Die Intrige

Der Roman “Die Intrige” von Ehrenfried Kluckert spielt im Jahr 1796. Die  französische Revolutionsarmee versucht gerade, Deutschland zu erobern und die Angst vor den französischen Truppen ist bei vielen sehr groß. Gleich am Anfang des Buches muss der Winzersohn Jakob mit Entsetzen ansehen, wie sein Vater in seinem Weinberg einen französischen Soldaten entdeckt und mit der Mistgabel erschlägt. „Der schändet nicht länger unsere Frauen, zerstört nicht mehr unsere Höfe und verwüstet die Weinberge. Der nicht!“, erklärt der Winzer seinem fassungslosen Sohn die Tat.

Gerade in diesen unsicheren Zeiten wird Johannes von Wellenberg der neue  Propst auf Bürgeln in Südbaden. Die Menschen dort sind besorgt:

Wie wird er mit uns umgehen? Werden wir mit ihm verhandeln können wegen des Zehntens? Wird er Säumige bestrafen? Wird er Rücksicht auf die Ärmsten nehmen?

Für einiges Gerede sorgt außerdem, dass er gemeinsam mit seiner Nichte Susanne erwartet wird. Johannes von Wellenberg ahnt, dass die Anwesenheit seiner Nichte ihm den Anfang in Bürgeln nicht leichter machen wird. Er mag ihr aber die Bitte, ihn begleiten zu dürfen, nicht abschlagen. Kurz zuvor ist ihre Mutter gestorben und sie kann nicht zurück in den Damenstift Borghorst, wo sie bisher ausgebildet worden ist. Johannes von Wellenberg selbst hat seine Nichte gebeten, zu entscheiden, wie ihr Leben von nun an weiter gehen soll und respektiert ihren Wunsch:

Sie hat entschieden, denkt er. Ich habe sie dazu aufgefordert. Sie ist wie ihre Mutter, meine unbeirrbare Schwester Annemarie. Ihr zu widersprechen war ein aussichtsloses Unterfangen

Der Revolutionsarmee stellen sich die habsburgischen Truppen entgegen, befehligt von Erzherzog Carl von Österreich. Doch nicht jeder hofft darauf, dass die Franzosen vertrieben werden. Es gibt viele widersprüchliche Informationen, womöglich spinnen manche sogar an einer Intrige.

Im Wirtshaus des Ortes versucht ein Major, die Wirtin Clara gegen ihren Verlobten und die Nichte des neuen Probstes aufzuhetzen. Der Verlobte ist Maler und damit beauftragt, Schloss Bürgeln mit einigen Wandgemälden zu verschönern. Für eines der Bilder sitzt ihm die Nichte des Propstes Modell. Der Major behauptet, der Maler habe ein Verhältnis mit seinem Modell, der Nichte. Doch Clara ist misstrauisch:

Sie schaut ihn skeptisch an. Sie kann einfach nicht einschätzen, was dieser Major mit seinem Besuch beabsichtigt. Das mit der Liebelei zwischen Jakob und dem Fräulein auf Bürgeln möchte sie nicht ernst nehmen. Nein, da wird nichts sein, denn das sympathische Fräulein Susanne hat es eindeutig auf den liebenswürdigen General abgesehen. Keine Frage. Das aber scheint der törichte Major nicht in Rechnung zu stellen

Einige Zeit später, die Kampfhandlungen sind immer näher gerückt, werden Clara und Susanne entführt. Alle vermuten die Franzosen hinter der Tat und bemühen sich, den Aufenthaltsort der beiden so schnell wie möglich heraus zu finden. Nach kurzer Zeit gelingt es ausgerechnet dem Major, der die Wirtin Clara von einer Liebesbeziehung zwischen der Nichte des Propstes und ihrem Verlobten überzeugen wollte, die beiden zu befreien.

Außerdem stellt sich heraus, dass der Secretarius des Propstes, der gerne selbst dieses Amt bekleidet hätte, Kontakte zu Graf Joseph von Druszka unterhält. Der Graf gilt in Wien als nicht hoffähig und hat einen sehr speziellen Ruf:

Druszka ist, um es kurz zu sagen und damit würde ich ihn nicht einmal beleidigen, Druszka ist ein Schlawiner. Er feiert in seinem Stadtpalais am Ring rauschende Feste mit zwielichtigen Gästen und nicht unbedingt vorzeigbaren Damen in kleinen Kabinetten mit Palmen geschmückt und den derzeit beliebten Panoramatapeten mit Südseemotiven

Sind auch die vielen aufdringlichen Bitten von Erzherzog Carl von Österreich an Clara und Susanne, sich nach Wien in Sicherheit zu bringen, wirklich aufrichtig besorgt gemeint?

Ehrenfried Kluckert lässt in Die Intrige das Südbaden des 18. Jahrhunderts mit vielen Details wieder auferstehen. Er verwendet eine Sprache mit vielen Begriffen, die in der damaligen Zeit und in dieser Gegend typisch waren, beschreibt ausführlich viele militärische Manöver und stellt auch die Architektur und Einrichtung von Schloss Bürgeln immer wieder ausführlich dar.

Medienkunst aus Japan

Anlässlich der hundertfünfzig-jährigen deutsch-japanischen Freundschaft war einer der Schwerpunkte des European Media Art Festival (EMAF) 2011 Medienkunst aus Japan. Machiko Kusahara, Professorin an der Waseda-Universität und Gast-Dozentin an der UCLA, hat im Rahmen eines Vortrags einige bedeutende Strömungen der japanischen Kunstszene vorgestellt.

Laut Machiko Kusahara ist bemerkenswert, dass die japanische Bezeichnung für ‚bildende Kunst‘ erst mit der Öffnung zur westlichen Kultur im 19. Jahrhundert aufgetreten ist. Japan sei ein Sonderfall, die japanische Kunstszene habe sich vorher weitestgehend unabhängig vom Rest der Welt entwickelt. Wenn auch das westliche Kunstverständnis in Japan früher unbekannt gewesen sei, habe der ästhetische Gedanke im Alltag der japanischen Kultur trotzdem eine große Rolle gespielt, aber eher in Form von Haiku, Bonsai-Gartenkunst, Blumenarrangements, bemalten Schiebetüren oder etwa bei einem Kartenspiel, das auf mittelalterlichen Kurzgedichten mit Illustrationen beruht habe.

Einer der bekanntesten japanischen Medienkünstler Japans der Gegenwart sei Nobumichi Tosa. Unter dem Namen Maywa Denki entwickelt er beispielsweise Roboter-Instrumente und komponiert mit ihnen Musik oder Verlängerungsschnüre in der Form des Skeletts eines Fisches, eine Armbanduhr mit Telefondrehscheibe, mit der man die Zeitansage anrufen kann sowie neben vielen anderen Dingen einen ‚lachenden Roboter‘. Der ‚lachende Robote‘ sei insofern etwas Besonderes, da er keinerlei praktische Funktion habe. Im Allgemeinen hätte japanische Medienkunst neben einem außergewöhnlichen Design eine Funktion und sei eng mit der Industrie und der Massenkultur verwoben. Westliche Künstler wie der Franzose Marcel Duchamps, der auf einer Ausstellung in Japan mit nutzlosen bunten Schallplatten vertreten war, konnten in Japan kaum Käufer finden.

