Juicy Beats Festival

Das Juicy Beats Festival lockt jeden Sommer Top-Acts in das Ruhrgebiet. Im Dortmunder Westfalenpark bespielen Bands und DJs gleich mehrere Bühnen. Obwohl das Festival mittlerweile auch Künstler aus der ganzen Welt anzieht, sind auch immer einige aus der Region mit dabei. Neben toller Musik erwartet Besucher auf dem Festivalgelände neben leckerem Essen auch Spiel und Spaß.

Foto: ©H&H Photographics

Der Beitrag ist im Ausbildungsradio funkbude ausgestrahlt worden

Medienkunst aus Japan

Anlässlich der hundertfünfzig-jährigen deutsch-japanischen Freundschaft war einer der Schwerpunkte des European Media Art Festival (EMAF) 2011 Medienkunst aus Japan. Machiko Kusahara, Professorin an der Waseda-Universität und Gast-Dozentin an der UCLA, hat im Rahmen eines Vortrags einige bedeutende Strömungen der japanischen Kunstszene vorgestellt.

Laut Machiko Kusahara ist bemerkenswert, dass die japanische Bezeichnung für ‚bildende Kunst‘ erst mit der Öffnung zur westlichen Kultur im 19. Jahrhundert aufgetreten ist. Japan sei ein Sonderfall, die japanische Kunstszene habe sich vorher weitestgehend unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. Wenn auch das westliche Kunstverständnis in Japan früher unbekannt gewesen sei, habe der ästhetische Gedanke im Alltag der japanischen Kultur trotzdem eine große Rolle gespielt, aber eher in Form von Haiku, Bonsai-Gartenkunst, Blumenarrangements, bemalten Schiebetüren oder etwa bei einem Kartenspiel, das auf mittelalterlichen Kurzgedichten mit Illustrationen beruht habe.

Einer der bekanntesten japanischen Medienkünstler Japans der Gegenwart sei Nobumichi Tosa. Unter dem Namen Maywa Denki entwickelt er beispielsweise Roboter-Instrumente und komponiert mit ihnen Musik oder Verlängerungsschnüre in der Form des Skeletts eines Fisches, eine Armbanduhr mit Telefondrehscheibe, mit der man die Zeitansage anrufen kann sowie neben vielen anderen Dingen einen ‚lachenden Roboter‘. Der ‚lachende Robote‘ sei insofern etwas Besonderes, da er keinerlei praktische Funktion habe. Im Allgemeinen hätte japanische Medienkunst neben einem außergewöhnlichen Design eine Funktion und sei eng mit der Industrie und der Massenkultur verwoben. Westliche Künstler wie der Franzose Marcel Duchamps, der auf einer Ausstellung in Japan mit nutzlosen bunten Schallplatten vertreten war, konnten in Japan kaum Käufer finden.

Medienkunst aus Japan: Ausstellung im Rahmen des emaf

Westliche Einflüsse seien in Japan aber an einigen Stellen im 20. Jahrhundert deutlich erkennbar beispielsweise habe einer der bedeutendsten Manga-Zeichner Osamu Tezuka eine Version des Fritz-Lang-Films Metropolis als Comic-Film realisiert. Die heutige japanische Medienkunst stehe im Wesentlichen in der Tradition etwa von Akira Kanayama, der 1957 Bilder mit ferngesteuerten kleinen Autos angefertigt habe, die mit Tinte Linien auf das Blatt gefahren beziehungsweise gemalt hätten, oder der Künstlerin Atsuko Tanaka, die 1955 Glocken in einem Galerieraum angeordnet habe und die von den Besuchern mit Hilfe eines Klingelknopfes zum Klirren gebracht werden konnten. Die fünfziger und sechziger Jahre seien auch sehr durch die Gruppe Jikken Kobo geprägt worden, die mit ihren experimentellen Workshops die japanische Performance-Kunstszene begründet hätten. Die Arbeit der Künstler von Jikken Kobo sei auch sehr prägend für die Film-Avantgarde der Nachkriegszeit gewesen, besonders erwähnenswert sei der Film Giurin (Silver Wheels) von Toshio Matsumoto und die Arbeiten des Video-Künstlers Fujiko Nayaka. Yoshiharu Tsuge habe mit Neijishiki eine der bedeutendsten Arbeiten des alternativen Manga geschaffen, dessen Geschichte auch verfilmt worden sei. Bedeutende Künstler dieser Zeit seien darüber hinaus Katsuhiro Yamaguchi, Namjune Paik und Yoko Ono. In den sechziger und siebzieger Jahren des letzten Jahrhunderts sei die japanische Kunstszene besonders aktiv gewesen.

