Der kleine König von Bombay

Buchcover "Der kleine König von Bombay"

Zu Anfang des Romans Der kleine König von Bombay von Chandrahas Choudhoury beschließt Arzee, weniger rücksichtsvoll, schüchtern oder dumm zu sein und alles offensiver anzugehen:

Früher war er zu berechenbar gewesen, zu unterwürfig, eine leichte Beute. Jeder Tag auf dieser Welt war ein Kampf gegen die Macht und den Willen zahlloser Kräfte, warum also sollte er nicht nach Belieben das Gleis, die Richtung wechseln? Ein Mann konnte nicht einfach so sein, wie er war, wie er gern wollte – diese Welt war kein Ort für Gefühle! Vielmehr musst er seine Lage erfassen und sich dann mit ihr auseinandersetzen, sich behaupten – auch Pflanzen konnten schließlich nur wachsen, wenn sie sich der Sonne zuneigten

Arzee ist seit seiner Jugend mit Leidenschaft Filmvorführer im Noor, einem jahrzehntealten Kino in Bombay, in dem ausschließlich alte Bollywood-Filme gezeigt werden. Jetzt hat er erfahren, dass der leitende Filmvorführer des Noor bald in Rente gehen wird und rechnet damit, dass er dann dessen Posten einnehmen kann. Er hofft sich am Ziel fast all seiner Wünsche und Träume. Das Noor ist für Arzee nicht einfach nur ein Arbeitsplatz, sondern ein zu Hause, wo er sich wohl fühlt und dessen Atmosphäre er bestens kennt:

Auch nach all den Jahren dauerte es einen Moment, bis Arzee sich an die immense Noor’sche Düsternis, den ganz eigenen Noor’schen Geruch gewöhnt hatte. Das Noor war eine dunkle Höhle, die eine zweite in sich barg: Anders als in anderen Kinos ließ man die Welt hier nicht in dem Moment hinter sich, wo man den Zuschauerraum betrat, sondern bereits wenn man den Fuß über die Schwelle des Kinos setzte. Die Luft drinnen war drückend und abgestanden, als wäre sie an einem uranfänglichen Abend eingelassen und nie wieder herausgelassen worden, und das muffige Halbdunkel in Foyer und Korridoren bereitete die Gäste auf die stickige Finsternis in dem großen Saal vor, aus dem jetzt, dumpf und verzerrt, die Klänge des dramatischen Höhepunkts von Saathi drangen

Arzee hofft, dass seine Beförderung ihn außerdem endlich in die Position versetzen wird, zu heiraten. Auch in der Liebe hat es Arzee bis jetzt nicht leicht gehabt. Seiner Meinung nach liegt es daran, dass er unterdurchschnittlich groß und damit eigentlich ein Zwerg ist. Vielversprechend ist, dass seine Mutter unermüdlich nach einer passenden Frau für ihn sucht. Doch sie hat ihn mit genauso viel Elan sein Leben lang  körperlich groß und stark machen wollen und Arzee deswegen bleibt skeptisch.

Und tatsächlich ist er wieder einmal noch nicht am Ziel. Deepak vom Syndikat wird richtig ungemütlich. Er stellt Arzee nach und will dessen Spielschulden eintreiben. Das Syndikat zwingt Arzee schließlich demütigende, aber immerhin legale, Arbeiten auf. Außerdem sieht es zwischenzeitlich so aus, als ob das Noor schließen müsste und er seinen Arbeitsplatz verliert. Doch dann begegnet er Monique, der Starfriseurin. Sie verlieben sich ineinander und alles ist nicht mehr so bedrückend. Die Romanze dauert mehrere Wochen, bis plötzlich Moniques Vater auftaucht.

Chandrahas Choudhury zeichnet in Der kleine König von Bombay ein mitreißendes Bild vom alltäglichen Überlebenskampf in der Millionenmetropole Bombay, von gesellschaftlichen und religiösen Konflikten, Geldnot, Einsamkeit und Hoffnung.

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