Medienkunst aus Japan: Ausstellung im Rahmen des emaf

Westliche Einflüsse seien in Japan aber an einigen Stellen im 20. Jahrhundert deutlich erkennbar beispielsweise habe einer der bedeutendsten Manga-Zeichner Osamu Tezuka eine Version des Fritz-Lang-Films Metropolis als Comic-Film realisiert. Die heutige japanische Medienkunst stehe im Wesentlichen in der Tradition etwa von Akira Kanayama, der 1957 Bilder mit ferngesteuerten kleinen Autos angefertigt habe, die mit Tinte Linien auf das Blatt gefahren beziehungsweise gemalt hätten, oder der Künstlerin Atsuko Tanaka, die 1955 Glocken in einem Galerieraum angeordnet habe und die von den Besuchern mit Hilfe eines Klingelknopfes zum Klirren gebracht werden konnten. Die fünfziger und sechziger Jahre seien auch sehr durch die Gruppe Jikken Kobo geprägt worden, die mit ihren experimentellen Workshops die japanische Performance-Kunstszene begründet hätten. Die Arbeit der Künstler von Jikken Kobo sei auch sehr prägend für die Film-Avantgarde der Nachkriegszeit gewesen, besonders erwähnenswert sei der Film Giurin (Silver Wheels) von Toshio Matsumoto und die Arbeiten des Video-Künstlers Fujiko Nayaka. Yoshiharu Tsuge habe mit Neijishiki eine der bedeutendsten Arbeiten des alternativen Manga geschaffen, dessen Geschichte auch verfilmt worden sei. Bedeutende Künstler dieser Zeit seien darüber hinaus Katsuhiro Yamaguchi, Namjune Paik und Yoko Ono. In den sechziger und siebzieger Jahren des letzten Jahrhunderts sei die japanische Kunstszene besonders aktiv gewesen.

Seit 1983 Nintendo Famicom auf den Markt gebracht habe, beworben als ‚Entertainment-Konsole‘, sei die japanische Kunstszene eng an die Computerindustrie geknüpft. Künstler und Designer entwickelten mit Computerspezialisten Spiele und sonstige Anwendungen. Kunst sei in Japan ein Alltagsprodukt für jeden und häufig auch Entertainment. Es gebe viele kunstvoll designte Alltagsgegenstände wie beispielsweise Kopfhörer in Form einer Banane, verzierte USB-Sticks oder Lunchboxes.

Für die jetzige Kunstszene bedeutende Künstler seien etwa Masaki Fujihata oder Yoichiro Kawaguchi. Ein weiteres Beispiel für die Verknüpfung von Technik und Kunst sei die Firma PetWORKs von Kazuhiko Hachiya, der neben Projekten wie einem Mailing-Dienst mit computeranimierten kleinen Figuren auch die Flug-Maschine Open Sky verwirklicht hat. Tenori-on sei ein sehr populäres Videospiel, das der Künstler Toshio Iwai entwickelt habe. Ryuichi Sakamoto sei sehr einflussreich auf die Avantgarde-Musikbewegung und die Kunstszene überhaupt in Japans.

Ein weiterer wichtiger Vertreter der japanischen Kunstszene, Ryoto Kuwakubo, hat im Rahmen der diesjährigen Ausstellungsreihe des EMAF  The Tenth Sentiment gezeigt. Dabei schängelt sich eine Modelleisenbahn, an die eine Lichtquelle angebracht worden ist, durch den mit verschiedenen Gegenständen bestückten Ausstellungsraum und projiziert tanzende, sich bei der Fahrt des Modellzuges ständig verändernde Schatten an die Wand. Erinnert fühlen darf sich der Zuschauer dabei an die Schattenaufnahmetechniken der Laterna Magica aus dem 17. Jahrhundert und die Experimente des ungarischen Fotografen, Malers und Kunstlehrers László Moholy-Nagy. Außerdem ist die Fahrt der Bahn nach Ansicht von Machiko Kusahara eine Form von mitate-e – ein in der japanischen Kunst gebräuchliches Stilmittel, eine Sprache des Sehens und der Interpretation, die ermöglicht, etwas anderes und ungewöhnliches hinter den Gegenständen erkennen.

Medienkunst aus Japan: Buchcover "Hybridkultur" von Yvonne Spielmann

Yvonne Spielmann hat die zeitgenössische japanische Kunst in ihrem Buch Hybridkulturir.gif wissenschaftliche betrachtet. Sie ist Research Professor und Chair of New Media an der University of the West of Scotland. Unter dem Eindruck, dass „auf internationalen Ausstellungen und Festivals, die sich in den neunziger Jahren verstärkt den seinerzeit „neuen“ interaktiven und virtuellen Medienanwendungen, dreidimensionalen Computeranimationen, Netzwerkkünsten, Cyberspace- und Internetprojekten zuwandten, unter der Vielfalt der Arbeiten vor allem die ästhetisch-technischen Beispiele aus Japan herausragten“, hat sie die neuen Medien an der „Schnittstelle von Ästhetik und Technologie“ untersucht. In dem Buch werden globale Trends aber auch kulturelle Besonderheiten wie etwa der Einfluss des Buddhismus auf die japanische Kultur und damit auch auf die Kunst weltweit nachvollziehbar.

Interview Margaret Hunter

Nach dem Fall der Berliner Mauer haben im Jahr 1990 Künstler begonnen, die Mauer zwischen Oberbaumbrücke und Ostbahnhof mit Gemälden zu versehen. Mittlerweile ist die Berliner East Side Gallery nicht nur ein großes Kunstwerk, sondern das längste noch erhaltene Stück der Mauer, die früher Berlin teilte. Die schottische Künstlerin Margaret Hunter ist eine der Künstlerinnen der Berliner East Side Gallery. Die Galerie-Version ihres Mauerbildes von 1990 wird jetzt mit anderen Werken in der Galerie aquabitArt in Berlin gezeigt.

Wie kam es, dass Sie 1990 in Berlin waren und was hat Sie dazu bewegt, ein Bild an der Berliner East Side Gallery zu malen?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryIch bin 1985 nach Abschluss meines Studiums nach Berlin gekommen, um bei Georg Baselitz an der Universität der Künste zu arbeiten. Ich habe dann in Berlin meinen Mann kennen gelernt und bin jahrelang zwischen der Familie und dem künstlerischen Leben in Berlin und der Lehre an der Universität und den Ausstellungen in Schottland hin und her gependelt. 1990 bin ich zusammen mit vielen anderen Künstlern aus Ost und West eingeladen worden, ein Kunstwerk auf die zumindest im Ostteil Berlins früher unberührbare und verbotene Mauer zu malen. Es war ein Moment der Befreiung. Die Berliner Mauer war das Symbol des ‚Eisernen Vorhangs‘ und ich habe mich sehr geehrt gefühlt, an diesem historischen Vorgang beteiligt sein zu dürfen. Es war eine sehr interessante und euphorische Zeit, tausende von Touristen sind herbei geströmt, um uns malen zu sehen und es gab sehr viel Aufmerksamkeit von Seiten der Medien. Aber natürlich habe ich von Zeit zu Zeit an die Bedeutung dieser Malaktion gedacht, daran, dass es noch gar nicht lange her war, dass der letzte junge Mann bei dem Versuch, diese Mauer zu überwinden, umgebracht worden ist. Es gab also auch schmerzliche Momente.