Seit 1983 Nintendo Famicom auf den Markt gebracht habe, beworben als ‚Entertainment-Konsole‘, sei die japanische Kunstszene eng an die Computerindustrie geknüpft. Künstler und Designer entwickelten mit Computerspezialisten Spiele und sonstige Anwendungen. Kunst sei in Japan ein Alltagsprodukt für jeden und häufig auch Entertainment. Es gebe viele kunstvoll designte Alltagsgegenstände wie beispielsweise Kopfhörer in Form einer Banane, verzierte USB-Sticks oder Lunchboxes.

Für die jetzige Kunstszene bedeutende Künstler seien etwa Masaki Fujihata oder Yoichiro Kawaguchi. Ein weiteres Beispiel für die Verknüpfung von Technik und Kunst sei die Firma PetWORKs von Kazuhiko Hachiya, der neben Projekten wie einem Mailing-Dienst mit computeranimierten kleinen Figuren auch die Flug-Maschine Open Sky verwirklicht hat. Tenori-on sei ein sehr populäres Videospiel, das der Künstler Toshio Iwai entwickelt habe. Ryuichi Sakamoto sei sehr einflussreich auf die Avantgarde-Musikbewegung und die Kunstszene überhaupt in Japans.

Ein weiterer wichtiger Vertreter der japanischen Kunstszene, Ryoto Kuwakubo, hat im Rahmen der diesjährigen Ausstellungsreihe des EMAF  The Tenth Sentiment gezeigt. Dabei schängelt sich eine Modelleisenbahn, an die eine Lichtquelle angebracht worden ist, durch den mit verschiedenen Gegenständen bestückten Ausstellungsraum und projiziert tanzende, sich bei der Fahrt des Modellzuges ständig verändernde Schatten an die Wand. Erinnert fühlen darf sich der Zuschauer dabei an die Schattenaufnahmetechniken der Laterna Magica aus dem 17. Jahrhundert und die Experimente des ungarischen Fotografen, Malers und Kunstlehrers László Moholy-Nagy. Außerdem ist die Fahrt der Bahn nach Ansicht von Machiko Kusahara eine Form von mitate-e – ein in der japanischen Kunst gebräuchliches Stilmittel, eine Sprache des Sehens und der Interpretation, die ermöglicht, etwas anderes und ungewöhnliches hinter den Gegenständen erkennen.

Medienkunst aus Japan: Buchcover "Hybridkultur" von Yvonne Spielmann

Yvonne Spielmann hat die zeitgenössische japanische Kunst in ihrem Buch Hybridkulturir.gif wissenschaftliche betrachtet. Sie ist Research Professor und Chair of New Media an der University of the West of Scotland. Unter dem Eindruck, dass „auf internationalen Ausstellungen und Festivals, die sich in den neunziger Jahren verstärkt den seinerzeit „neuen“ interaktiven und virtuellen Medienanwendungen, dreidimensionalen Computeranimationen, Netzwerkkünsten, Cyberspace- und Internetprojekten zuwandten, unter der Vielfalt der Arbeiten vor allem die ästhetisch-technischen Beispiele aus Japan herausragten“, hat sie die neuen Medien an der „Schnittstelle von Ästhetik und Technologie“ untersucht. In dem Buch werden globale Trends aber auch kulturelle Besonderheiten wie etwa der Einfluss des Buddhismus auf die japanische Kultur und damit auch auf die Kunst weltweit nachvollziehbar.

Interview Margaret Hunter

Nach dem Fall der Berliner Mauer haben im Jahr 1990 Künstler begonnen, die Mauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof mit Gemälden zu versehen. Mittlerweile ist die Berliner East Side Gallery nicht nur ein großes Kunstwerk, sondern das längste noch erhaltene Stück der Mauer, die früher Berlin teilte. Die schottische Künstlerin Margaret Hunter ist eine der Künstlerinnen der Berliner East Side Gallery. Die Galerie-Version ihres Mauerbildes von 1990 wird jetzt mit anderen Werken in der Galerie aquabitArt in Berlin gezeigt.

