisch, arabisch, vielleicht auch ein bisschen asiatisch – und sprechen akzentfrei Deutsch.

Querschnitt durch die Bevölkerung

Der Text wechselt scheinbar willkürlich von einem zum anderen, so, als würden die fünf die im Text ausgedrückte Kritik, Sorge, Anerkennung oder den Zweifel mit einer Stimme vortragen. Manchmal widersprechen sie sich selbst innerhalb des eigenen Sprechens. Das wirkt, als ob sie nicht nur mit einer Stimme, sondern als ob jeder Einzelne auch immer vielen Menschen eine Stimme geben würde, sogar Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern und anderen Glaubensrichtungen: „Was glaubt ihr denn, wo es einen besseren Platz geben könnte. Was glaubt ihr denn, wo wir nicht stören. Wo wir stören. Wo wir uns treffen sollten. Wo wir Euch begegnen könnten. Was glaubt ihr denn, wer ihr seid. Was glaubt ihr denn, wer wir sind…“

Wie mit einer Stimme

Vor Beginn der Veranstaltung hat die Pfarrerin der Lutherkirche Dinslaken-Lohberg davon gesprochen, dass das tolerante Zusammenleben hier eigentlich meistens gut funktioniert. „Wir bedrängen einander nicht, wir akzeptieren uns“, erklärt sie und spricht weiter davon, dass sie das eigentlich schon sehr lange so machen. Die Pfarrerin spricht davon, dass sie sich in Dinslaken-Lohberg in manchen negativen Berichten der Medien nicht wieder erkannt hätten. „Ich lade Sie ein. Kommen Sie wieder, sehen Sie sich selber an, wie wir hier leben. Machen Sie zum Beispiel ein Picknick, das darf man hier nämlich auf unseren Grünflächen“. Auch der anwesende Imam spricht von der Erde als „einem Haus, in dem wir gemeinsam und in Frieden zusammen leben wollen“. Beide bekommen viel Applaus.

Friedliche Atmosphäre

Ich bin zum ersten Mal in Dinslaken-Lohberg. Dinslaken ist ein kleiner und an diesem Sonntag sehr ruhiger Ort. Der Bus, der mich vom Bahnhof zur Lutherkirche im Stadtteil Lohberg bringen soll, fährt nur einmal in der Stunde und da ich mit Verspätung ankomme, verpasse ich ihn. Auch ein Taxi ist nirgendwo in Sicht und in Folge dessen laufe ich den Weg zu Fuß. Erst ärgere ich mich ein wenig, weil ich befürchte, zu spät zu kommen, aber dann macht es mir sogar Spaß. Ich komme vorbei an einer Graffiti-Wand, die mir bildgewaltig und mit den Worten ‚Dinslaken ist bunt‘ das kreative Potential dieser Stadt vor Augen führt. Ich laufe eine Hauptverkehrsstraße entlang, vorbei an einem Industriegelände und grünen Wiesen, bis ich schließlich den Förderturm der stillgelegten Zeche am Horizont entdecke und in einer beschaulichen Siedlung lande. Hier ist es sehr ruhig, alles wirkt wohlgeordnet und sehr deutsch, doch auf der Straße begegnen mir augenscheinlich fast ausschließlich türkischstämmige Menschen. Ich muss manchmal nach dem Weg fragen und bekomme freundlich, hilfsbereit und in akzentfreiem Deutsch Auskunft.

Urban Prayers Ruhr werden an unterschiedlichen Orten des Ruhrgebiets in Moscheen, Tempeln, Freikirchen oder Synagogen aufgeführt. Ich habe mich entschieden, mir eine Vorstellung der Urban Prayers Ruhr in Dinslaken-Lohberg anzusehen, weil es mich interessiert wie eine in Deutschland anerkannte und traditionsreiche Glaubensgemeinschaft wie die evangelische Kirche anderen begegnet. Ich weiß, dass das Ruhrgebiet mit dem Bergbau, seiner Schwerindustrie und den vielen dort benötigten Arbeitsplätzen bereits seit dem letzten Jahrhundert ein starker Magnet für Menschen aus unterschiedlichsten Ländern ist. Die Hoffnung auf soziale Absicherung durch einen festen Arbeitsplatz hat sich für viele erfüllt, die einstigen Fremden haben ein neues zu Hause gefunden und leben bereits seit Generationen hier. Heute scheint es vielen gar nicht mehr bewusst zu sein, dass das Ruhrgebiet eigentlich ein klassischer ‚Melting Pot‘ ist und das Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten und Glaubensrichtungen hier eigentlich einen grundlegenden Teil des sozialen Gefüges ausmacht.

Magnet für Menschen aus der ganzen Welt

„Was glaubt ihr denn, warum wir so viele sind, warum ihr denkt, dass ihr viel mehr seid. Warum das nicht stimmt…“ rezitieren die fünf Vortragenden. Die Kirche ist voll an diesem Sonntag Nachmittag, voller Menschen unterschiedlicher Hautfarben und Glaubensrichtungen, von denen die meisten offensichtlich gebannt dem Vortrag lauschen. Ergänzt wird die Rezitation in regelmäßigen Abständen durch Lieder aus unterschiedlichen religiösen Kontexten, meisterhaft dargeboten durch das Vokalensemble ChorwerkRuhr.