Gibt es für Sie als Schottin eine besondere Beziehung zu Berlin oder insgesamt zu Deutschland?

Mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten hat mich nach Berlin gebracht. Wenn er in Amsterdam oder Paris gearbeitet hätte, wäre ich dort hin gegangen. Das hätte ich getan, sogar obwohl meine Schwester damals auch schon zum Arbeiten nach Frankfurt gezogen ist. Sie lebt immer noch in Deutschland und wir sind jetzt beide seit vielen Jahren hier.

Die spannende und kantige Stimmung des geteilten Berlin hat ganz sicher immer Einfluss auf meine Arbeit gehabt und es hat mein ganzes zwischen Schottland und Berlin geteiltes Leben begleitet.

Ihr Bild Joint Venture/re:STATEMENT hat etwas sehr Ursprüngliches, es erinnert ein bisschen an Höhlenmalerei. Auch die Skulpturen haben etwas von den Jahrtausende alten Kultstatuen, die einfache Menschen besaßen. Ist das auch aus Ihrer Sicht ein entscheidendes Merkmal für Ihre Kunst und warum?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryJa. Als Kind war habe ich einige Zeit in Nigeria verbracht, weil mein Vater dort gearbeitet hat. Ich glaube, mein Wunsch mit Georg Baselitz zu arbeiten, der eine bedeutende Kollektion afrikanischer Kunst besitzt, war ein Schritt in Richtung der Erinnerungen aus meiner Zeit in Afrika. Besonders zu den Stammesmarkierungen auf den Gesichtern der Menschen… Zeichen ihrer Identität.

Mir haben vor allen Dingen die Gemälde von Georg Baselitz sehr gut gefallen, auf denen einzelne Figuren dargestellt werden. Ich wollte eine solche Stärke und Direktheit auch in meiner eigenen Arbeit ausdrücken und so haben meine Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen die Tendenz, auf das Essentielle reduziert zu sein. Der augenscheinliche Zweck und Nutzen hat mich auch immer an afrikanischer Kunst interessiert… Etwas, was ich in meiner eigenen Arbeit haben möchte. Wenn ich die Skulpturen herstelle, dann beginne ich mit der Kettensäge, wobei manchmal raue Stellen entstehen. Ich höre immer wieder zwischendurch auf, um zu meißeln. Das geht in einer Geschwindigkeit, die eher zu meinem Denken passt!

Wie kam es zu dem Dialog zwischen Ihnen und den Besuchern der East Side Gallery und wie ist die Entscheidung gereift, die Anregungen der Besucher in eine ‚Neufassung‘ von Joint Venture/re:STATEMENT zu integrieren? 

Ich habe eine Replik meines East Side Gallery Bildes angefertigt. Es war 2009 mein Beitrag für eine Ausstellung an der ich teilgenommen habe, die das Thema ’20 Jahre nach dem Mauerfall‘ hatte und im Kunstraum Potsdam statt gefunden hat.

Ich habe die Galerie-Version von Joint Venture/re:STATEMENT in meinem Atelier gemalt. Die Situation war ganz anders als 1990, besonders weil ich in einem geschlossenen Raum gearbeitet habe und es Zeit gab, über die dazwischen liegenden zwanzig Jahre nachzudenken.

In diesen zwanzig Jahren gab es einen immer währenden Dialog mit den anonymen Besuchern, die in Form von Graffitis auf dem Bild Kommentare hinterlassen haben. Ich habe die Graffitis viele Male übermalt und es hat mein Leben zwanzig Jahre lang begleitet. Ich bin schließlich auf die Idee gekommen, die Galerie-Version zu einem interaktiven Stück zu machen und es so noch mehr mit dem Gemälde auf der Mauer der East Side Gallery zu verbinden. Ich habe die Besucher auf der Vernissage im Kunstraum Potsdam eingeladen, ihre Gedanken auf meinem Bild zu hinterlassen. Mir ist es so vorgekommen, dass die ‚Neue Darstellung‘, was ‚RESTATEMENT‘ übersetzt bedeutet, so vollständig war.

Welche Rolle spielen die Anregungen der Rezipienten für Sie und Ihre Kunst?

Interview Margaret Hunter: Berliner East Side GalleryEs ist eindeutig ein großes Risiko, andere Leute zu bitten, auf mein Bild zu schreiben. Es hätte komplett zerstört werden können. Aber da ich mich dafür entschieden hatte, war das ein Risiko, das ich in Kauf nehmen musste. Außerdem hat es in einer Galerie statt gefunden und ich war die meiste Zeit über selbst anwesend. Es gab von Seiten der Besucher großen Respekt für das Gemälde und ich glaube, die Besucher haben sich sogar geehrt gefühlt, daran teilhaben zu dürfen. Ich habe sehr viel Arbeit in dieses Bild gesteckt, habe viel mit überlappenden Farben gearbeitet, was ihm aus meiner Sicht die Ähnlichkeit mit Höhlenmalereien verleiht, die Sie bereits angesprochen haben. Ich habe nicht bewusst darauf hin gearbeitet, sondern hatte eher die Vorstellung, dass die Farb-Schichten ein Gefühl von Zeit und Geschichte vermitteln würden. Das Gemälde ist später in der Royal Scottish Academy gezeigt worden, eine der führenden Institutionen in Schottland. Die Räumlichkeiten sind dort sehr edel und die Besucher haben das Bild aus einer größeren Distanz heraus betrachten müssen, so dass sie wenig von den Worten auf der Oberfläche des Bildes erkennen konnten.

East Side Gallery, BerlinDer Unterschied zwischen der Präsentation des Bildes in der Royal Scottish Adademy und der in dem Raum der aquabitArt-Galerie ist enorm. Das Gemälde konnte nicht am Stück aufgehängt werden, sondern musste über Eck aufgehängt werden, ein Teil an einer Wand, der andere an der anderen. Das lädt die Besucher ‚in das Bild ein‘, sie sind von ihm umgeben und können von ganz nah alle Details erkennen. Diese Anordnung des Gemäldes ist ein weiterer Versuch, den Besucher in das Werk mit einzubinden. Früher habe ich oft mit Holz-Brettern gearbeitet, auf die ich viele Farbschichten aufgetragen habe, um dann hinein kratzen zu können und ‚die Geschichte‘ darunter frei legen zu können. In der auquabitArt-Ausstellung sind die ‚Schichten‘ einzeln dargestellt, Teile meiner Arbeit, und es ist Aufgabe des Besuchers, zwischen den einzelnen Skulpturen und Bildern einen Zusammenhang herzustellen oder auch nicht. Die schweren kohlschwarzen Skizzen auf den Bildern könnte man als Grundrisse der Skulpturen verstehen, die aus dem großen Bild herausgetreten sind. Die Skulpturen sehen so aus. Eine weitere ‚Schicht‘ bilden die kleinen kratzigen Tuschezeichnungen…

Seitdem ich die Ausstellung noch vor der Eröffnung zum ersten Mal gesehen habe, spreche ich mit einem Choreografen über eine dazugehörige Tanz-Performance, die ein Video meines großen Gemäldes und einer Skulptur aus einer Ausstellung namens Holding Hope beinhaltet. Ich finde die Aussicht auf weitere ‚Schichten‘ von Bedeutungen durch Bewegung/Stillstand, Lichtgebung, Schatten, Ton und so weiter sehr spannend.

