Peeping Tom: Moeder

Die belgische Tanztheater-Kompanie Peeping Tom ist bekannt für ihre absurd-komischen Stücke. Dabei lassen sich auch immer viele Bezüge zur belgisch-niederländischen Kunst finden wie beispielsweise den flämischen Primitiven. Das Stück »Moeder« ist nach »Vader« der zweite Teil einer Trilogie, die mit »Kinderen« enden wird. Zuschauern wird nicht nur beste Unterhaltung mit viel Akrobatik geboten, es gibt auch einige ungeahnte Bezüge zwischen Kunst und Leben zu entdecken. Menschen erstarren zu tableaux vivants oder die Kunstwerke entpuppen sich plötzlich als erstaunlich lebendig.

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Foto: Copyright Herman Sorgeloos

Wege in die Abstraktion

Im 19. Jahrhundert findet eine grundlegende Veränderung in der Malerei statt: Viele Künstler verlassen den gegenständlichen Malstil und wenden sich der Abstraktion zu. Oft ist diese Veränderung mit der Erfindung der Fotografie in Zusammenhang gebracht worden. Doch es gibt auch Wissenschaftler, die die Gründe vor allen Dingen bei einer veränderten Weltanschauung zu finden glauben.

Gerade ist diese Zeit wieder Gegenstand aktueller Kunst- und Theaterproduktionen. Eine Multimedia-Ausstellung in Berlin zeigt die unterschiedlichen Stile in der Malerei von Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts, die Ruhrtriennale inszeniert Dramen des Naturalismus und Symbolismus und eine Ausstellung in der Galerie Ludorff in Düsseldorf zeigt abstrakte Positionen, angefangen bei dem Bauhaus-Künstler Josef Albers bis in die Gegenwart. Die Wege in die Abstraktion lassen sich gut nachvollziehen.

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Foto: Szene aus Trilogie meiner Familie, aufgeführt im Rahmen der Ruhrtriennale. Regie: Luc Perceval, Foto: ©Armin Smailovic

Gerhard Richter: Die Editionen

Grundlage in Die Editionen sind Bearbeitungen von Fotografien, Drucken, Objekten, Gemälden oder Künstlerbüchern. Dabei lotet Gerhard Richter immer wieder die Schwelle dessen aus, was ein Bild zum Original und Werk macht. Welche Farbkombinationen sind ästhetisch reizvoll? Wie viel Zufall steckt in einer Komposition? Wann entsteht ein Werk, auf das sich das Urheberrecht beanspruchen lässt? In diesem Bemühen überschreitet er oft die Grenze zum Absurden. Da wirkt es nur passend, dass Richters Die Editionen potentielle Inspiration gleichermaßen für Künstler wie auch jeden Selfie-Fotografen zu sein scheinen.

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Inspirationsquelle Hieronymus Bosch

Warum beeinflusst die Inspirationsquelle Hieronymus Bosch immer noch aktuelle Kunstproduktionen? Bereits zu Lebzeiten war der Einfluss des Malers enorm. Er steht für einen Wendepunkt in der Kunst und hat viele seiner Zeitgenossen und Nachfolger maßgeblich beeinflusst. 500 Jahre nach seinem Tod gehört er immer noch zu den Malern, deren Bilder am häufigsten kopiert und gefälscht wurden.

Heute beziehen sich sogar Künstler aus dem Bereich Tanz und Performance wie Peeping Tom, Claire Cunningham oder Arnon Grünberg und Wunderbaum in ihren Produktionen auf die Gemälde Hieronymus Boschs. Ihre Stücke waren im Rahmen von Tanz im August und der Ruhrtriennale zu sehen.

Die ausführliche Analyse: portalkunstgeschichte.de 

Der Schatten der Avantgarde

Mit dem Begriff ’naive Kunst‘, ‚outsider art‘ oder ‚art brut‘ werden Werke von Künstlern bezeichnet, die nicht Teil des etablierten Kunstbetriebs sind. Das Museum Folkwang stellt im Rahmen der Ausstellung Der Schatten der Avantgarde erstmals dreizehn dieser Autodidakten vor. Von ihnen ist es nur Henri Rousseau gelungen, anerkannter Teil der professionellen Szene zu werden. Das Bild oben zeigt sein Gemälde „Le lion ayant faim, se jette sur l’antilope“, das in den Jahren 1898/1905 entstanden ist.

Die Werke der meisten Autodidakten weisen viel Ähnlichkeit mit bekannten Avantgarde-Künstlern des 20. Jahrhunderts wie Pablo Picasso, Constantin Brancusi, Paul Gauguin, Emil Nolde oder Max Ernst auf und haben sie zum Teil nachweislich beeinflusst.