Begeisterter Applaus

Am Ende wird dieser sehr einträchtig wirkende Nachmittag mit begeistertem Applaus und Standing Ovations belohnt. Obwohl ich natürlich letztlich nicht beurteilen kann, wie das Zusammenleben hier im Alltag funktioniert, haben sie mich persönlich an diesem Sonntag überzeugt. Hier und heute kommt mir die Behauptung der Pfarrerin der Lutherkirche, dass das Zusammenleben in dieser Gegend eigentlich meistens gut funktioniert, absolut glaubwürdig vor und macht mir Hoffnung.

Was glaubt ihr denn von Björn Bicker ist als Buch erhältlich.

Maori-Nacht: Cover "Song of Selkies"

Maori-Nacht

Er ist unauffällig mit dunklem Hemd und dunkler Hose bekleidet, hält eine Gitarre in der Hand und spricht Englisch. Von Weitem hat er vielleicht am ehesten Ähnlichkeit mit einem Country-Sänger. Doch der Klang seiner Gitarre, die Geschichte und die Art seines Vortrags bei der Maori-Nacht haben allenfalls entfernt etwas von dem, was den wilden Westen und seine Musik im Allgemeinen ausmacht. Die Klänge der Gitarre sind meist reine Untermalung für eine Geschichte, die von Walen, Kanus, dem Meer, dem Himmel, Wäldern und Menschen inmitten dieser urgewaltigen Natur handelt.

Insgesamt betrachtet hat dieser Geschichtenerzähler vielleicht mehr von einem Darsteller, als einem Musiker. Denn viele markante Sequenzen der Geschichte unterstreicht er nicht mit Klängen, sondern mit ausladenden und manchmal fast überdeutlichen Gesten. Die Geschichte wirkt dadurch ungemein lebendig und fesselnd. Selbst wenn ich nicht immer jedes Wort verstehe, kann ich der Geschichte problemlos folgen und bin mehr als sonst gespannt, wie es wohl weiter gehen mag. Der faszinierende Geschichtenerzähler heißt Joe Harawira und erzählt in diesem Moment gerade im Rahmen des internationalen literaturfestival berlin eine der unzähligen Geschichten der Maori auf traditionelle Weise.

Noch vor einigen Jahren sei es undenkbar gewesen, die alten Maori-Geschichten öffentlich vorzutragen, erklärt der gebürtige Neuseeländer Joe Harawira im Anschluss an seine Performance. Die Sprache der Maori sei im 19. Jahrhundert von der Kolonialmacht als heidnische Sprache eingestuft worden und habe an den Schulen nicht mehr unterrichtet werden dürfen. Erst in den 1980er Jahren habe eine Wiederbelebung der maorischen Sprachkultur eingesetzt und seit 1987 sei Maori wieder offizielle Landessprache in Neuseeland.

Traditionell habe ein Geschichtenerzähler innerhalb der Maori-Gesellschaft eine überaus wichtige Funktion, da er die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft verbinde. Die Maoris glaubten, dass sich ein Volk anhand der traditionellen Geschichten mit Hilfe der Vergangenheit besser für die Zukunft wappnen könne. Jeder habe seine persönliche Geschichte zu erzählen und indem man es tue, stelle man eine persönliche Verbindung zwischen sich, der Vergangenheit und der Gemeinschaft her.

Bücher seien generell eigentlich nicht die richtige Form, um Maori-Geschichten zu verbreiten, erklärt in dieser Nacht auch die neuseeländische Schriftstellerin und Literaturdozentin Cathie Dunsford. Vermutlich sei die Verbreitung der Maori-Erzählungen mit Hilfe von DVDs der geeignetste Weg. Cathie Dunsford zeigt beim internationalen literaturfestival berlin eine echte Performance, bestehend aus den dunklen vollen Klängen einer großen Muschel, in die ein Mundstück eingearbeitet worden ist, ergänzt durch Gesang und Erzählung. Obwohl sie ganz ähnliche Grundelemente verwendet wie Joe Harawira, hat ihre Darbietung eine ganz andere Stimmung und Tonlage. Mit Hilfe der Universität von Auckland, an der sie arbeite, seien sie dabei, neue und für die Maori-Kultur passende Wege der Präsentation ausfindig zu machen. Sie habe bereits gemeinsam mit anderen Maori-Frauen eine neue Form von Literatur entwickelt, die sich wahrscheinlich am ehesten mit Lyrik vergleichen ließe. Starke Frauen, die sich zum Wohl der Allgemeinheit engagierten, gehörten zur Tradition der Maori genauso wie deren ganz stark ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Dabei gebe es trotz aller Gemeinsamkeiten zwischen den Maori auch teilweise groessere Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen. Dank der Geschichten könnten sie sich aber austauschen und hätten die Chance, eine Verständigung zwischen den Stämmen herzustellen. Insofern könne Literatur Anknüpfungspunkte für ein besseres Miteinander bieten. Unterschiede gebe es im Prinzip in allen Gesellschaften, sie selbst habe bei ihren Lesungen in Deutschland etwa Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen feststellen können. Über ihren Erfolg in Deutschland freue sie sich sehr und ganz besonders darüber, dass die Neuseeländer sich und ihre Kultur im Rahmen der Frankfurter Buchmesse präsentieren könnten.