Sie haben auch als Dozentin am Edinburgh College of Art und an der Glasgow School of Art gearbeitet. Gibt es irgend etwas, was Sie jungen bildenden Künstlern unbedingt mit auf ihren hoffentlich erfolgreichen Weg geben möchten?

Ich habe an beiden Kunstschulen als Gast-Dozentin gearbeitet. Es gibt so viele begabte Künstler und so wenige Möglichkeiten und Perspektiven für sie. Als erstes muss ein junger Künstler vollkommen aufrichtig und zielstrebig sein und außerdem einen unumstößlichen Glauben an die eigenen Ideen haben, sie dürfen sich nicht durch Zurückweisungen erschüttern lassen und sie brauchen Verwegenheit. Außerdem müssen sie ständig auf der Suche nach Gelegenheiten sein, ihre Arbeit zu zeigen oder an Projekten teil zu nehmen. Es ist dabei sehr wichtig, professionell zu sein und sie müssen begreifen, dass sie die geschäftliche Seite der Kunstwelt verstehen müssen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.art.aquabit.com und www.eastsidegallery-berlin.de

Counterblast

Der kanadische Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan, wie er mit vollem Namen hieß, hat in seinem Leben mehrere Abhandlungen veröffentlicht, die sich mit Kommunikation und Medien beschäftigen. Geboren 1911, hat er nach einem Studium der englischen Literatur auch 1942 seinen Doktor in Trinity Hall, Cambridge, erhalten. Thema der Doktorarbeit war eine kritische Betrachtung der Kommunikation über 2000 Jahre hinweg. Marshall McLuhan ging davon aus, dass die unterschiedlichen Formen der Rede beziehungsweise des Ausdrucks die Wahrnehmung der Menschen formen und so den Inhalt der Diskurse und des Lernens ganzer Kulturen bestimmen, ohne dass es direkt ins Bewusstsein vordringen muss.

Im Jahr 1954, dem Erscheinungsjahr der ersten Fassung von Counterblast, hat Marshall McLuhan an der Universität von Toronto gelehrt und bereits The Mechanical Bride: Folklore of Industrial Man (1951) veröffentlicht. Im Vorwort zu The Mechanical Bride hat Marshall McLuhan auf das Paradox hingewiesen, dass Kreativität und Zerstörung häufig durch dieselben gesellschaftlichen Kräfte ausgelöst werden, dass aber Veränderungen immer auch ein positives Potential in sich bergen und moralische Empörung bei der Betrachtung nicht hilfreich sei. Damit grenzt er sich ab zu einem anderen bekannten Intellektuellen mit kanadischen Wurzeln: Wyndham Lewis. Der Maler und Schriftsteller, den Marshall McLuhan persönlich kannte und über dessen Arbeit er auch bereits eine Abhandlung geschrieben hat, veröffentlicht 1954 ein neues Buch. In Self Condemned beschreibt Lewis die Lebensumstände in einer Stadt namens Momaco. Am Ende flieht der Protagonist aus einem Momaco, das zu einem Friedhof aus Muschelgehäusen geworden ist. Der Verfasser der Einleitung zu Counterblast, W. Terrence Gordon, erklärt, dass viele in ‚Momaco‘ Toronto zu erkennen glaubten und dass Wyndham Lewis in seinem Buch das Schicksal des ‚Neuen Menschen‘ beschreiben wollte.

Marshall McLuhan war nach Ansicht von W. Terrence Gorden einer der ersten, der das neue Buch Wyndham Lewis‘ gelesen hat, es findet sich eine Anspielung darauf in der Einleitung Marshall McLuhans zu Counterblast. Zunächst bezieht er sich allerdings konkret auf Lewis` 1914 veröffentlichtes Journal Blast:

In 1914, a few weeks before the War, Wyndham Lewis the painter put out BLAST. He set out to create a new vortex of thought and feeling consistent with the changed conditions of life, work, and society. He was too late. The imbalance of thought and feeling in the new technological world of England and Europe was extreme

Beide, Wyndham Lewis und Marshall McLuhan, waren W. Terrence Groden zu Folge davon überzeugt, dass Kunst und technologische Entwicklungen untrennbar miteinander zusammen hängen. Marshall McLuhan war der Ansicht, das die neuen Medien eine entscheidende Rolle dabei spielen, dem Menschen in der technikdominierten Welt die Sicht zu vernebeln:

In AMERICA AND COSMIC MAN Lewis saw North America as a benign rock crusher in which all remnants of European nationalism and individualism were happily reduced to cosmic baby powder. The new media are blowing a lot of this baby powder around the pendant cradle of the New Man today. The dust gets in your eyes

Counterblast, als Titel Bezug nehmend auf das Journal ‚Blast‘ von Wyndham Lewis, wollte ein ‚Gegenschlag‘ gegen diese Verwirrung sein und einen klaren Blick auf die neuen Medien, ihre Herkunft, Verzweigungen und Richtung eröffnen:

COUNTERBLAST 1954 blows aside this dust for a few moments and offers a view of the cradle, the bough, and the direction of the winds of the new media in these latitudes

Was nun nach der Einleitung folgt, ist ein Text, der aus vielen Überschrift-artigen Teilen mit vielen Leerzeichen, Großbuchstaben und Aufzählungen besteht. Es wirkt fast wie ein Gedicht, mit vielen Wortspielen und Metaphern:

… USA

COLOSSUS of the South, horizontal

HEAVYWEIGHT flattening the

canadian imagination

CBC  BBC  NBC  CBS

nets of the BIG GAME hunters, lairs of

the NEW BABBITTS …

Am ehesten wirkt es, wie die Dozentin amerikanischer und kanadischer Literatur und Marshall-McLuhan-Spezialistin, Elena Lamberti, es genannt hat: wie ein Mosaik. Es besteht aus einer Einleitung, einem Teil voll kurzer, überschriftartiger Textpassagen, einem ‚Media Log‘, in dem über die Geschichte und Bedeutung von Büchern und Print-Presse, mal in sehr kurzen, mal in längeren Passagen gesprochen wird und ‚FIVE SOVEREIGN FINGERS TAXED THE BREATH‘, wo Eindrücke über die moderne Stadt und das Leben dort, Medien und Zivilisation formuliert werden.

W. Terrence Gordon berichtet in der Einleitung von dem Gerücht, dass Marshall McLuhan Exemplare von Counterblast 1954 an Straßenecken und in Zigarrettengeschäften ‚unter der Ladentheke‘ hat verkaufen lassen, in der Hoffnung, die Lektüre würde ein grundlegendes Umdenken in der Gesellschaft hervorrufen. Viel später hat es eine überarbeitete Veröffentlichung von Counterblast in Buchform gegeben. Aber in der Faksimile-Ausgabe von 1954, die anlässlich der transmediale und des 100. Geburtstags Marshall McLuhans veröffentlicht worden ist, sind viele für das ganze Werk Marshall McLuhans wegweisende Thesen formuliert.

Spanisch Lernen mit Rosetta Stone

Sobald ich mich auf der Internetseite von Rosetta Stone eingeloggt habe, erscheint im Fenster des Internetbrowsers das Softwarepaket mit dem von mir bestellten Sprachkurs zum Anklicken. Sofort kann ich die nötige Software zum Spanisch Lernen installieren.