Die ausführliche Besprechung: portalkunstgeschichte.de 

Interview mit Falk Wolf, einem Kurator der Ausstellung:

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Cover Video "Der Schatten der Avantgarde" im Museum Folkwang

Faszination für das Ungewöhnliche

In eine Wunderkammer gehören besondere Gegenstände. Wie zum Beispiel der Stoßzahn eines Narwales, der lange für ein Einhorn gehalten wurde. Oder auch Kunstwerke, Mineralien, ausgestopfte Tiere und der Pokal mit Kannibalen, den Alexander von Humboldt von einer Weltreise mitgebracht hat.

Erste Wunderkammern wurden im 14. Jahrhundert eingerichtet, überwiegend von Fürsten. Bis heute gelten Wunderkammern als Vorläufer moderner Museen. In Berlin bleibt die alte Tradition der Faszination für das Ungewöhnliche dauerhaft lebendig.

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Das Video zeigt Bilder der Ausstellung im Museum Folkwang:

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Cover Video Ausstellung "Gediegenes und Kurioses" im Museum Folkwang

Multimedia-Ausstellungen

Sowohl Artplay Media als auch das Google Cultural Institute haben Multimedia-Ausstellungen zu bekannten Gemälden entwickelt. Artplay Media animiert in Berlin Szenen aus Hieronymus Boschs berühmten Gemälden. Die Ausstellung Bosch. Visions Alive lässt die berühmten grotestk-fantastischen Bildwelten  lebendig werden und bringt sie dem Publikum zum Greifen nahe. Im Museum of Fine Arts in Brüssel werden in Zusammenarbeit mit dem Google Cultural Institute die Werke von Pieter Breugel d.Ä. in brillanten Farben sichtbar. Viele oft übersehene Details können hier extrem vergrößert und in beeindruckender Qualität studiert werden.

Ausführliche Besprechung bei portalkunstgeschichte.de

The Dog’s Notes

Sie sind überwiegend aus schwarz-glänzendem Material, die Hundeskulpturen des auf der Insel Taiwan lebenden und arbeitenden Künstlers Poren Huang. Damit bilden die in The Dog’s Notes ausgestellten Hunde ihr Vorbild in entscheidender Hinsicht realitätsgetreu nach: den Taiwanhund, der besonders oft über ein schwarzes Fell verfügt. In Taiwan ist der Hund seit Jahrhunderten ein treuer Begleiter der Menschen. Poren Huang porträtiert in seinen Skulpturen auf sehr humorvolle Weise typische Verhaltensweisen von Hund und Mensch, die durch die reduzierte Darstellungsweise viel Ähnlichkeit mit Comic- oder Spielzeugfiguren aufweisen.

"The Dog's Notes" von Poren HuangHunde haben in Asien generell eine besondere Bedeutung. Der Hund ist beispielsweise ein Tier des traditionellen chinesischen Kalenders, dem mit dem Attribut ‚treu’ eine eindeutig positive Eigenschaft zugewiesen wird. Dem unerschütterlich treuen Hund Hachikō, einem japanischen ‚Akita‘, ist sogar in Form des gleichnamigen Films mit Richard Gere in der Hauptrolle ein Denkmal gesetzt worden. Hachikō weist genauso wie der Taiwanhund mit dem dreieckigen Kopf und der sichelförmigen Rute viel Ähnlichkeit mit dem Urtyp auf und ähnelt insofern auch sehr den Hundeskulpturen, die Poren Huang herstellt. Während es sich bei japanischen ‚Akita‘ um eine sehr alte Rasse handelt, ist der Taiwanhund erst im Jahr 2015 offiziell als eigenständige Hunderasse anerkannt worden. Als Jagdhund war er Jahrhunderte lang ein treuer Begleiter der Menschen auf der Insel Taiwan, die bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts noch vorwiegend landwirtschaftlich geprägt war. Nutztiere, die den Menschen bei der Bewältigung des Alltags behilflich waren wie etwa auch Rinder sind in Asien von je her ein beliebtes künstlerisches Motiv, erklärt Art-Manager Oscar Chan im Interview (das ganze Interview befindet sich in Video-Form am Ende des Artikels).