Für eine neue Sicht auf die Geschichte und damit die Rolle der polynesischen Kultur hat vor allen Dingen James Belich mit einer Fernsehsendung über die Geschichte der Polynesier gesorgt, die auf einem seiner Bücher basiert hat. Beim internationalen literaturfestival berlin legt er dar, dass dadurch das Thema in die Öffentlichkeit gelangt sei und man in Folge dessen langsam begonnen habe, die Polynesier als ein Volk zu begreifen, das den halben Erdball bevölkert und geprägt habe. Nur mit Hilfe von Kanus sei es den Vorfahren der Polynesier gelungen, den gesamten Pazifik-Raum, von Hawaii bis Neuseeland zu bevölkern, eine unglaubliche Leistung. Sie seien nachweislich sogar bis Madagaskar und Süd-Amerika gelangt. Europäer sollten die Kultur der Polynesier respektieren.

Im Rahmen der Maori-Nacht betont auch Hamish Clayton, der im Gegensatz zu Joe Harawira und Cathie Dunsford ein neuseeländischer Schriftsteller ohne Maori-Vorfahren ist, Neuseeland sei ein Land mit zwei Kulturen. Die ersten Geschichten, an die er sich erinnere, seien Maori-Geschichten. Natürlich sei er auch mit den Geschichten über Koenig Arthur, Robin Hood oder Grimms Märchen aufgewachsen. Die Geschichten der Maori seien aber etwas ganz Besonderes, da sie keine Mythologie seien, sondern tatsächlich passiert wären.

Cathie Dunsford: Manawa Toa, Lied der Selkiesir.gif, Cowrieir.gif

Hamish Clayton: Wulfir.gif

James Belich: The Victorian Interpretation of the Racial Conflict: the British, the Maori and the New Zealand Warir.gif

James Belich: Making Peoples: A History of the New Zealanders until 1900ir.gif, Paradise Reforged. A History of the New Zealanders from The 1880ies to the Year 2000ir.gif, Replenishing the Earth. The Settler Revolutioon and the Rise of the Anglo-World, 1870ies-1920iesir.gif

Witi Ihmaera: Wale Riderir.gif

Paula Morris: Rangatirair.gif

Alan Duff: Warriorsir.gif

Peter Walker: Der junge William Foxir.gif

Ausstellung Margaret Hunter in der aquabitArt Galerie, Berlin

Interview Margaret Hunter

Nach dem Fall der Berliner Mauer haben im Jahr 1990 Künstler begonnen, die Mauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof mit Gemälden zu versehen. Mittlerweile ist die Berliner East Side Gallery nicht nur ein großes Kunstwerk, sondern das längste noch erhaltene Stück der Mauer, die früher Berlin teilte. Die schottische Künstlerin Margaret Hunter ist eine der Künstlerinnen der Berliner East Side Gallery. Die Galerie-Version ihres Mauerbildes von 1990 wird jetzt mit anderen Werken in der Galerie aquabitArt in Berlin gezeigt.

Wie kam es, dass Sie 1990 in Berlin waren und was hat Sie dazu bewegt, ein Bild an der Berliner East Side Gallery zu malen?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryIch bin 1985 nach Abschluss meines Studiums nach Berlin gekommen, um bei Georg Baselitz an der Universität der Künste zu arbeiten. Ich habe dann in Berlin meinen Mann kennen gelernt und bin jahrelang zwischen der Familie und dem künstlerischen Leben in Berlin und der Lehre an der Universität und den Ausstellungen in Schottland hin und her gependelt. 1990 bin ich zusammen mit vielen anderen Künstlern aus Ost und West eingeladen worden, ein Kunstwerk auf die zumindest im Ostteil Berlins früher unberührbare und verbotene Mauer zu malen. Es war ein Moment der Befreiung. Die Berliner Mauer war das Symbol des ‚Eisernen Vorhangs‘ und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, an diesem historischen Vorgang beteiligt sein zu dürfen. Es war eine sehr interessante und euphorische Zeit, tausende von Touristen sind herbei geströmt, um uns malen zu sehen und es gab sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Medien. Aber natürlich habe ich von Zeit zu Zeit an die Bedeutung dieser Malaktion gedacht, daran, dass es noch gar nicht lange her war, dass der letzte junge Mann bei dem Versuch, diese Mauer zu überwinden, umgebracht worden ist. Es gab also auch schmerzliche Momente.

Gibt es für Sie als Schottin eine besondere Beziehung zu Berlin oder insgesamt zu Deutschland?

Mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten hat mich nach Berlin gebracht. Wenn er in Amsterdam oder Paris gearbeitet hätte, wäre ich dort hin gegangen. Das hätte ich getan, sogar obwohl meine Schwester damals auch schon zum Arbeiten nach Frankfurt gezogen ist. Sie lebt immer noch in Deutschland und wir sind jetzt beide seit vielen Jahren hier.

Die spannende und kantige Stimmung des geteilten Berlin hat ganz sicher immer Einfluss auf meine Arbeit gehabt und es hat mein ganzes zwischen Schottland und Berlin geteiltes Leben begleitet.

Ihr Bild Joint Venture/re:STATEMENT hat etwas sehr Ursprüngliches, es erinnert ein bisschen an Höhlenmalerei. Auch die Skulpturen haben etwas von den Jahrtausende alten Kultstatuen, die einfache Menschen besaßen. Ist das auch aus Ihrer Sicht ein entscheidendes Merkmal für Ihre Kunst und warum?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryJa. Als Kind war habe ich einige Zeit in Nigeria verbracht, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Ich glaube, mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten, der eine bedeutende Kollektion afrikanischer Kunst besitzt, war ein Schritt in Richtung der Erinnerungen aus meiner Zeit in Afrika. Besonders zu den Stammesmarkierungen auf den Gesichtern der Menschen… Zeichen ihrer Identität.