Ich kann mich für einen Schwierigkeitsgrad entscheiden und dafür, ob ich etwa nur die Aussprache üben oder ausschließlich zuhören und schreiben möchte. Ich wähle die einfachste Stufe und die empfohlene Kombination aus Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören. Dann bestimme ich das Tempo des Anfängerkurses fast ausschließlich selbst.

Ich lerne durch Bilder mit Überschriften, dass ‚el niño‘ ein Junge ist und ‚la niña‘ ein Mädchen. Außerdem spricht mir eine Stimme über den Kopfhörer meines Headsets die richtige Aussprache vor. Ich muss mehreren Bildern per Mouseklick zuordnen, ob es sich bei der Person darauf um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Schließlich werde ich aufgefordert, die Aussprache zu üben. Ein Sprecher spricht mir die Worte vor und ich wiederhole sie. Ich bestimme das Tempo, kann entscheiden, wie lange ich mir Zeit lasse, die Bilder zuzuordnen oder ich kann mir über ein Button neben dem Satz noch einmal die Aussprache anhören und sie üben, bevor ich sie aufzeichnen lassen und als Prüfungssegment bewerten lassen muss.

Sobald ich die erste Hürde genommen habe, erscheinen weitere Bilder, auf dem einen trinkt ein Mädchen, auf dem anderen ein Junge. Immer wird über mein Headset der über dem Bild geschriebene Satz mit dem noch unbekannten Verb akustisch wiederholt. Ich muss wieder mehreren Mädchen und Jungen die richtige Tätigkeit wie essen, laufen oder lesen zuordnen und zwischendurch alle neuen Verben über das Headset aussprechen üben.

Dabei ist ausschließlich Spanisch gesprochen und geschrieben worden. Ich habe keine Übersetzung und auch keine Lautschrift zu lesen bekommen, sondern nur spanische Sätze und habe über Bilder gelernt, welches Verb welche Tätigkeit bezeichnet und wie Einzahl und Mehrzahl gebildet werden. Da mir bei jeder neu eingeführten Tätigkeit auch immer die richtige spanische Aussprache vorgelesen wird, verbinde ich mit jedem Satz und jedem Bild auch sofort einen bestimmten Klang.

Insgesamt dauert dieses erste Kurssegment geschätzte 30 Minuten, im Einzelnen hängt die Zeit natürlich von meinem persönlichen Tempo ab. Danach wird mir in Prozent gezeigt, wie hoch meine Fehlerquote gewesen ist und mir wird empfohlen, wie ich am besten weiter lernen kann.

Insgesamt hat diese Art des Lernens tatsächlich etwas sehr ursprüngliches und zwar vom Ansehen eines Bilderbuches. Auf den Fotos lässt sich vieles entdecken, sie zeigen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Kulturen, die ihren Alltagsgewohnheiten nachgehen. Obwohl ich spanisch lerne, ordne ich einem mit schwarzer Tusche chinesische Schriftzeichen malenden Jungen den spanischen Satz für ’schreiben‘ zu. Die Fotos sind sehr schön gestaltet und bilden eine Art multikulturelles Bilderbuch, das auch für Erwachsene optisch spannend ist und interessante Geschichten erzählt.

Die Benutzung ist weitestgehend selbsterklärend und einfach. Im Notfall kann ich aber einen Hilfe-Button verwenden und mir erklären lassen, wie ich weiter vorgehen sollte. Unbedingt erforderlich ist ein Headset, auch schon einmal um die richtige Aussprache hören zu können. Die Angst, sich gleich am Anfang mit Aussprache-Übungen zu überfordern, ist unbegründet. Bevor ich den Satz nachsprechen muss, wird er mit mehrere Male vorgesprochen und ich kann ihn mir auch noch weitere Male vorlesen lassen. So ist das Lernen stressfrei und macht Spass.

Weitere Informationen gibt es unter: www.RosettaStone.de

Der Text ist zuerst auf dem Blog www.textblueten.wordpress.com veröffentlicht worden.

Sprachen Lernen mit Rosetta Stone

Rosetta Stone ist der führende Anbieter von Sprachlernlösungen, die online oder über eine CD-ROM angewandt werden können. Die Lernprogramme gibt es für mehr als 30 Sprachen und werden von privaten Sprachlernbegeisterten, öffentlichen Institutionen, Unternehmen und tausenden von Schulen und Universitäten welweit verwendet. Rosetta Stone wurde in den 90er Jahren in den USA gegründet und hat heute Niederlassungen in London, Seoul, Tokio und München. 2009 wurde Tom Adams, CEO von Rosetta Stone zum „Ernst & Young Entrepreneur Of The Year“ gewählt. Duane Sider ist „Director of Learning“ bei Rosetta Stone in Harrisonburg, USA.

Was ist das Besondere an den Sprachlernlösungen von Rosetta Stone?

Duane Sider: Rosetta Stone ermöglicht jedem, unabhängig vom Alter, dem Bildungsgrad oder jeglicher Vorerfahrung, Sprachen Wort für Wort neu oder aufbauend zu lernen, indem man auf seine natürlichen Lernfähigkeiten zurückgreift. Die Lernenden selbst bestimmen den Schwerpunkt und das Tempo. Ein sorgsam ausgeklügelter Programmverlauf leitet Sie Schritt für Schritt durch diesen natürlichen Lernprozess. Obwohl Sie zu Hause lernen, sind Sie ganz von der Kultur umgeben, deren Sprache Sie gerade lernen. Dabei verwenden Sie niemals Übersetzungen oder Erläuterungen der Grammatik in Ihrer Muttersprache. Ihre Sprachfähigkeiten entwickeln sich schnell mit Hilfe unserer Spracherkennungssoftware und regelmäßiger Gelegenheiten, die Aussprache mit Muttersprachlern zu üben. Die Lernenden eignen sich so eine neue Sprache auf einem spielerischem Weg an, der ihnen Sprachpraxis vermittelt, sie motiviert und ihr Selbstvertrauen stärkt.

Was sind die besonderen Anforderungen, die im digitalen Zeitalter an Fremdsprachenunterricht gestellt werden müssen? Für Schüler? Für Autodidakten, die sich eine Sprache aus beruflichen Gründen selbst neben der Berufstätigkeit aneignen müssen?

Duane Sider: Fremdsprachenlehrer müssen sich nicht mit den neuesten technischen Entwicklungen auskennen, um im digitalen Zeitalter gute Sprachlernangebote anbieten zu können und auch die Klassenzimmer müssen nicht unbedingt mit den neuesten technischen Geräten ausgestattet sein. Der Erfolg der Lehrmethode hängt viel mehr grundsätzlich von der Herangehensweise des Lehrers ab, von seinen persönlichen Vermittlungsmethoden und nicht so sehr von irgendwelchen Technologien. Wichtig ist, zu verstehen, was die Lernenden an Erwartungen, Möglichkeiten und Vorkenntnissen mitbringen und alles in den Unterricht einfließen zu lassen. Wir wissen bereits seit vielen Jahren, dass Lernende unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, verschiedene Vorerfahrungen, unterschiedliche soziale Hintergründe und Lernfähigkeiten. Im digitalen Zeitalter ist es möglich, auf den Einzelnen zugeschnittene Lernansätze anzubieten, die auch die technischen Vorkenntnisse berücksichtigen. Außerhalb des Unterrichts können Lernende viel mehr Informationen ausfindig machen und sie dann in den Unterricht einbringen, als es früher möglich war. Insofern ist der Lehrer weniger ein Allwissender als jemand, der einen dynamischen Lernprozess begleitet, in den sich jeder aktiv einbringen kann. Die Aufgabe des Lehrers ist es, das Beste aus jedem herauszukitzeln und daraus etwas Starkes, Bedeutsames und die Klasse vereinendes herzustellen, das den Erfolg ausmacht. RosettaStone ist in der privilegierten Lage, mit vielen sehr guten Fremdsprachenlehrern aus der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, die sich bemühen, optimale Lehrmethoden für alle am Lernprozess Beteiligten zu entwickeln. Die Schüler lernen auf sich gestellt an ihrem Computer und machen dann in der Klasse gemeinsam Gruppenarbeiten und sammeln Sprachpraxis durch Diskussionen mit ihren Mitschülern.