Generell war Kunst in China von je her an Alltägliches und den Begriff ‚yi‘ gebunden. Er bezeichnet ‚Kunstfertigkeit, Geschicklichkeit, Tüchtigkeit und Handwerk‘ und lässt sich etymologisch von dem Begriff für die Bearbeitung und Bepflanzung eines Feldes und der erfolgreichen Kultivierung herleiten. Bereits Konfuzius diente die Kunst zur ‚Ergötzung‘ und hatte eine wichtige ethische Funktion, wie Helmut Brinker, Professor für die Kunstgeschichte Ostasiens an der Universität Zürich, erklärt:

Sie ist gleichsam das Instrument zur Vervollkommnung des eigenen Charakters und trägt insofern zur Festigung der Kardinaltugenden bei, zur Realisierung des humanistischen Ideals

"The Dog's Notes" von Poren HuangLange Zeit fanden Plastiken in China wenig Beachtung, Kunst war vor allen Dingen an das Malen und Schreiben gebunden. Plastiken wurden lange Zeit ausschließlich als Grabbeigaben verwendet und waren damit für Sammler und die Öffentlichkeit uninteressant. Als beachtenswert galten allerdings gemäß Helmut Brinker die Bronzeplastiken aus vorchristlicher Frühzeit, da sie als „Träger authentischer Werte und ethischer Vorstellungen berühmter ehemaliger Besitzer“ verstanden wurden.

So humorvoll und unbeschwert die Skulpturen aus Bronze von Poren Huang überwiegend wirken, meist portraitieren sie nicht nur typische Verhaltensweisen des Hundes, sondern auch des Menschen. Die Familie des Künstlers züchtet den Taiwanhund bereits seit vielen Jahren. Er beschreibt das besondere Verhältnis von Mensch und Hund folgendermaßen:

Seit Beginn der Zivilisation, haben Mensch und Hund ein sehr enges Verhältnis zueinander. Um mit den Menschen möglichst reibungslos zusammen leben zu können, sind Hunde lange Zeit dazu erzogen worden, sich den Menschen anzupassen. Hunde haben viele großartige Eigenschaften, aber die Menschen lernen selten von ihrem treuesten Begleiter

"The Dog's Notes" von Poren HuangDie glänzenden Hunde sind zwar idealisiert, aber dennoch in Haltung und Bewegungen sehr lebensecht nachgebildet. Sie schauen ihren Betrachter erwartungsvoll an, fast so, als wollten sie gleich loslaufen, heben sichtlich gestresst das Bein oder gucken ein wenig enttäuscht, aber doch irgendwie erwartungsvoll, in den leeren Napf. Deutlich stärker scheinen Hunde mit Teufelsohren und menschlichem Gesicht oder mit wütend in den Himmel gereckten Riesenpranken karikaturenhaft an ihre eigene, weniger brave, Seite und gleichzeitig auch die ihrer Besitzer zu erinnern.

"The Dog's Notes" von Poren HuangDie Herstellung der Plastiken aus den Grundmaterialien Bronze oder Stahl, die dann später mit Überzügen und Farben versehen werden, ist sehr aufwendig. Poren Huang hat für etwa 40 Hundeskulpturen rund 10 Jahre gebraucht. In der Galerie aquabitArt werden Handschuhe verteilt, mit denen sich die genaue Beschaffenheit der überwiegend fröhlichen Hunde auch haptisch genau erkunden lässt. Wie in der traditionellen asiatischen Kunst ist auch für Poren Huang eine möglichst große Nähe zwischen Mensch und Kunstwerk sehr wichtig. Ebenso wichtig, wie das Bestreben, den Betrachter mit einem möglichst positiven Gefühl zurück zu lassen:

Das schnelle Wirtschaftswachstum und die technische Entwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben den Menschen eine deutlich bessere Lebensqualität beschert, aber auch einen Verfall ethischer Werte. Aus Egoismus verfeinden sich viele Menschen sehr schnell mit ihren Liebsten. Außerdem sind Menschen heute weniger stressresistent und die Zahl derer, die depressiv, manisch-depressiv oder generell psychisch labil sind, hat deutlich zugenommen. Die meisten Menschen sind heute deutlich wohlhabender, aber wesentlich weniger glücklich und zufrieden mit ihrem Leben als früher, als sie noch in Armut lebten oder Kriege erleiden mussten

Die Plastiken sollen ihre Betrachter mahnend an die guten Eigenschaften der Hunde erinnern und ihnen außerdem Nähe, Unbeschwertheit und Freude vermitteln, ganz gemäß des Mottos, das einer goldenen Hundeskulptur den Namen gibt: „Every Day is a New Start“.

