Crash – in falsche Leben

Buchcover "Crash - Ins falsche Leben"

Als der Protagonist in Crash – Ins falsche Leben von Martyn Bedford an diesem Morgen aufwacht, weiß er noch, dass er wohl irgendwie schlecht geträumt haben muss und fühlt sich körperlich unwohl:

Er ballte die Faust und öffnete sie wieder. Jetzt spürte er seine Hand wieder, aber der Arm fühlte sich immer noch schwer an, überhaupt waren alle seine Glieder und Gelenke bleischwer, und er hatte einen ekligen Geschmack im Mund. Wäre ja mal wieder typisch, wenn er sich gleich am ersten Wochenende der Weihnachtsferien etwas eingefangen hätte. Aber er fühlte sich nicht krank. Er fühlte sich … ach, keine Ahnung. Irgendwie neben der Spur

Daran, wie er nach Hause und ins Bett gekommen ist, erinnert er sich überhaupt nicht mehr. Auch das Zimmer, das er erblickt, als er die Augen aufschlägt, ist ihm völlig fremd. Als eine Frauenstimme zum wiederholten Male ‘Philip’ ruft und dass er endlich aufstehen soll, ist er sicher, dass er bei irgendeinem Freund übernachtet haben muss, den er eigentlich kaum kennt. Aber er ist ganz allein in dem fremden Zimmer und die Rufe der Frau werden immer lauter.

Auch auf seinem Weg durch das fremde Haus in die Richtung, aus der die Rufe kommen, begegnet er keinem anderen Jungen. Er torkelt die ganze Zeit wie ein Betrunkener und prallt auch wieder gegen den Türrahmen, als er die Küche betreten will. Eine weibliche Stimme kommentiert:

>Doktor Frankensteins Geschöpf …<“, die Stimme klang wie die Sprecherin in einer Fernsehdokumentation, >hatte Schwierigkeiten bei der Ausführung der einfachsten motorischen Abläufe, wie zum Beispiel geradeaus durch eine Tür zu gehen<

Alex ist es peinlich, dass er plötzlich in T-Shirt und Boxershorts vor dem etwa siebzehnjährigen Mädchen in schwarzen Gothic-Klamotten steht. Eine Antwort fällt ihm auch nicht ein. Als die fremde Frau, die sich außer dem Mädchen in der Küche aufhält, ihn begrüßt, als ob sie ihn kennen würde und nur noch auf ihn gewartet hätte, kann er sie nur wortlos anstarren.

Doch es hört und hört nicht auf. Alex sieht nicht mehr aus, wie er eigentlich aussieht, lebt in einer Familie, die er nicht kennt und muss eine Schule besuchen, die er noch nie betreten hat und wo ihm niemand bekannt vorkommt. Außerdem kann er mit niemandem über sein Problem sprechen. Immer, wenn er es zaghaft versucht, halten es die anderen für einen Scherz oder reagieren verärgert. Erst als er im Internet in das Suchfenster ‘Ich bin im Körper eines anderen aufgewacht‘ eingibt, findet er Foren, in denen Menschen Erfahrungen austauschen, die ihm bekannt vorkommen. Aber auch mit der Zeit kommt Alex im Körper von Philip einfach nicht zurecht und benimmt sich immer seltsamer.

Der Autor Martyn Bedford hat jahrelang als Journalist gearbeitet, bereits mehrere Kurzgeschichten sowie Romane für Erwachsene veröffentlicht und unterrichtet jetzt am Leeds Trinity College Englisch und kreatives Schreiben. The Times lobt CRASH – Ins falsche Lebenals einen ‘fesselnden Thriller’. Tatsächlich bleibt das Buch sowohl rätselhaft, als auch spannend bis zum Schluss und hat mich ziemlich sprachlos zurück gelassen.

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