Welche Rolle kann das Internet in diesem Zusammenhang spielen?

Duane Sider: Ganz grundsätzlich erleichtert, beschleunigt und vermehrt das Internet die Möglichkeiten der Wissensaneignung. Das Wissen kann schneller verbreitet und auch schneller darauf zugegriffen werden. Zusammen können diese Faktoren das Lernen an sich verändern. Manche haben diese Veränderung als einen Wechsel von ‚just In Case‘-Lernen zu einem ‚just in time‘-Lernen beschrieben. Im Falle des ‚just in case‘ eignet sich der Schüler etwas an, von dem er hofft, dass es sich als hilfreich für sein Leben und seine Arbeit herausstellt. ‚just in time‘-Lernen, bedeutet, dass der Schüler seine Fähigkeiten sofort und unmittelbar im Internet zum Einsatz bringen kann. Wenn man davon ausgehen darf, dass Sinn des Lernens ist, den Schüler weiser zu machen, und nicht nur ein Mehr an Wissen anzuhäufen, dann ist ein weiser Lehrer am geeignetsten, die Rolle des Internets für den Lernprozess verständlich zu machen.

Wie kann ein Lernender durch digitale Unterrichtsformen seine Aufnahmefähigkeit steigern beziehungsweise warum ist diese Unterrichtsform erfolgversprechender als Frontalunterricht in einer Schule?

Duane Sider: Von der Entwicklung der Printpresse über die audio-visuellen Technologien des letzen Jahrhunderts bis hin zu den heutigen digitalen Möglichkeiten, bringen alle neuen Technologien Veränderungen und neue Anforderungen für Lehrer und Schüler mit sich. Die besten Lehrer haben es stets verstanden, diese neuen Technologien in ihren Lehrmethoden zu berücksichtigen, aber den Schwerpunkt auf dem Lernen zu belassen. Auch im digitalen Zeitalter werden gute Lehrer die Vorteile des digitalen Lernens mit ‚traditionellen‘ Lehrmethoden sinnvoll und in bester Weise miteinander verbinden.

Sprache ist ja eigentlich etwas lebendiges und besteht ja auch vor allen Dingen aus direkten Gesprächen mit Menschen. Wie kann der Computer so etwas vielleicht ersetzen und mir trotzdem Sprachpraxis vermitteln? Oder ist das digitale Lernen eine Ergänzung zum ‚echten‘ Sprechtraining?

Duane Sider: Natürlich ist der beste Weg eine neue Sprache zu lernen, einige Zeit in dem entsprechenden Land zu verbringen und mit Muttersprachlern in Alltagssituationen die Sprache anwenden zu lernen. Wenn eine solche Reise aber zu umständlich oder sogar unmöglich ist, kann die beste Alternative sein, online mit Muttersprachlern und anderen Schülern zu lernen. Eine gute Infrastruktur minimiert den Zeitverlust und die Kosten und gewährleistet uneingeschränkte Sprachpraxis mit Muttersprachlern online, auch über eine große Distanz hinweg. Wenn der Lernende zusätzlich zu seiner Sprachpraxis eine Sprachenlern-CD verwendet oder Online- Sprachkurse belegt, kann gewährleistet werden, dass ein Gespräch in einer Sprache möglich wird, die beide Seiten verstehen. Die Lernenden können sich so Sprachpraxis mit ‚echten‘ Menschen aus der ‚echten‘ Welt online aneignen.

Muss man gute Computerkenntnisse haben, um mit Rosetta Stone arbeiten zu können?

Duane Sider: RosettaStone-Sprachlernlösungen sind für Schüler und Erwachsene konzipiert. Die Computerkenntnisse, die jeder jeden Tag braucht, ermöglichen, dass sich der Lernende Schritt für Schritt durch die Sprachlernsoftware führen lassen kann. Die Lernenden arbeiten sich voran, indem sie gesprochene, geschriebene oder ‚geclickte‘ Antworten geben und eignen sich so von Grund auf im Gesprächsfluss eine neue Sprache an.

Ist diese Lösung auch für ältere Menschen geeignet?

Duane Sider: Mit Hilfe der besonderen Spracherkennungstechnologie verbessern und perfektionieren Sie Ihre Aussprache im Vergleich zu der eines Muttersprachlers. Zusätzlich garantiert die intelligente und dynamische Abruf-Methode, dass die Bereiche, die Sie anfänglich als schwer empfinden in optimalen Intervallen während des Kurses wiederholt werden. Diese Methode hilft, die Sprache zu verstehen und das Erlernte zu festigen. Ältere Menschen benötigen für das Erlernen einer neuen Fremdsprache meist etwas mehr Zeit als jüngere. Mit Computer-gestützten Sprachkursen können sie stets genau dann lernen, wenn es ihnen am besten passt. Sie sind somit nicht an feste Lernzeiten gebunden und können jederzeit das bereits Erlernte wiederholen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.RosettaStone.de

Der Text ist erstmals auf dem Blog www.textblueten.wordpress.com veröffentlicht worden.

The Defenders

In einer Ecke der riesigen Veranstaltungshalle, in der The Defenders von William Forsythe aufgeführt wird, hängt hell erleuchtet ein überdimensionales weißes Rechteck. Es ist mehrere Meter lang, einen guten Meter dick und hängt auch etwas mehr als einen Meter über dem roten Boden. Aufrecht stehend kann man weder von oben auf das Rechteck sehen, noch hinüber auf die andere Seite oder darunter. Wenn man verfolgen will, was unterhalb des riesigen weißen Rechtecks geschieht, muss man sich auf den Boden kauern.

Doch sehend kann der Zuschauer  das Stück häufig gar nicht erfassen. Unter dem Rechteck wird geschlurft, gestöhnt, geschrien, getreten, geschlagen. Selten ist von Anfang an klar, was im Dunkeln geschieht. Manchmal lässt sich ein Bewegungsablauf, der bis auf ein paar Schatten nur akustisch wahrzunehmen war, später an einer beleuchteten Stelle auch visuell verfolgen. Andere Bewegungen sind vollkommen ausgeleuchtet: Die Lichtverhältnisse unter dem Rechteck wechseln ständig.

Die dominanten Geräusche der Menschen unter dem Rechteck werden von einem leichten Rauschen oder Surren begleitet, das an einen teilweise leichten und dann auch wieder orkanartigen Wind erinnert. In manchen Momenten kann man Fetzen bekannter Melodien hören, Affengekreische oder sogar ganze Worte auf Spanisch, US-Amerikanisch oder Deutsch. Aber die wenigsten Geräusche entsprechen richtig etwas Bekanntem oder Erwartbarem.