Wie kam es, dass Sie 1990 in Berlin waren und was hat Sie dazu bewegt, ein Bild an der Berliner East Side Gallery zu malen?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryIch bin 1985 nach Abschluss meines Studiums nach Berlin gekommen, um bei Georg Baselitz an der Universität der Künste zu arbeiten. Ich habe dann in Berlin meinen Mann kennen gelernt und bin jahrelang zwischen der Familie und dem künstlerischen Leben in Berlin und der Lehre an der Universität und den Ausstellungen in Schottland hin und her gependelt. 1990 bin ich zusammen mit vielen anderen Künstlern aus Ost und West eingeladen worden, ein Kunstwerk auf die zumindest im Ostteil Berlins früher unberührbare und verbotene Mauer zu malen. Es war ein Moment der Befreiung. Die Berliner Mauer war das Symbol des ‚Eisernen Vorhangs‘ und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, an diesem historischen Vorgang beteiligt sein zu dürfen. Es war eine sehr interessante und euphorische Zeit, tausende von Touristen sind herbei geströmt, um uns malen zu sehen und es gab sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Medien. Aber natürlich habe ich von Zeit zu Zeit an die Bedeutung dieser Malaktion gedacht, daran, dass es noch gar nicht lange her war, dass der letzte junge Mann bei dem Versuch, diese Mauer zu überwinden, umgebracht worden ist. Es gab also auch schmerzliche Momente.

Gibt es für Sie als Schottin eine besondere Beziehung zu Berlin oder insgesamt zu Deutschland?

Mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten hat mich nach Berlin gebracht. Wenn er in Amsterdam oder Paris gearbeitet hätte, wäre ich dort hin gegangen. Das hätte ich getan, sogar obwohl meine Schwester damals auch schon zum Arbeiten nach Frankfurt gezogen ist. Sie lebt immer noch in Deutschland und wir sind jetzt beide seit vielen Jahren hier.

Die spannende und kantige Stimmung des geteilten Berlin hat ganz sicher immer Einfluss auf meine Arbeit gehabt und es hat mein ganzes zwischen Schottland und Berlin geteiltes Leben begleitet.

Ihr Bild Joint Venture/re:STATEMENT hat etwas sehr Ursprüngliches, es erinnert ein bisschen an Höhlenmalerei. Auch die Skulpturen haben etwas von den Jahrtausende alten Kultstatuen, die einfache Menschen besaßen. Ist das auch aus Ihrer Sicht ein entscheidendes Merkmal für Ihre Kunst und warum?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryJa. Als Kind war habe ich einige Zeit in Nigeria verbracht, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Ich glaube, mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten, der eine bedeutende Kollektion afrikanischer Kunst besitzt, war ein Schritt in Richtung der Erinnerungen aus meiner Zeit in Afrika. Besonders zu den Stammesmarkierungen auf den Gesichtern der Menschen… Zeichen ihrer Identität.

Mir haben vor allen Dingen die Gemälde von Georg Baselitz sehr gut gefallen, auf denen einzelne Figuren dargestellt werden. Ich wollte eine solche Stärke und Direktheit auch in meiner eigenen Arbeit ausdrücken und so haben meine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen die Tendenz, auf das Essentielle reduziert zu sein. Der augenscheinliche Zweck und Nutzen hat mich auch immer an afrikanischer Kunst interessiert… Etwas, was ich in meiner eigenen Arbeit haben möchte. Wenn ich die Skulpturen herstelle, dann beginne ich mit der Kettensäge, wobei manchmal raue Stellen entstehen. Ich höre immer wieder zwischendurch auf, um zu meißeln. Das geht in einer Geschwindigkeit, die eher zu meinem Denken passt!

Wie kam es zu dem Dialog zwischen Ihnen und den Besuchern der East Side Gallery und wie ist die Entscheidung gereift, die Anregungen der Besucher in eine ‚Neufassung‘ von Joint Venture/re:STATEMENT zu integrieren? 

Ich habe eine Replik meines East Side Gallery Bildes angefertigt. Es war 2009 mein Beitrag für eine Ausstellung an der ich teilgenommen habe, die das Thema ’20 Jahre nach dem Mauerfall‘ hatte und im Kunstraum Potsdam statt gefunden hat.

Ich habe die Galerie-Version von Joint Venture/re:STATEMENT in meinem Atelier gemalt. Die Situation war ganz anders als 1990, besonders weil ich in einem geschlossenen Raum gearbeitet habe und es Zeit gab, über die dazwischen liegenden zwanzig Jahre nachzudenken.

In diesen zwanzig Jahren gab es einen immer währenden Dialog mit den anonymen Besuchern, die in Form von Graffitis auf dem Bild Kommentare hinterlassen haben. Ich habe die Graffitis viele Male übermalt und es hat mein Leben zwanzig Jahre lang begleitet. Ich bin schließlich auf die Idee gekommen, die Galerie-Version zu einem interaktiven Stück zu machen und es so noch mehr mit dem Gemälde auf der Mauer der East Side Gallery zu verbinden. Ich habe die Besucher auf der Vernissage im Kunstraum Potsdam eingeladen, ihre Gedanken auf meinem Bild zu hinterlassen. Mir ist es so vorgekommen, dass die ‚Neue Darstellung‘, was ‚RESTATEMENT‘ übersetzt bedeutet, so vollständig war.