Mir haben vor allen Dingen die Gemälde von Georg Baselitz sehr gut gefallen, auf denen einzelne Figuren dargestellt werden. Ich wollte eine solche Stärke und Direktheit auch in meiner eigenen Arbeit ausdrücken und so haben meine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen die Tendenz, auf das Essentielle reduziert zu sein. Der augenscheinliche Zweck und Nutzen hat mich auch immer an afrikanischer Kunst interessiert… Etwas, was ich in meiner eigenen Arbeit haben möchte. Wenn ich die Skulpturen herstelle, dann beginne ich mit der Kettensäge, wobei manchmal raue Stellen entstehen. Ich höre immer wieder zwischendurch auf, um zu meißeln. Das geht in einer Geschwindigkeit, die eher zu meinem Denken passt!

Wie kam es zu dem Dialog zwischen Ihnen und den Besuchern der East Side Gallery und wie ist die Entscheidung gereift, die Anregungen der Besucher in eine ‚Neufassung‘ von Joint Venture/re:STATEMENT zu integrieren? 

Ich habe eine Replik meines East Side Gallery Bildes angefertigt. Es war 2009 mein Beitrag für eine Ausstellung an der ich teilgenommen habe, die das Thema ’20 Jahre nach dem Mauerfall‘ hatte und im Kunstraum Potsdam statt gefunden hat.

Ich habe die Galerie-Version von Joint Venture/re:STATEMENT in meinem Atelier gemalt. Die Situation war ganz anders als 1990, besonders weil ich in einem geschlossenen Raum gearbeitet habe und es Zeit gab, über die dazwischen liegenden zwanzig Jahre nachzudenken.

In diesen zwanzig Jahren gab es einen immer währenden Dialog mit den anonymen Besuchern, die in Form von Graffitis auf dem Bild Kommentare hinterlassen haben. Ich habe die Graffitis viele Male übermalt und es hat mein Leben zwanzig Jahre lang begleitet. Ich bin schließlich auf die Idee gekommen, die Galerie-Version zu einem interaktiven Stück zu machen und es so noch mehr mit dem Gemälde auf der Mauer der East Side Gallery zu verbinden. Ich habe die Besucher auf der Vernissage im Kunstraum Potsdam eingeladen, ihre Gedanken auf meinem Bild zu hinterlassen. Mir ist es so vorgekommen, dass die ‚Neue Darstellung‘, was ‚RESTATEMENT‘ übersetzt bedeutet, so vollständig war.

Welche Rolle spielen die Anregungen der Rezipienten für Sie und Ihre Kunst?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryEs ist eindeutig ein großes Risiko, andere Leute zu bitten, auf mein Bild zu schreiben. Es hätte komplett zerstört werden können. Aber da ich mich dafür entschieden hatte, war das ein Risiko, das ich in Kauf nehmen musste. Außerdem hat es in einer Galerie statt gefunden und ich war die meiste Zeit über selbst anwesend. Es gab von Seiten der Besucher großen Respekt für das Gemälde und ich glaube, die Besucher haben sich sogar geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen. Ich habe sehr viel Arbeit in dieses Bild gesteckt, habe viel mit überlappenden Farben gearbeitet, was ihm aus meiner Sicht die Ähnlichkeit mit Höhlenmalereien verleiht, die Sie bereits angesprochen haben. Ich habe nicht bewusst darauf hin gearbeitet, sondern hatte eher die Vorstellung, dass die Farb-Schichten ein Gefühl von Zeit und Geschichte vermitteln würden. Das Gemälde ist später in der Royal Scottish Academy gezeigt worden, eine der führenden Institutionen in Schottland. Die Räumlichkeiten sind dort sehr edel und die Besucher haben das Bild aus einer größeren Distanz heraus betrachten müssen, so dass sie wenig von den Worten auf der Oberfläche des Bildes erkennen konnten.

East Side Gallery, BerlinDer Unterschied zwischen der Präsentation des Bildes in der Royal Scottish Adademy und der in dem Raum der aquabitArt-Galerie ist enorm. Das Gemälde konnte nicht am Stück aufgehängt werden, sondern musste über Eck aufgehängt werden, ein Teil an einer Wand, der andere an der anderen. Das lädt die Besucher ‚in das Bild ein‘, sie sind von ihm umgeben und können von ganz nah alle Details erkennen. Diese Anordnung des Gemäldes ist ein weiterer Versuch, den Besucher in das Werk mit einzubinden. Früher habe ich oft mit Holz-Brettern gearbeitet, auf die ich viele Farbschichten aufgetragen habe, um dann hinein kratzen zu können und ‚die Geschichte‘ darunter frei legen zu können. In der auquabitArt-Ausstellung sind die ‚Schichten‘ einzeln dargestellt, Teile meiner Arbeit, und es ist Aufgabe des Besuchers, zwischen den einzelnen Skulpturen und Bildern einen Zusammenhang herzustellen oder auch nicht. Die schweren kohlschwarzen Skizzen auf den Bildern könnte man als Grundrisse der Skulpturen verstehen, die aus dem großen Bild herausgetreten sind. Die Skulpturen sehen so aus. Eine weitere ‚Schicht‘ bilden die kleinen kratzigen Tuschezeichnungen…

Seitdem ich die Ausstellung noch vor der Eröffnung zum ersten Mal gesehen habe, spreche ich mit einem Choreografen über eine dazugehörige Tanz-Performance, die ein Video meines großen Gemäldes und einer Skulptur aus einer Ausstellung namens Holding Hope beinhaltet. Ich finde die Aussicht auf weitere ‚Schichten‘ von Bedeutungen durch Bewegung/Stillstand, Lichtgebung, Schatten, Ton und so weiter sehr spannend.