Die ganze Verständigung zwischen den Männern und Frauen funktioniert häufig nicht sprachlich und auch noch nicht einmal über Schreien oder sonstige Laute. Dennoch reagieren die Menschen unter dem Rechteck aufeinander, zeigen Angst, bedrohen sich oder bewegen sich miteinander und scheinen sich nahe. Manchmal richtet sich jemand rechts, links oder seitlich des Rechtecks auf und geht ein paar Schritte Aufrecht.

Dann wirkt das Verhalten der Darsteller aber wieder vorwiegend durch ihre Laute aggressiv, ängstlich oder erfreut. Durch ihre Schreie schüchtern sie andere ein oder erscheinen verängstigt und aufgeregt, etwa beim Anblick des eigenen Spiegelbildes. Andere wiederum machen durch wohliges Quietschen einen erfreuten Eindruck, wenn sie sich in den Spiegeln auf der linken Seite des Rechtecks entdecken.

Obwohl nie verständlich in ganzen Sätzen gesprochen oder gesungen wird, schaffen die Darsteller, dass man sich bei den Kriechenden unter dem Rechteck an eine marschierende Armee erinnert fühlt, man glaubt Außenseiter unter ihnen entdecken zu können oder einen professionellen Sänger, sowie einen Menschen, der sich so etwas wie eine Hütte oder Höhle zu bauen versucht. Fast vollkommen unbekleidet stellt er silberne Platten, mit deren Kanten und knallenden Geräuschen vorher eine Frau in die Flucht geschlagen worden ist, hochkant um sich herum auf und bedeckt sich so zumindest teilweise.

Genauso unvermittelt wie das Schlurren, Stöhnen, Kratzen und Schreien angefangen hat, endet The Defenders von William Forsythe mit dem US-Amerikanisch klingenden Gemurmel des kaum Bekleideten, der sich rückwärts und halb aufrecht gehend, von seiner höhlenartigen Bedeckung aus silbernen Platten zurückzieht, die von den anderen zerstört worden ist.

Foto: ©Dominik Mentzos

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Le cri

Der Anfang von Nacera Belazas Le cri wirkt wie ein Durcheinander aus lautem Geschrei und Gerempel – kurz: es könnte die Geräuschkulisse in einer Schulpause sein. Im Dunkeln sind schemenhaft zwei Menschen auf der völlig im Schwarzen liegenden Bühne zu erahnen. Ganz sachte wird das Licht intensiver. Langsam werden die Konturen einer Person deutlicher. Im Hintergrund ist jetzt ein murmelnder Gesang zu hören.

Plötzlich wirkt es, als hätte die deutlicher erkennbare Person goldene Füße, der ganze Körper ist immer mehr in golden wirkendes gleißendes Licht gehüllt. Man erkennt, dass die Person eine Frau ist. Sie trägt eine weite Hose, ein langärmeliges T-Shirt und ein kurzes darüber, alles in lila Farbtönen. Ihre Haare hat sie zu einem kurzen Zopf zusammengebunden.

Genauso wie sie bewegt sich auch die andere Person sachte von einem Bein auf das andere. Langsam wirkt auch sie wie in Gold gehüllt. Man erkennt immer deutlicher, dass beide Frauen nicht nur fast vollkommen synchron dieselben Bewegungen ausführen, sie tragen auch die gleiche Kleidung und Frisur. Genauso wirken ihre Gesichter zum Verwechseln ähnlich.

Im Hintergrund wird eine knisternde alte Plattenaufnahme von Nina Simone ‚Black Is the Color of My True Love’s Hair‘ immer lauter. Die Musik wird begleitet und gestört von einem orientalischen Männergesang, der immer lauter wird. Die beiden Frauen bewegen sich immer ausladender und lebendiger, sie schwingen mit den Armen, immer noch synchron und voneinander fast nicht zu unterscheiden.

Mittlerweile ist so viel Licht auf der Bühne, dass der Zuschauer erkennen kann, dass alle Musik aus einem einzigen verschwindend klein wirkenden Lautsprecher in der linken Ecke der Bühne kommt. Der Gesang des orientalischen Mannes wird immer aggressiver und lauter. Schließlich übertönt er sogar den Gesang Nina Simones samt Orchester und man hört deutlich, dass er von einem Trommeln begleitet wird.

Die beiden Frauen bewegen sich zu dem immer schnelleren Rhythmus des orientalischen Gesangs und der Trommeln. Plötzlich werden ihre Bewegungen asynchron, ihre Armbewegungen ausladender und unruhiger. Es tritt wieder der Schulpausenlärm in den Vordergrund und plötzlich wird es dunkel. Als es wieder hell ist, stehen beide Frauen ganz vorne auf der Bühne unmittelbar vor der ersten Zuschauerreihe und bewegen wieder sachte die Arme und sind synchron, fast wie ganz am Anfang.

Der klassische Gesang Maria Callas aus Verdis ‚La Traviata‘ wird immer lauter. Es wird wieder dunkel und die beiden Frauen stehen auf einmal weit hinten auf der Bühne in hellem Licht. In die klassische Musik mischt sich immer deutlicher Popmusik und der Gesang Maria Callas wird immer mehr von Amy Winehouse ‚Some Unholy War‘ abgelöst. Die beiden Frauen verlassen auf einmal ihren sonstigen Bewegungsablauf und fangen einzeln und mit dem ganzen Körper zu tanzen an. Sie bewegen sich wieder unmittelbar vor die Zuschauer.

Als die Musik von Amy Winehouse immer dominanter wird, wiegen sie sich nur noch regelrecht apathisch von einem Bein auf das andere. Schließlich verschwinden sie ganz von der Bühne und auf einer Leinwand im Hintergrund  werden langsam weiße Flecke immer deutlicher. Schließlich sind fünf Gestalten zu erkennen, die dieselbe Kleidung wie die beiden Frauen auf der Bühne tragen und es scheint, als bildeten sie auch wieder die erste Reihe der Tänzerinnen auf der Leinwand.

Zu dem Song ‚I Wanna Jump‘ von Ike und Tina Turner bewegen sie die Arme immer ausladender bis es schließlich wirkt, als seien ihnen Flügel gewachsen. Die Bewegungen auf der Leinwand haben immer mehr etwas von einem zu schnell abgespielten Trickfilm und bleiben schließlich wie eingefroren stehen.

Die Produktion Le Cri der algerischstämmigen und in Frankreich lebenden Choreografin Nacera Belaza, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester aufführt, ist 2008 mit dem französischen Kritikerpreis im Bereich Theater, Musik und Tanz ausgezeichnet worden.

Foto: ©Agathe Poupeney

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Vertical Road

Ich starb als Stein und wurde als Pflanze geboren.

Ich starb als Pflanze und wurde Tier.

Ich starb als Tier und bin zum Menschen geworden.

Was also sollte ich fürchten?

Wen verlor ich durch den Tod?

Nächstes Mal sterbe ich als Mensch,

Auf dass ihm die Flügel der Engel wachsen.

Doch selbst vom Engel muss ich weitergehen;

Alle Dinge vergehen, doch nicht Sein Angesicht.

