Black Rabbit Summer

Buchcover Black Rabbit Summer

Die drei Wochen seit Beginn der Ferien hat Pete Boland in Black Rabbit Summer von Kevin Brooks ausschließlich mit Nichtstun im Haus seiner Eltern verbracht. Irgendwie kann er sich zu nichts aufraffen und wundert sich darüber selbst ein bisschen:

Ich hatte keine Ahnung, woher meine Lethargie kam – und ich glaube, es interessierte mich auch nicht besonders -, doch in den ungefähr drei Wochen seit Schulende hatte ich offensichtlich die Gewohnheit angenommen, gar nichts zu tun, und es fiel mir schwer, von dieser Gewohnheit wieder loszukommen. Spätmorgens aufstehen, stundenlang zu Hause rumhängen, ein Weilchen in der Sonne sitzen … vielleicht ein Buch lesen, vielleicht auch nicht. Was spielte es für eine Rolle? So, wie ich es sah, würden die Tage und Nächte vergehen, egal ob ich irgendetwas tat oder nicht. Und genauso war es. Die Vormittage vergingen, die Nachmittage vergingen, die Abende wurden nach Sonnenuntergang zu Nächten … und ehe ich mich versah, lag ich wieder auf meinem Bett, starrte die Decke an und wunderte mich, wo der Tag geblieben war

Als er an einem Tag wieder auf seinem Bett vor sich hin starrt, klingelt das Telefon. Er hört, dass seine Mutter mit Nicole, einer alten Freundin, spricht und ihn schließlich zum Telefon ruft. Einen kurzen Moment überlegt er, den Ruf seiner Mutter einfach zu ignorieren, hält es dann aber für das kleinere Übel, doch zum Telefon zu gehen. Nicole lädt ihn zu einem letzten Treffen mit der alten Clique ein, die sich bereits seit einiger Zeit aus den Augen verloren hat. Erst soll es ein Treffen in einem früher einmal von ihnen selbst gebauten Unterschlupf im Gestrüpp geben, dann wollen alle auf die Kirmes in der Nähe gehen. Der Anruf löst bei Pete viele Erinnerungen aus:

In der Nacht konnte ich lange nicht einschlafen. Als ich im Bett lag und in die vom Mond erhellte Dunkelheit starrte, war mein Kopf derart voll mit Gedanken, dass ich sie geradezu aus meinem Schädel sickern spürte. Verschwitze Gedanken, klebrig und salzig, sie quollen mir aus Ohren, Mund und Haut

Er erinnert sich an Nicole und die ersten Annäherungsversuche. Er denkt auch an Raymond, den Sonderling, dessen zu Hause er von seinem Zimmer aus sehen kann. Zu ihm hat er nach wie vor immer wieder Kontakt, aber Raymond ist eigentlich überwiegend mit Black Rabbit, seinem schwarzen Kaninchen, beschäftigt.

Der gemeinsame Abend fängt normal an, sie trinken, kiffen und unterhalten sich ein bisschen zu fünft. Schließlich gehen sie getrennt auf die Kirmes. Auf der Suche nach Raymond begegnet Pete dort Stella Ross, die auch in seine Klasse gegangen ist und jetzt durch Auftritte in Werbe- und Musikvideos sowie erotische Fotos berühmt ist. Ein Kamerateam ist bei ihr, Bodyguards, ein regelrechtes Gefolge und Raymond. Pete mag Stella Ross nicht und ist sich sicher, dass sie Raymond nur benutzt, als sie ihn vor laufenden Kameras küsst.

Am nächsten Tag kommt in den Fernsehnachrichten die Meldung, dass Stalla Ross vermisst wird und die Polizei nach ihr sucht. Petes Vater ist Polizist und würde normalerweise in dem Fall ermitteln, ist aber schon nach kurzer Zeit suspendiert worden. Pete muss bei der Polizei aussagen. Er und die Anderen werden verdächtigt, mit dem Fall etwas zu tun zu haben. Zumal auch Raymond verschwunden bleibt.

Bereits der erste Roman von Kevin Brooks war ein überwältigender Erfolg. Mittlerweile ist er mehrfach mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet worden und bei seinen jungen Lesern in Deutschland so beliebt, dass ihm kürzlich der Lese-Hammer für iBoy verliehen worden ist. Black Rabbit Summer ist nicht nur ein psychologisch interessanter und spannender Thriller, der zeigt, wie schnell eine Auseinandersetzung in rohe Gewalt unschlagen kann. Spannend und mit viel sprachlichem Geschick zeigt Kevin Brooks seinen Lesern einige wohlgehütete Geheimnisse, Erpressungen, Psychoterror, fragwürdige mediale Berichterstattung, Drogenmissbrauch, Selbstmord. Zentral ist auch die schwierige Situation, in die Pete als Sohn eines Polizisten gerät, der neben den offiziellen Befragungen den Behörden immer wieder Tipps geben soll, sich damit überfordert fühlt und in Gewissenskonflikte gerät.

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