Sie haben auch als Dozentin am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art gearbeitet. Gibt es irgend etwas, was Sie jungen bildenden Künstlern unbedingt mit auf ihren hoffentlich erfolgreichen Weg geben möchten?

Ich habe an beiden Kunstschulen als Gast-Dozentin gearbeitet. Es gibt so viele begabte Künstler und so wenige Möglichkeiten und Perspektiven für sie. Als erstes muss ein junger Künstler vollkommen aufrichtig und zielstrebig sein und außerdem einen unumstößlichen Glauben an die eigenen Ideen haben, sie dürfen sich nicht durch Zurückweisungen erschüttern lassen und sie brauchen Verwegenheit. Außerdem müssen sie ständig auf der Suche nach Gelegenheiten sein, ihre Arbeit zu zeigen oder an Projekten teil zu nehmen. Es ist dabei sehr wichtig, professionell zu sein und sie müssen begreifen, dass sie die geschäftliche Seite der Kunstwelt verstehen müssen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.art.aquabit.com und www.eastsidegallery-berlin.de

Buchcover "Counterblast" von Marshall McLuhan

Counterblast

Der kanadische Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan, wie er mit vollem Namen hieß, hat in seinem Leben mehrere Abhandlungen veröffentlicht, die sich mit Kommunikation und Medien beschäftigen. Geboren 1911, hat er nach einem Studium der englischen Literatur auch 1942 seinen Doktor in Trinity Hall, Cambridge, erhalten. Thema der Doktorarbeit war eine kritische Betrachtung der Kommunikation über 2000 Jahre hinweg. Marshall McLuhan ging davon aus, dass die unterschiedlichen Formen der Rede beziehungsweise des Ausdrucks die Wahrnehmung der Menschen formen und so den Inhalt der Diskurse und des Lernens ganzer Kulturen bestimmen, ohne dass es direkt ins Bewusstsein vordringen muss.

Im Jahr 1954, dem Erscheinungsjahr der ersten Fassung von Counterblast, hat Marshall McLuhan an der Universität von Toronto gelehrt und bereits The Mechanical Bride: Folklore of Industrial Man (1951) veröffentlicht. Im Vorwort zu The Mechanical Bride hat Marshall McLuhan auf das Paradox hingewiesen, dass Kreativität und Zerstörung häufig durch dieselben gesellschaftlichen Kräfte ausgelöst werden, dass aber Veränderungen immer auch ein positives Potential in sich bergen und moralische Empörung bei der Betrachtung nicht hilfreich sei. Damit grenzt er sich ab zu einem anderen bekannten Intellektuellen mit kanadischen Wurzeln: Wyndham Lewis. Der Maler und Schriftsteller, den Marshall McLuhan persönlich kannte und über dessen Arbeit er auch bereits eine Abhandlung geschrieben hat, veröffentlicht 1954 ein neues Buch. In Self Condemned beschreibt Lewis die Lebensumstände in einer Stadt namens Momaco. Am Ende flieht der Protagonist aus einem Momaco, das zu einem Friedhof aus Muschelgehäusen geworden ist. Der Verfasser der Einleitung zu Counterblast, W. Terrence Gordon, erklärt, dass viele in ‚Momaco‘ Toronto zu erkennen glaubten und dass Wyndham Lewis in seinem Buch das Schicksal des ‚Neuen Menschen‘ beschreiben wollte.

Marshall McLuhan war nach Ansicht von W. Terrence Gorden einer der ersten, der das neue Buch Wyndham Lewis‘ gelesen hat, es findet sich eine Anspielung darauf in der Einleitung Marshall McLuhans zu Counterblast. Zunächst bezieht er sich allerdings konkret auf Lewis` 1914 veröffentlichtes Journal Blast:

In 1914, a few weeks before the War, Wyndham Lewis the painter put out BLAST. He set out to create a new vortex of thought and feeling consistent with the changed conditions of life, work, and society. He was too late. The imbalance of thought and feeling in the new technological world of England and Europe was extreme

Beide, Wyndham Lewis und Marshall McLuhan, waren W. Terrence Groden zu Folge davon überzeugt, dass Kunst und technologische Entwicklungen untrennbar miteinander zusammen hängen. Marshall McLuhan war der Ansicht, das die neuen Medien eine entscheidende Rolle dabei spielen, dem Menschen in der technikdominierten Welt die Sicht zu vernebeln:

In AMERICA AND COSMIC MAN Lewis saw North America as a benign rock crusher in which all remnants of European nationalism and individualism were happily reduced to cosmic baby powder. The new media are blowing a lot of this baby powder around the pendant cradle of the New Man today. The dust gets in your eyes

