Irgendwann passiert alles von allein

Buchcover "Irgendwann passiert alles von allein"

Das Leben von Johannes, dem Ich-Erzähler, und seinen Kumpels Sam, Leo und Schenz findet im Wesentlichen an der Halfpipe statt, wo sie Skaten. Manchmal trinken sie Alkohol, kiffen oder spielen mit ihrer Playstation. Sie sind ungefähr 16 oder 17 Jahre alt und die sportlichen Herausforderungen des Skatens überfordern sie manchmal:

Mit dem linken Fuß schob er dreimal kräftig an und rollte auf einen kniehohen Betonblock zu, auf dessen Oberseite eine Metallstange eingefasst war. Doch anstatt, wie eigentlich geplant, kurz vor dem Block sein Brett mit einer schnellen Bewegung in der Luft quer zu stellen und auf der Stange entlang zu rutschen, passierte etwas anderes: Sam drehte sein Brett zu früh

Die Höhepunkte ihres Lebens bestehen aus mühsam zusammen gesparten Restaurant-Besuchen beim Italiener, dem Playboy, den sie als einziges Verlagserzeugnis einigermaßen regelmäßig erstehen und den Details aus dem Liebesleben von Schenz, der als einziger der vier eine feste Freundin hat, zum Leidwesen der drei anderen:

Die Vorstadt mit ihren weiten Wegen, den Reihenhäusern, den Vorgärten und den ganzen Untoten, die darin lebten, war wirklich unerträglich. Ich meine, in einem Film, nicht jetzt >Terminator< oder so was, sondern in einem normalen Film, passiert etwas, aber in der Vorstadt passierte überhaupt nichts. Und weil das so ist, fühlt sich ein guter Film manchmal mehr nach Leben an als die Realität…

Irgendwann wird Leo dabei erwischt, wie er einem Mitschüler auf dem Pausenhof Drogen verkauft. Er fliegt von der Schule und kann sich auch zu Hause nicht mehr blicken lassen. Seitdem hat er kein festes Dach über dem Kopf, schläft mal bei Freunden oder draußen unter freiem Himmel:

Und seitdem hatte er sich alle Attitüden eines echten Rebellen zugelegt. Seine Schritte waren breit und kräftig und behielten, auch wenn er schnell ging, etwas Würdevolles. Ich wusste nicht, wie er das machte, aber er sah einfach gut aus, wenn er ging

Die vier erreichen Gerüchte über ein leer stehendes Haus in der Nähe und sie beschließen, es sich einmal anzusehen. Es gelingt ihnen, durch den Garten hinein zu kommen. Dort finden sie zunächst ein paar hundert Euro, später noch mehrere tausend Euro. Sie investieren das Geld in Pizzen, Drogen und Alkohol, das sie mit alten Hundertmark-Scheinen bezahlen. Schließlich versucht Leo, das Geld als Startkapital für seine Karriere als Drogendealer zu verwenden, in den auch die anderen mit einsteigen sollen. Insgesamt gibt ihnen das Geld ein ganz neues Selbstvertrauen. Der Alkohol- und Drogenkonsum steigt und die Dinge eskalieren immer mehr, bis einer der Jungen tot ist, ein anderer in der Psychiatrie landet und ein weiterer verhaftet wird, als er dreizehnjährigen Drogen verkaufen will.

Philipp Mattheis macht die Perspektivlosigkeit, die Langeweile und den Realitätsverlust der Teenager in vielen Schritten nachvollziehbar. Irgendwann ‘passiert alles von allein’ und ist von den vieren selbst nicht mehr zu stoppen.

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