Die Hundeskulpturen von Poren Huang können dauerhaft in der Galerie aquabitArt in Berlin-Mitte in Augenschein genommen werden: www.art.aquabit.com

Hier geht es zum Video zur Ausstellung bei Vimeo

Zeitsprünge

Klaus Fußmann gehört zu den Künstlern der Gegenwart, die eher figürlich malen. Aus Sicht des Direktors des Museum am Ostwall in Dortmund, Ingo Bartsch, ist diese Malweise inzwischen selten geworden. Deswegen hat er Klaus Fußmann die Ausstellung „Zeitsprünge“ in seinem Haus gewidmet.

Der Beitrag ist im Ausbildungsradio funkbude ausgestrahlt worden

Höchstgebot

Bei einer Auktion geht in Höchstgebot von Thomas Hoeps und Jac. Toes unerwartet eine Version des Bildes Scheherezade von René Magritte für die Rekordsumme von 43 Millionen Euro an einen anonymen Bieter. Der Kunstexperte Robert Patati, ein Bekannter der Eigentümerfamilie, hat das Gemälde begutachtet und weiß, dass es wertvoll ist:

Wegen seiner herausragenden Qualität, weil nur drei aller anderen Scheherezade-Versionen in Öl gemalt waren und weil es das war, was die Auktionatoren mit leuchtenden Augen >jungfräulich< nannten – ein Bild, das niemals wirklich auf dem Markt zu haben gewesen war

Wegen der Finanzmarkt-Krise rechnet Robert Patati mit einem hohen Verkaufspreis, denn seiner Erfahrung nach flüchten sich viele den klassischen Anlagen misstrauende Investoren in Kunst als Geldanlage. Dieser Rekordverkaufspreis übersteigt jedoch auch die kühnsten Erwartungen und auf der Auktion wird Geschichte geschrieben, denn das Bild ist nun das teuerste Gemälde René Magrittes und der Maler schnellt auf der Liste der Auktionsweltrekorde um zwanzig Listenplätze nach vorne unter die Top-Ten.

Im Folgenden überschlagen sich die Ereignisse: Das Gemälde wird trotz größter Sicherheitsvorkehrungen auf dem Transport zu dem neuen Eigentümer in den Niederlanden gestohlen. Robert Patati, der Teil des Sicherheits-Konvois ist, verfolgt die Diebe, kann an einem Bahnübergang in Maastricht die Schienen mit seinem Auto nicht mehr rechtzeitig verlassen und verursacht ein Zugunglück mit vielen Verletzten. Obwohl er den Kamerateams vor Ort und der Polizei gegenüber immer wieder auf den Diebstahl des Gemäldes hinweist, hält ihn die Polizei für einen Terroristen, der das Zugunglück absichtlich herbei geführt hat.

Fast zur selben Zeit gibt es einen Brand bei der Roeder AG in Aachen, deren Eigentümer die Familie ist, der die Scheherezade von René Magritte zuvor gehört hat. Der Tod einer leitenden Wissenschaftlerin in den Flammen und der Materialschaden drohen die Existenz der Firma  zu zerstören:

Die Stahljalousien hingen verformt  vor den Fenstern. Ein paar Lichtstreifen fielen auf zwei Netzwerk- und Serverschränke, die mitten im Zimmer aufgestellt waren. Sie waren leer. Hier waren also die Firmendaten aufbewahrt worden. Vermutlich hatte man die Überreste der Server schon gesichert. Die Montageschienen, Kabelführungen und Lüftereinheiten waren geradezu zerbröselt. Kaum vorstellbar, dass diese Hitze nicht auch die auf den Servern gespeicherten Kronjuwelen des Labors selbst vernichtet hatte

Die Ermittler aus Deutschland und den Niederlanden finden heraus, dass der Käufer des Bildes Eigentümer einer Firma ist, die auf einem ähnlichen Gebiet wie die Roeder AG arbeitet: der Robotik. Handeln die beiden Firmen womöglich nur zum Schein mit Kunst?

Höchstgebot ist bereits die dritte Co-Produktion des deutschen Autors Thomas Hopes und des Niederländers Jac. Toes, der zeitgleich mit der deutschen Veröffentlichung unter dem Titel Het boogste bod auch auf niederländisch erschienen ist. Für ihren ersten gemeinsamen Krimi sind Thomas Hoeps und Jac. Toes für den niederländischen Krimipreis Gouden Strop nominiert worden. Mit Höchstgebot ist ihnen wieder ein sehr lesenswerter Krimi gelungen, in dem neben dem spannenden Kriminalfall auch die deutsche und niederländisch Mentalität immer wieder das zentrale Thema ist.