Counterblast, als Titel Bezug nehmend auf das Journal ‚Blast‘ von Wyndham Lewis, wollte ein ‚Gegenschlag‘ gegen diese Verwirrung sein und einen klaren Blick auf die neuen Medien, ihre Herkunft, Verzweigungen und Richtung eröffnen:

COUNTERBLAST 1954 blows aside this dust for a few moments and offers a view of the cradle, the bough, and the direction of the winds of the new media in these latitudes

Was nun nach der Einleitung folgt, ist ein Text, der aus vielen Überschrift-artigen Teilen mit vielen Leerzeichen, Großbuchstaben und Aufzählungen besteht. Es wirkt fast wie ein Gedicht, mit vielen Wortspielen und Metaphern:

… USA

COLOSSUS of the South, horizontal

HEAVYWEIGHT flattening the

canadian imagination

CBC  BBC  NBC  CBS

nets of the BIG GAME hunters, lairs of

the NEW BABBITTS …

Am ehesten wirkt es, wie die Dozentin amerikanischer und kanadischer Literatur und Marshall-McLuhan-Spezialistin, Elena Lamberti, es genannt hat: wie ein Mosaik. Es besteht aus einer Einleitung, einem Teil voll kurzer, überschriftartiger Textpassagen, einem ‚Media Log‘, in dem über die Geschichte und Bedeutung von Büchern und Print-Presse, mal in sehr kurzen, mal in längeren Passagen gesprochen wird und ‚FIVE SOVEREIGN FINGERS TAXED THE BREATH‘, wo Eindrücke über die moderne Stadt und das Leben dort, Medien und Zivilisation formuliert werden.

W. Terrence Gordon berichtet in der Einleitung von dem Gerücht, dass Marshall McLuhan Exemplare von Counterblast 1954 an Straßenecken und in Zigarrettengeschäften ‚unter der Ladentheke‘ hat verkaufen lassen, in der Hoffnung, die Lektüre würde ein grundlegendes Umdenken in der Gesellschaft hervorrufen. Viel später hat es eine überarbeitete Veröffentlichung von Counterblast in Buchform gegeben. Aber in der Faksimile-Ausgabe von 1954, die anlässlich der transmediale und des 100. Geburtstags Marshall McLuhans veröffentlicht worden ist, sind viele für das ganze Werk Marshall McLuhans wegweisende Thesen formuliert.

Spanisch Lernen mit Rosetta Stone

Sobald ich mich auf der Internetseite von Rosetta Stone eingeloggt habe, erscheint im Fenster des Internetbrowsers das Softwarepaket mit dem von mir bestellten Sprachkurs zum Anklicken. Sofort kann ich die nötige Software zum Spanisch Lernen installieren.

Ich kann mich für einen Schwierigkeitsgrad entscheiden und dafür, ob ich etwa nur die Aussprache üben oder ausschließlich zuhören und schreiben möchte. Ich wähle die einfachste Stufe und die empfohlene Kombination aus Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Dann bestimme ich das Tempo des Anfängerkurses fast ausschließlich selbst.

Ich lerne durch Bilder mit Überschriften, dass ‚el niño‘ ein Junge ist und ‚la niña‘ ein Mädchen. Außerdem spricht mir eine Stimme über den Kopfhörer meines Headsets die richtige Aussprache vor. Ich muss mehreren Bildern per Mouseklick zuordnen, ob es sich bei der Person darauf um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Schließlich werde ich aufgefordert, die Aussprache zu üben. Ein Sprecher spricht mir die Worte vor und ich wiederhole sie. Ich bestimme das Tempo, kann entscheiden, wie lange ich mir Zeit lasse, die Bilder zuzuordnen oder ich kann mir über ein Button neben dem Satz noch einmal die Aussprache anhören und sie üben, bevor ich sie aufzeichnen lassen und als Prüfungssegment bewerten lassen muss.

Sobald ich die erste Hürde genommen habe, erscheinen weitere Bilder, auf dem einen trinkt ein Mädchen, auf dem anderen ein Junge. Immer wird über mein Headset der über dem Bild geschriebene Satz mit dem noch unbekannten Verb akustisch wiederholt. Ich muss wieder mehreren Mädchen und Jungen die richtige Tätigkeit wie essen, laufen oder lesen zuordnen und zwischendurch alle neuen Verben über das Headset aussprechen üben.

Dabei ist ausschließlich Spanisch gesprochen und geschrieben worden. Ich habe keine Übersetzung und auch keine Lautschrift zu lesen bekommen, sondern nur spanische Sätze und habe über Bilder gelernt, welches Verb welche Tätigkeit bezeichnet und wie Einzahl und Mehrzahl gebildet werden. Da mir bei jeder neu eingeführten Tätigkeit auch immer die richtige spanische Aussprache vorgelesen wird, verbinde ich mit jedem Satz und jedem Bild auch sofort einen bestimmten Klang.

Insgesamt dauert dieses erste Kurssegment geschätzte 30 Minuten, im Einzelnen hängt die Zeit natürlich von meinem persönlichen Tempo ab. Danach wird mir in Prozent gezeigt, wie hoch meine Fehlerquote gewesen ist und mir wird empfohlen, wie ich am besten weiter lernen kann.