Welche Rolle spielen die Anregungen der Rezipienten für Sie und Ihre Kunst?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryEs ist eindeutig ein großes Risiko, andere Leute zu bitten, auf mein Bild zu schreiben. Es hätte komplett zerstört werden können. Aber da ich mich dafür entschieden hatte, war das ein Risiko, das ich in Kauf nehmen musste. Außerdem hat es in einer Galerie statt gefunden und ich war die meiste Zeit über selbst anwesend. Es gab von Seiten der Besucher großen Respekt für das Gemälde und ich glaube, die Besucher haben sich sogar geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen. Ich habe sehr viel Arbeit in dieses Bild gesteckt, habe viel mit überlappenden Farben gearbeitet, was ihm aus meiner Sicht die Ähnlichkeit mit Höhlenmalereien verleiht, die Sie bereits angesprochen haben. Ich habe nicht bewusst darauf hin gearbeitet, sondern hatte eher die Vorstellung, dass die Farb-Schichten ein Gefühl von Zeit und Geschichte vermitteln würden. Das Gemälde ist später in der Royal Scottish Academy gezeigt worden, eine der führenden Institutionen in Schottland. Die Räumlichkeiten sind dort sehr edel und die Besucher haben das Bild aus einer größeren Distanz heraus betrachten müssen, so dass sie wenig von den Worten auf der Oberfläche des Bildes erkennen konnten.

East Side Gallery, BerlinDer Unterschied zwischen der Präsentation des Bildes in der Royal Scottish Adademy und der in dem Raum der aquabitArt-Galerie ist enorm. Das Gemälde konnte nicht am Stück aufgehängt werden, sondern musste über Eck aufgehängt werden, ein Teil an einer Wand, der andere an der anderen. Das lädt die Besucher ‚in das Bild ein‘, sie sind von ihm umgeben und können von ganz nah alle Details erkennen. Diese Anordnung des Gemäldes ist ein weiterer Versuch, den Besucher in das Werk mit einzubinden. Früher habe ich oft mit Holz-Brettern gearbeitet, auf die ich viele Farbschichten aufgetragen habe, um dann hinein kratzen zu können und ‚die Geschichte‘ darunter frei legen zu können. In der auquabitArt-Ausstellung sind die ‚Schichten‘ einzeln dargestellt, Teile meiner Arbeit, und es ist Aufgabe des Besuchers, zwischen den einzelnen Skulpturen und Bildern einen Zusammenhang herzustellen oder auch nicht. Die schweren kohlschwarzen Skizzen auf den Bildern könnte man als Grundrisse der Skulpturen verstehen, die aus dem großen Bild herausgetreten sind. Die Skulpturen sehen so aus. Eine weitere ‚Schicht‘ bilden die kleinen kratzigen Tuschezeichnungen…

Seitdem ich die Ausstellung noch vor der Eröffnung zum ersten Mal gesehen habe, spreche ich mit einem Choreografen über eine dazugehörige Tanz-Performance, die ein Video meines großen Gemäldes und einer Skulptur aus einer Ausstellung namens Holding Hope beinhaltet. Ich finde die Aussicht auf weitere ‚Schichten‘ von Bedeutungen durch Bewegung/Stillstand, Lichtgebung, Schatten, Ton und so weiter sehr spannend.

Sie haben auch als Dozentin am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art gearbeitet. Gibt es irgend etwas, was Sie jungen bildenden Künstlern unbedingt mit auf ihren hoffentlich erfolgreichen Weg geben möchten?

Ich habe an beiden Kunstschulen als Gast-Dozentin gearbeitet. Es gibt so viele begabte Künstler und so wenige Möglichkeiten und Perspektiven für sie. Als erstes muss ein junger Künstler vollkommen aufrichtig und zielstrebig sein und außerdem einen unumstößlichen Glauben an die eigenen Ideen haben, sie dürfen sich nicht durch Zurückweisungen erschüttern lassen und sie brauchen Verwegenheit. Außerdem müssen sie ständig auf der Suche nach Gelegenheiten sein, ihre Arbeit zu zeigen oder an Projekten teil zu nehmen. Es ist dabei sehr wichtig, professionell zu sein und sie müssen begreifen, dass sie die geschäftliche Seite der Kunstwelt verstehen müssen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.art.aquabit.com und www.eastsidegallery-berlin.de