Noch einmal erhebe ich mich über die Engel;

Was unvorstellbar ist, das werde ich sein.(Rumi)

Der persische Poet Mevlana Rumi ist eine der Hauptinspirationsquellen für den aus Bangladesch stammenden Choreografen Akram Khan bei der Konzeption des Tanztheaterstücks ‘Vertical Road’. Ergänzt durch die Musik des indisch-britischen Songwriters, DJs, Multi-Instrumentalisten und Komponisten Nitin Sawhney bringt er das Tanzstück Vertical Road mit seiner Akram Khan Company auf die Bühne.

Das Erste, das der Zuschauer auf der Bühne sieht, ist eine riesige, die ganze Bühne ausfüllende und von hinten erleuchtete, Leinwand. Schattenartig erkennt man einen Menschen hinter der Leinwand und eine kleine Gruppe Menschen auf der anderen Seite davor, auf der Bühne. Der Mensch bewegt sich hinter der Leinwand, versucht sie zu durchstoßen – vergeblich. Die Menschen auf der Bühne bilden einen Kreis um seinen Schatten.

Es wird immer heller und es ertönen laute Geräusche, Krach, ein Wummern, fast wie Flugzeuglärm. Die Menschen auf der Bühne haben sich aufgerichtet. Man erkennt Männer und Frauen, bis auf eine Frau in dieselben hellen weiten Hosen und Kittel gehüllt. Die sieben haben unterschiedliche Hautfarben.

Der Mensch, der vorher nur schattenartig hinter der durchsichtigen Leinwand zu sehen war, ist auf einmal auch auf der Bühne. Seine Kleider sind dieselben wie die der anderen Menschen, nur etwas dunkler. Er berührt die unbeweglich stehenden Fremden und geht schließlich an den Rand der Bühne, wo sieben kleine schwarze Bretter nebeneinander stehen. Er schubst ein Brett und die anderen fallen um wie Dominosteine. Sofort richtet er sie wieder auf. Die Tänzer beginnen sich zu bewegen zu etwas, das wie laute wummernde Trommelschläge klingt. Der Beat wird immer schneller, genauso wie die Bewegungen der Tänzer.

Der Mensch bleibt abseits der Gruppe, sieht den sich bewegenden zu. Die Gruppe versucht, den Einzelnen in ihren Tanz zu integrieren, bis alle zu Boden stürzen.  Langsam richten sich manche wieder auf, schließlich tanzt auch der Fremde mit ihnen. Der Trommelschlag wird manchmal von einem schräg-klagenden Geräusch ergänzt, das ein wie menschlicher Gesang klingt. Dann ertönen laute Töne. Sie erklingen unerwartet und ergeben keine Melodie.

Als der Gesang immer melodischer wird, haben ein Mann und eine Frau miteinander zu tanzen begonnen. Sie kapseln sich von der Gruppe ab und der Gesang des Chores im Hintergrund wird immer schiefer und schriller. Der Mann hält die Frau fest, entfernt sie von der Gruppe. Der Gesang verschwindet und die Percussion tritt wieder in den Vordergrund. Der Mann bewegt sich alleine wieder auf die Gruppe zu und wird nach und nach als Tänzer von ihnen wieder integriert.

Plötzlich mischen sich Töne einer klassischen Violine unter den Trommelschlag und  der Einzelne, der am Anfang hinter der Leinwand war, wird angeleuchtet. Er hält die Hände nach oben und wirkt, als ob er sich an einem unsichtbaren Seil in Richtung Himmel ziehen wollte, aber er kommt nicht von der Stelle. Während dessen tanzt die Gruppe weiter. Der Einzelne ist schließlich umringt von ihnen, aber er will sie offenbar auf Abstand halten.

Er umfasst eine der Tänzerinnen und trägt sie ins Abseits. Es ertönen leise, zarte Klänge. Fast augenblicklich löst sich ein anderer Tänzer aus der Gruppe und geht ihnen hinterher. Die Tänzerin muss gestützt werden, immer wieder droht sie zusammenzubrechen. Nach mehreren Drohgebärden lässt sich der Einzelne auf einen Tanz mit dem anderen Mann ein, der hektisch und voller Drohungen ist und wie ein Kampf wirkt. Sich selbst überlassen, sinkt die Frau zu Boden. Ein anderer Tänzer nähert sich ihr und sie geht schließlich zurück in die Gruppe.

Durch einen Spot auf die schwarzen Holzplatten erkennt der Zuschauer, dass drei der Holzplatten umgekippt sind. Der Einzelne nimmt einen Tänzer aus der Gruppe an der Hand und zieht ihn in Richtung der schwarzen Platten. Sie richten die Platten wieder auf, aber plötzlich nimmt der Tänzer eine Platte und schlägt sie auf den Boden. Er richtet sich auf und tanzt mit ihr. Als der Einzelne die Platte berühren will, fängt sein Körper an zu zucken und er lässt sie wieder los. Schließlich tanzt aber auch er mit der schwarzen Platte.

Im Abseits ist sich das Paar, das zuerst zusammengefunden hat, näher gekommen. Sie tanzen eng miteinander, rollen zusammen über den Boden. Als sie sich wieder aufrichten, wendet die Frau sich ab und sinkt schließlich zu Boden. Der Mann versucht sie zu stützen und zu tragen, aber einige der Tänzer aus der Gruppe nähern sich dem Paar. Er muss sie in die Flucht schlagen und schließlich die Frau sich selbst überlassen. Ein anderer Tänzer kommt und zwingt die Tänzerin, ihn am Kopf zu berühren. Er umklammert sie. Die anderen Tänzer umringen die beiden und bringen den Tänzer dazu, die Frau wieder loszulassen und ihr fern zu bleiben.

Es blitzt und donnert auf der Bühne, die eben noch fast unsichtbare Leinwand leuchtet plötzlich wieder hell auf. An ihr rinnen Wasserstrahle, fast wie Regen, herunter. Der Einzelne steht wieder vor den schwarzen Platten und wirft sie ganz um. Ein anderer Tänzer nähert sich ihm, sie tanzen miteinander bis der Einzelne schließlich wieder in der Nähe der Frau stehen bleibt, die er vorher von der Gruppe weggetragen hatte.

Als eine asiatische Tänzerin sich von der Gruppe löst und alleine auf der ganzen Bühne tanzt, erklingen asiatische Klänge, wie vorher klassische Violinpartien oder orientalische Töne die Trommelschläge begleitet haben. Eine andere Tänzerin gesellt sich zu der Asiatin und die anderen Gruppenmitglieder tanzen nach und nach auch mit den beiden. Nur der Einzelne steht wieder apathisch abseits der Gruppe.

Nach und nach verschwinden alle Tänzer hinter der Leinwand, wo ein orangener Licht-Punkt entsteht, der wie ein Sonnenuntergang wirkt. Die Tänzer sind als Schatten zu erkennen. Nur der Einzelne steht jetzt anders als am Anfang vor der Leinwand auf der Bühne und versucht, die Schatten der Anderen durch die Leinwand zu berühren. Die Proportionen der Schatten verändern sich, mal sind sie genauso groß wie der Mensch davor, manchmal wirken sie im Vergleich riesig.

Schließlich schlägt der einzelne Mensch gegen die Leinwand, sie stürzt herab und dahinter werden Menschen in einem Treppenhaus sichtbar. Ein virtuoses Stück der Akram Khan Company und des Komponisten Nitin Sawhney.

Dieser Text ist erstmals auf dem Blog www.textblueten.wordpress.com veröffentlicht worden.

Trailer der Akram Khan Company bei YouTube