Insgesamt hat diese Art des Lernens tatsächlich etwas sehr ursprüngliches und zwar vom Ansehen eines Bilderbuches. Auf den Fotos lässt sich vieles entdecken, sie zeigen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Kulturen, die ihren Alltagsgewohnheiten nachgehen. Obwohl ich spanisch lerne, ordne ich einem mit schwarzer Tusche chinesische Schriftzeichen malenden Jungen den spanischen Satz für ’schreiben‘ zu. Die Fotos sind sehr schön gestaltet und bilden eine Art multikulturelles Bilderbuch, das auch für Erwachsene optisch spannend ist und interessante Geschichten erzählt.

Die Benutzung ist weitestgehend selbsterklärend und einfach. Im Notfall kann ich aber einen Hilfe-Button verwenden und mir erklären lassen, wie ich weiter vorgehen sollte. Unbedingt erforderlich ist ein Headset, auch schon einmal um die richtige Aussprache hören zu können. Die Angst, sich gleich am Anfang mit Aussprache-Übungen zu überfordern, ist unbegründet. Bevor ich den Satz nachsprechen muss, wird er mit mehrere Male vorgesprochen und ich kann ihn mir auch noch weitere Male vorlesen lassen. So ist das Lernen stressfrei und macht Spass.

Weitere Informationen gibt es unter: www.RosettaStone.de

Der Text ist zuerst auf dem Blog www.textblueten.wordpress.com veröffentlicht worden.

Screenshot Webseite Rosetta Stone

Sprachen Lernen mit Rosetta Stone

Rosetta Stone ist der führende Anbieter von Sprachlernlösungen, die online oder über eine CD-ROM angewandt werden können. Die Lernprogramme gibt es für mehr als 30 Sprachen und werden von privaten Sprachlernbegeisterten, öffentlichen Institutionen, Unternehmen und tausenden von Schulen und Universitäten welweit verwendet. Rosetta Stone wurde in den 90er Jahren in den USA gegründet und hat heute Niederlassungen in London, Seoul, Tokio und München. 2009 wurde Tom Adams, CEO von Rosetta Stone zum „Ernst & Young Entrepreneur Of The Year“ gewählt. Duane Sider ist „Director of Learning“ bei Rosetta Stone in Harrisonburg, USA.

Was ist das Besondere an den Sprachlernlösungen von Rosetta Stone?

Duane Sider: Rosetta Stone ermöglicht jedem, unabhängig vom Alter, dem Bildungsgrad oder jeglicher Vorerfahrung, Sprachen Wort für Wort neu oder aufbauend zu lernen, indem man auf seine natürlichen Lernfähigkeiten zurückgreift. Die Lernenden selbst bestimmen den Schwerpunkt und das Tempo. Ein sorgsam ausgeklügelter Programmverlauf leitet Sie Schritt für Schritt durch diesen natürlichen Lernprozess. Obwohl Sie zu Hause lernen, sind Sie ganz von der Kultur umgeben, deren Sprache Sie gerade lernen. Dabei verwenden Sie niemals Übersetzungen oder Erläuterungen der Grammatik in Ihrer Muttersprache. Ihre Sprachfähigkeiten entwickeln sich schnell mit Hilfe unserer Spracherkennungssoftware und regelmäßiger Gelegenheiten, die Aussprache mit Muttersprachlern zu üben. Die Lernenden eignen sich so eine neue Sprache auf einem spielerischem Weg an, der ihnen Sprachpraxis vermittelt, sie motiviert und ihr Selbstvertrauen stärkt.

Was sind die besonderen Anforderungen, die im digitalen Zeitalter an Fremdsprachenunterricht gestellt werden müssen? Für Schüler? Für Autodidakten, die sich eine Sprache aus beruflichen Gründen selbst neben der Berufstätigkeit aneignen müssen?

Duane Sider: Fremdsprachenlehrer müssen sich nicht mit den neuesten technischen Entwicklungen auskennen, um im digitalen Zeitalter gute Sprachlernangebote anbieten zu können und auch die Klassenzimmer müssen nicht unbedingt mit den neuesten technischen Geräten ausgestattet sein. Der Erfolg der Lehrmethode hängt viel mehr grundsätzlich von der Herangehensweise des Lehrers ab, von seinen persönlichen Vermittlungsmethoden und nicht so sehr von irgendwelchen Technologien. Wichtig ist, zu verstehen, was die Lernenden an Erwartungen, Möglichkeiten und Vorkenntnissen mitbringen und alles in den Unterricht einfließen zu lassen. Wir wissen bereits seit vielen Jahren, dass Lernende unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, verschiedene Vorerfahrungen, unterschiedliche soziale Hintergründe und Lernfähigkeiten. Im digitalen Zeitalter ist es möglich, auf den Einzelnen zugeschnittene Lernansätze anzubieten, die auch die technischen Vorkenntnisse berücksichtigen. Außerhalb des Unterrichts können Lernende viel mehr Informationen ausfindig machen und sie dann in den Unterricht einbringen, als es früher möglich war. Insofern ist der Lehrer weniger ein Allwissender als jemand, der einen dynamischen Lernprozess begleitet, in den sich jeder aktiv einbringen kann. Die Aufgabe des Lehrers ist es, das Beste aus jedem herauszukitzeln und daraus etwas Starkes, Bedeutsames und die Klasse vereinendes herzustellen, das den Erfolg ausmacht. RosettaStone ist in der privilegierten Lage, mit vielen sehr guten Fremdsprachenlehrern aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, die sich bemühen, optimale Lehrmethoden für alle am Lernprozess Beteiligten zu entwickeln. Die Schüler lernen auf sich gestellt an ihrem Computer und machen dann in der Klasse gemeinsam Gruppenarbeiten und sammeln Sprachpraxis durch Diskussionen mit ihren Mitschülern.

Welche Rolle kann das Internet in diesem Zusammenhang spielen?

Duane Sider: Ganz grundsätzlich erleichtert, beschleunigt und vermehrt das Internet die Möglichkeiten der Wissensaneignung. Das Wissen kann schneller verbreitet und auch schneller darauf zugegriffen werden. Zusammen können diese Faktoren das Lernen an sich verändern. Manche haben diese Veränderung als einen Wechsel von ‚just In Case‘-Lernen zu einem ‚just in time‘-Lernen beschrieben. Im Falle des ‚just in case‘ eignet sich der Schüler etwas an, von dem er hofft, dass es sich als hilfreich für sein Leben und seine Arbeit herausstellt. ‚just in time‘-Lernen, bedeutet, dass der Schüler seine Fähigkeiten sofort und unmittelbar im Internet zum Einsatz bringen kann. Wenn man davon ausgehen darf, dass Sinn des Lernens ist, den Schüler weiser zu machen, und nicht nur ein Mehr an Wissen anzuhäufen, dann ist ein weiser Lehrer am geeignetsten, die Rolle des Internets für den Lernprozess verständlich zu machen.

Wie kann ein Lernender durch digitale Unterrichtsformen seine Aufnahmefähigkeit steigern beziehungsweise warum ist diese Unterrichtsform erfolgversprechender als Frontalunterricht in einer Schule?

Duane Sider: Von der Entwicklung der Printpresse über die audio-visuellen Technologien des letzen Jahrhunderts bis hin zu den heutigen digitalen Möglichkeiten, bringen alle neuen Technologien Veränderungen und neue Anforderungen für Lehrer und Schüler mit sich. Die besten Lehrer haben es stets verstanden, diese neuen Technologien in ihren Lehrmethoden zu berücksichtigen, aber den Schwerpunkt auf dem Lernen zu belassen. Auch im digitalen Zeitalter werden gute Lehrer die Vorteile des digitalen Lernens mit ‚traditionellen‘ Lehrmethoden sinnvoll und in bester Weise miteinander verbinden.

Sprache ist ja eigentlich etwas lebendiges und besteht ja auch vor allen Dingen aus direkten Gesprächen mit Menschen. Wie kann der Computer so etwas vielleicht ersetzen und mir trotzdem Sprachpraxis vermitteln? Oder ist das digitale Lernen eine Ergänzung zum ‚echten‘ Sprechtraining?

Duane Sider: Natürlich ist der beste Weg eine neue Sprache zu lernen, einige Zeit in dem entsprechenden Land zu verbringen und mit Muttersprachlern in Alltagssituationen die Sprache anwenden zu lernen. Wenn eine solche Reise aber zu umständlich oder sogar unmöglich ist, kann die beste Alternative sein, online mit Muttersprachlern und anderen Schülern zu lernen. Eine gute Infrastruktur minimiert den Zeitverlust und die Kosten und gewährleistet uneingeschränkte Sprachpraxis mit Muttersprachlern online, auch über eine große Distanz hinweg. Wenn der Lernende zusätzlich zu seiner Sprachpraxis eine Sprachenlern-CD verwendet oder Online- Sprachkurse belegt, kann gewährleistet werden, dass ein Gespräch in einer Sprache möglich wird, die beide Seiten verstehen. Die Lernenden können sich so Sprachpraxis mit ‚echten‘ Menschen aus der ‚echten‘ Welt online aneignen.

Muss man gute Computerkenntnisse haben, um mit Rosetta Stone arbeiten zu können?

Duane Sider: RosettaStone-Sprachlernlösungen sind für Schüler und Erwachsene konzipiert. Die Computerkenntnisse, die jeder jeden Tag braucht, ermöglichen, dass sich der Lernende Schritt für Schritt durch die Sprachlernsoftware führen lassen kann. Die Lernenden arbeiten sich voran, indem sie gesprochene, geschriebene oder ‚geclickte‘ Antworten geben und eignen sich so von Grund auf im Gesprächsfluss eine neue Sprache an.

Ist diese Lösung auch für ältere Menschen geeignet?

Duane Sider: Mit Hilfe der besonderen Spracherkennungstechnologie verbessern und perfektionieren Sie Ihre Aussprache im Vergleich zu der eines Muttersprachlers. Zusätzlich garantiert die intelligente und dynamische Abruf-Methode, dass die Bereiche, die Sie anfänglich als schwer empfinden in optimalen Intervallen während des Kurses wiederholt werden. Diese Methode hilft, die Sprache zu verstehen und das Erlernte zu festigen. Ältere Menschen benötigen für das Erlernen einer neuen Fremdsprache meist etwas mehr Zeit als jüngere. Mit Computer-gestützten Sprachkursen können sie stets genau dann lernen, wenn es ihnen am besten passt. Sie sind somit nicht an feste Lernzeiten gebunden und können jederzeit das bereits Erlernte wiederholen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.RosettaStone.de

Der Text ist erstmals auf dem Blog www.textblueten.wordpress.com veröffentlicht worden.